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Kampf um Rohstoffe: Die Börse handelt mit dem Hunger

Meldung vom 31.08.2010

Nur wenigen ist bekannt, dass Getreide und Nahrungsmittel an einer Rohstoffbörse gehandelt werden. Oft werden ganze Ernten schon weit im Voraus verkauft und die Preise von Spekulanten in die Höhe getrieben. Es ist ein Riesengeschäft für Spekulanten – und eine Katastrophe für die Ärmsten. Anleger stellen sich wegen sinkender Aktien auf Agrarrohstoffe um. Bei schlechten Nachrichten explodieren die Preise für Weizen oder Mais, für Entwicklungsländer sind sie dann nicht mehr erschwinglich.

Der Preis für Weizen ist seit Anfang August massiv in die Höhe geschnellt, zeitweise um 50 Prozent. Mittlerweile haben sich die Preise an den internationalen Rohstoffbörsen wieder leicht nach unten korrigiert, doch nun warnen Experten davor, dass sich die Entwicklung bei Reis oder Mais wiederholen könnte.

Vor allem beim Reis hätten steigende Preise dramatische Folgen: Aus Reis besteht die Grundernährung für die Hälfte der Weltbevölkerung. Steigende Preise könnten das ohnehin dramatische Ernährungsproblem auf die Spitze treiben. Doch wie entstehen eigentlich solche Preisschwankungen?

Ökonomen machen darauf aufmerksam, dass die Preise für Agrarrohstoffe längst nichts mehr mit dem realen Angebot und der realen Nachfrage zu tun haben. Seit der Finanzkrise sucht man für Abermilliarden von Dollar und Euro neue Anlageformen. Statt US-Immobilien sind nun Öl, Metalle und eben auch landwirtschaftliche Produkte im Trend. An Rohstoffbörsen wie in Chicago bieten Zocker die Preise in die Höhe – und lassen so für Milliarden Menschen die Grundnahrungsmittelpreise explodieren.

Dabei machen sich die Spekulanten einen ohnehin vorhandenen Trend zunutze. Denn unabhängig vom Börsenbetrieb gibt es einen ganz realen Grund, der Agrarrohstoffe teurer macht: der weltweit steigende Absatzmarkt für Fleisch und Biosprit.

Angesichts der steigenden Rohstoffpreise fühlt man sich schnell an die Hungerkrise 2008 erinnert. Damals verdreifachte sich der Reispreis, die ärmsten Länder der Welt konnten ihre Bevölkerung nicht mehr mit dem Nötigsten versorgen. Selbst Hilfsorganisationen hatten Probleme, Nahrungsmittel zu erstehen. In Indonesien musste die Armee Reislager bewachen, in Haiti kamen Menschen bei Aufständen ums Leben, in 30 weiteren Ländern entstanden Unruhen.

Danach fielen die Preise an den Rohstoffbörsen wieder, das Problem schien überwunden. Doch die Hungerkrise war nie vorbei, sie verschwand nur aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit. Die Zahl der Hungernden vergrößerte sich weltweit in wenigen Jahren von 850 Millionen auf über eine Milliarde, so das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.

Wie das funktioniert, wurde Anfang August deutlich, als der Weizenpreis unkontrolliert anstieg. Ursprünglich hatte der Großteil der Anleger auf fallende Preise spekuliert und daher Leerverkäufe abgeschlossen, sich also Weizen geliehen und verkauft, um ihn später zu einem niedrigeren Preis einzukaufen. Doch dann verbreitete sich die Schocknachricht aus Russland: Weil Waldbrände die Ernte in Gefahr brachten, ordnete der Kreml ein Exportverbot an.

Am Markt herrschte plötzlich Hysterie. Durch massive Aufkäufe stieg der Weizenpreis zeitweise um 50 Prozent. „Obwohl genug Weizen in den Lagern war, überwogen für die Anleger plötzlich die Risiken“, erklärte Eugen Weinberg, Rohstoffexperte von der Commerzbank. Er bemängelt den Herdentrieb auf dem Markt, die Preise würden nicht mehr an Fundamentaldaten wie Ernteerträgen festgemacht, sondern seien der Stimmung unterworfen – also der Panik oder Euphorie.

Daraus entsteht eine Art Rückkopplungseffekt auf den realen Markt. Denn die extremen Preisschwanlungen verunsichern die Landwirte. Sie horten ihre Ernte – in der Hoffnung, selbst ein bisschen vom Spekulationsgeschäft zu profitieren. „Das gehört mit zum Geschäft“, sagte kürzlich ein US-Farmer im ZDF. Die Konsequenzen sind fatal: In Indien und China verfaulen zum Teil schon die Bestände. Für die Landwirte ist es gewinnbringender, auf steigende Preise zu setzen, als ihre Produkte gleich nach der Ernte zum Verkauf anzubieten.

Unter diesem Spiel leiden die Ärmsten der Armen. Ralf Südhoff, der Leiter der deutschen Abteilung des Welternährungsprogramms (WFP), ist skeptisch über die Entwicklung in weiterer Zukunft. Das Welternährungsprogramm ist in vielen Ländern der größte Aufkäufer von Agrarprodukten und etwa ein Drittel seiner Nahrungsmittelhilfe besteht aus Weizen.

Jedes Jahr ersteht die UN-Organisation mehr als eine Million Tonnen Weizen, um Flüchtlinge oder Opfer von Naturkatastrophen vor dem Hungertod zu bewahren. Rund eine Milliarde Dollar investiert sie pro Jahr in den Kauf von Nahrungsmitteln. Den Märkten ist das WFP völlig ausgeliefert. Wenn Weizen wie derzeit in die Höhe schnellt, schrumpft die Hilfe. „Wir können mancherorts fast nichts mehr aufkaufen, wenn die Preise so stark steigen“, klagt Südhoff.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de

Schlagwörter: Globale Projekte, Börse, Hunger, Welthungerindex, Welternährungsprogramm, WFP, Spekulanten, Aktien, Investition, Rohstoffbörse, Zocker, Grundnahrungsmittelpreise, Anlage, Finanzkrise, Ernte, Finanzmarkt