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Kenia: Zuckerrohrfelder brennen und Milch wird weggeschüttet

Meldung vom 09.01.2008

Seit den blutigen Ausschreitungen nach den Präsidentenwahlen in Kenia geht es mit der Wirtschaft des ostafrikanischen Landes bergab. Die Krise des wirtschaftlich stärksten Landes Ostafrikas hat auch auf die Nachbarstaaten dramatische Auswirkungen.

In den vergangenen Jahren konnte Kenia ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von sechs Prozent verzeichnen. Nun wachsen die Ängste vor einer regionalen Wirtschaftskrise. Selbst bei einer schnellen Normalisierung der politischen Lage könne für 2008 höchstens ein Wachstum von zwei bis 4,5 Prozent erwartet werden, sagte der Wirtschaftsexperte Terry Ryan der Zeitung „Business Daily“.

Rund 250.000 Kenianer sind vor der Gewalt geflohen. Der Busverkehr ist zusammen- gebrochen. Kenianerinnen der Mittelschicht müssen nun selber waschen und putzen, weil ihre Haushaltshilfen keinerlei Möglichkeiten haben, zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Andere Arbeitgeber in den friedlichen Wohngegenden verwandeln ihr Heim in ein provisorisches Flüchtlingslager, um ihren Angestellten und deren Familien eine sichere Bleibe zu schaffen.

Auf den Teeplantagen und in der verarbeitenden Industrie im Westen und in der Zentralregion Kenias fehlen aufgrund des zusammengebrochenen Verkehrs zehntausende Arbeiter. Die Verluste der Teeindustrie, neben dem Tourismus die wichtigste Einkommensquelle Kenias, belaufen sich bereits auf mehr als 100 Millionen Euro. Seitdem hunderte Hektar Zuckerrohrfelder im Westen Brandstiftern zum Opfer gefallen sind, haben sich die Preise für Zucker verdoppelt.

Im zentralkenianischen Rift Valley mussten zehntausende Liter Milch, die bei den notleidenden Flüchtlingen dringend benötigt würden, weggeschüttet werden – die Molkereien konnten wegen der Unruhen nicht arbeiten. „Wir haben allein in der vergangenen Woche Millionenverluste gemacht“, klagt Musa Barno, Leiter des Verbandes der Agrarproduzenten. Tomaten, Bohnen und anderes leicht verderbliches Gemüse verfault auf den Feldern. Auf Nairobis Märkten dagegen herrscht zunehmend Leere.

Doch der Transitverkehr auf den Fernstraßen ist ebenso zusammengebrochen wie die Busverbindungen zwischen Provinzen und Nairobi. Tankwagen sitzen in den Treibstoffdepots in Nakuru, Kisumu und Eldoret fest. Diese drei Städte sind nicht nur wichtige Standorte der kenianischen Pipelinegesellschaft, sie waren auch besonders von der politischen Gewalt betroffen.

In Uganda hat sich in den vergangenen Tagen ein Schwarzmarkt für Benzin gebildet, die Preise explodieren. In Ruanda ordnete die Regierung an, Benzin zu rationieren. In Kenia laufen unterdessen Vermittlungen, die zu einem Ende des Machtkonflikts führen sollen.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Mitteldeutsche Zeitung“, mz-web.de