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Edelsteinverarbeitung in Afghanistan: Entwicklungshilfe zur Selbsthilfe

Meldung vom 26.10.2009

Das laute Kreischen der Schleifmaschinen macht jedes Gespräch in der schlichten Werkstatt im Zentrum von Kundus unmöglich. Mehrere Männer bearbeiten mit Konzentration Lapislazuli. Der leuchtend blaue Edelstein kommt überall im Norden Afghanistans vor und wird in der bitterarmen Provinz Badakhshan abgebaut.

Auf Mustertafeln an den Wänden der Werkstatt stehen Anweisungen, wie Lapislazuli zugeschnitten werden muss, um als Schmuckstück Verwendung zu finden. Die neue Schule für Edelsteinschleifer ist ein Finanzierungsprojekt des deutschen Entwicklungshilfeministeriums. Faqir Muhammad Fanar, der Chef der Juweliersgilde von Kundus, ist stolz auf die Werkstatt und Bildungsstätte. „Wenn die Studenten eine bessere Ausbildung haben, können sie ihre Schmuckstücke auch in andere Regionen der Welt verkaufen“, meint er und streut rosafarbene Rubine, grüne Smaragde und blauen Lapislazuli auf seinen Schreibtisch. „Auf dem Weltmarkt sind unsere Steine sehr teuer.“

Seit jeher ist Afghanistan bekannt für die Qualität seiner Rubine, Smaragde, Saphire, Turmaline und Lapislazuli, die vielerorts noch mit mittelalterlichen Methoden aus dem Berg zu Tage befördert werden. In den britischen Kronjuwelen und im indischen Prachtbau Taj Mahal wurden Edelsteine vom Hindukusch verarbeitet. Und die afghanischen Steine sind weltweit begehrt. Nur gelangt der Gewinn selten zu der afghanischen Bevölkerung: 95 Prozent der Edelsteine gelangen Schätzungen zufolge im Rohzustand durch unterirdische Kanäle durch Schmuggler nach Pakistan. Dort werden sie zugeschnitten und dann zu einem weit höheren Preis auf dem Weltmarkt verkauft.

„Die Idee ist, die Steine hier zu schleifen, sie hier zu Schmuckstücken zu verarbeiten und damit auch einen viel größeren Teil des Profits hier zu ernten“, erklärt Sam Le Prevost, der für die neue Schule in Kundus verantwortliche Berater der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Die Schüler sind etwa in einem Alter von 18 Jahren. 16 von ihnen haben ihre Ausbildung bereits angefangen, 50 sollen es in Zukunft werden. 300 Millionen Dollar im Jahr könnten laut Experten die afghanischen Edelsteine einbringen. Das wäre viel Geld für das kriegszerrüttete Afghanistan, das mit einer Analphabetenquote von 90 Prozent als ärmstes Land der Welt außerhalb von Schwarzafrika eingestuft wird.

Die Edelsteinschleifer-Schule ist eines von fünf Projekten, mit denen das deutsche Entwicklungshilfeministerium die Wirtschaft im Norden Afghanistans ankurbeln will. Auch bei den anderen Vorhaben gilt das Prinzip, die Wertschöpfung im Land zu behalten: Im Unruhedistrikt Chahar Darrah etwa wurde 2008 eine Fabrik zur Herstellung von Marmelade und Tomatenmark gegründet. Obst und Gemüse wurde im fruchtbaren Kundus-Tal zwar längst erfolgreich angebaut, nur bestand keine Möglichkeit, sie für den Export haltbar zu machen. In Planung sind der Aufbau einer Gerberei, einer Design-Schule zur Herstellung von Teppichen und Beratung zur Vermarktung einheimischer Heilkräuter.

Beeinträchtigt werden die hoffnungsvollen Entwicklungs-Ansätze allerdings durch die sich drastisch verschlechterte Sicherheitslage gerade in der Unruheprovinz Kundus. „Wenn die Sicherheitslage nicht gut ist, können die Juweliere nicht zu anderen Orten reisen, und es können auch keine Edelsteine in den Bergen gefördert werden“, klagt Schulleiter Abdulrahim Hanak, der zugleich Nachkomme einer bekannten Edelstein-Dynastie in Kabul ist.

Auch die Exportchancen für afghanischen Schmuck werden dann schlechter. „Die internationalen Händler, die die Steine kaufen könnten, kommen nicht hierher, weil sie Angst haben“, befürchtet Hanak. Konkrete Gefahr für die Edelsteinschleifer-Schule in Kundus sieht der Brite Le Prevost aber nicht. „Die Einheimischen schützen die Schule, weil sie wissen, dass sie gut ist für die Gemeinschaft.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Stern“, stern.de

Schlagwörter: Afghanistan, Entwicklungshilfe, Edelsteine, Edelsteinschleifer, Lapislazuli, Werkstatt, Projekt, Kundus, Hindukusch, Entwicklungshilfeministerium, Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Kronjuwelen, Vermarktung, Sicherheitslage, Kabul, Export, Händler, Schmuggel, Gerberei, Teppiche, Weltmarkt, Le Prevost