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Ruanda: Leben nur von Mais – Agrarpolitik erzwingt Monokulturen

Meldung vom 10.05.2010

Die politische Regulierung der Landwirtschaft in Ruanda verzeichnet zweifelhafte Erfolge. Die von der ruandischen Regierung verordnete regionale Monokultur von Agrarprodukten hat den Kleinbauern im östlichen Bezirk Nyagatare zu einer Rekordernte an Mais verholfen. Doch durch den Erntesegen ist der Maispreis so stark gefallen, dass die Farmer ihren Mais lieber lagern als ihn mit Verlust abzustoßen. Für den Kauf anderer Nahrungsmittel haben sie jetzt kein Geld mehr.

In Kirehe in Ostruanda hat der Landwirt Kalimunda in seinem Zweizimmerhäuschen prall gefüllte Maissäcke bis unter die Decke aufgeschichtet. „Überall nur Mais, man schläft sogar darauf“, beschwert sich der 36-Jährige. Der Bauer Bahorana, Mitglied einer örtlichen Agrarkooperative, erklärt: „In der Region haben viele Bauern seit Februar ihre Häuser geräumt, um darin ihre Maisernte zu lagern.“

Im Bezirk Niyagatare haben die kleinen Farmer auf rund 11.000 Hektar Land ausschließlich Mais gesät und 40.000 Tonnen geerntet. Weitere 10.000 Tonnen Mais stünden jetzt im Norden herum und finden keine Käufer, kritisiert die Agrarexpertin Natalie Niyonagira.

Aufgebracht erklärt Joseph Sibomana aus dem südlichen Rugeramigozi-Tal: „Die Dorfbewohner haben ihre Felder zusammengelegt, um darauf ein einziges wichtiges Produkt anzubauen.“ Ein Bauer aus dem nördlichen Gakenke klagt resigniert: „Durch den Einsatz von ausgewähltem Saatgut und von Dünger wollten wir mehr produzieren, doch jetzt fehlt der Absatzmarkt, und die Ernte wird gelagert.“

Ruandas Behörde für landwirtschaftliche Entwicklung (RADA) gibt zu: „Um andere Nahrungsmittel kaufen zu können, müssen die Bauern im Norden und Süden ihre Ernte zu einem lächerlichen Preis anbieten.“ Dennoch sind die Beamten stolz auf die quantitativen Erntesteigerungen, die vor allem durch verändertes Saatgut und Kunstdünger erreicht werden konnten. In Ruanda herrscht derzeit eine Entwicklungsdiktatur. Dies macht sich auch in der Agrarpolitik bemerkbar.

Ruandas Bauern erhalten genaue Vorschriften, welche Produkte sie in ihrer Region in Monokulturen anpflanzen müssen: Im Osten ist das Mais, Kaffee, Reis, Bananen und Ananas, im Süden Maniok, Weizen, Tee und Kaffee, im Westen Tee, Kaffe und Kartoffel, und im Norden Kartoffel, Weizen, Maracuja und Chrysanthemen. Die Hauptstadt Kigali hat sich auf Obst und Blumen spezialisiert. Bauern, die sich der Agrarreform nicht unterordnen wollen, müssen damit rechnen, dass alles vernichtet wird, was auf ihren Feldern wächst.

Derzeit kann man auf den Märkten des ostafrikanischen Landes weder Lebensmittel noch Kunden sehen. „Wir essen jeden Tag Mais, nicht einmal für die Kinder gibt es etwas anderes. Geld für andere Lebensmittel haben wir nicht“, beschwert sich ein Mann aus dem Nordbezirk Gakenke.

Doch nach Ansicht des Kooperativenchefs Gafaranga könne man aus der neuen Agrarpolitik auch Vorteile ziehen. „Innerhalb von zwei Jahren haben allein im Norden 39 Bauern an ihren Ernteeinnahmen soviel verdient, dass sie sich einen Lastwagen anschaffen konnten“, meint er. Dennoch gibt er den Behörden den Rat, mehr Flexibilität zuzulassen. „Sie sollten Bauern, die nur kleine Felder besitzen, erlauben, andere Erzeugnisse als die vorgeschriebenen Monokulturen anzubauen, etwa Zwiebeln und Gemüse, die ihnen mehr einbringen als Mais oder Kartoffeln.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: afrika.info

Schlagwörter: Ruanda, Agrarpolitik, Monokulturen, Mais, Saatgut, Dünger, Entwicklungsdiktatur, Landwirtschaft, Bauern, Maisernte, Absatzmarkt, Nahrungsmittel, Kigali, Rekordernte, Kooperative