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Äthiopien: Land im Ausverkauf

Meldung vom 09.02.2011

Immer größere Hektarflächen von Land verpachtet Äthiopien an ausländische Unternehmer. Der Ausverkauf von Land nimmt Ausmaße an, der die lokalen Kleinbauern in die Enge treibt. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen macht darauf aufmerksam, dass die Armut der Kleinbauern mit der geplanten Verpachtung riesiger Flächen noch weiter vorangetrieben und viele kleinere Völker in ihrer Existenz bedroht werden. Äthiopien plane, Flächen größer als die Niederlande an ausländische Investoren zu verpachten.

Der äthiopische Landwirtschaftsminister Tefera Derbew habe Anfang Februar bei seiner Rückkehr von einer Indienreise erklärt, ausländische Investoren hätten jetzt die Chance, zusätzlich 3,6 Millionen Hektar Land zu pachten, berichtete die GfbV. Zuvor hatte er bereits 1,8 Millionen Hektar zur langfristigen Verpachtung angeboten. Das macht insgesamt eine Fläche von 54.000 Quadratkilometern aus und umfasst deutlich mehr Land als die Größe der Niederlande.

„Von den Großplantagen, die Investoren anlegen und deren Produkte zumeist exportiert werden, haben Äthiopiens Kleinbauern und die immer wieder hungernde Landbevölkerung nur wenig“, bemängelte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Vor allem unter den Völkern der Oromo, Afar, Anuak, Somali und kleineren ethnischen Gruppen im Süden Äthiopiens habe der Landraub zur Folge, dass die eigene Bevölkerung nicht mehr ausreichend Nahrungsmittel erhalte.

„Es ist skandalös, dass Äthiopien um internationale Nahrungsmittelhilfe für die Regionen Oromiya und Ogaden bittet und zugleich den Bauern auch in diesen Gebieten immer mehr Land raubt, um Platz für die Exportproduktion ausländischer Investoren zu schaffen“, empört sich Delius. Angesichts der Wasserknappheit und des ausbleibenden Regens und der Dürreopfer im Osten und Süden des Landes sind diese Schritte der Regierung besonders drastisch.

307.000 Hektar Land wurden nach Angaben der GfbV inzwischen in- und ausländischen Pächtern zur Verfügung gestellt. Zu den wichtigsten Investoren gehören indische Unternehmen, die 79 Prozent des verpachteten Landes für die kommenden 70 Jahre an sich rissen. Sie haben nach Angaben des Landwirtschaftsministers bereits 4,7 Milliarden US-Dollar in der äthiopischen Landwirtschaft angelegt. Die indischen Firmen unterhalten vor allem den Anbau von Baumwolle, Ölpalmen, Kautschuk, Ölsaaten und Zuckerrohr.

Auf Widerstand stößt der Ausverkauf des Landes nicht nur bei den betroffenen Bauern, sondern nun auch bei Äthiopiens Staatspräsident Girma Wolde-Giorgis. Wie erst jetzt herauskam, hatte er sich in einem Brief an den Landwirtschaftsminister vom 10. Dezember 2010 gegen die Rodung von Wäldern in der Region Gambella für den Bau von Großfarmen ausländischer Investoren ausgesprochen.

„Fast 40 Prozent der äthiopischen Bevölkerung ist unter- oder mangelernährt“, fügte Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung der Grünen, hinzu. „Bis zu acht Millionen Äthiopier sind auf internationale Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Doch statt ihre eigenen Bauern stärker darin zu unterstützen, mehr Nahrungsmittel für den heimischen Markt anzubauen, verscherbelt die äthiopische Regierung Land an ausländische Großinvestoren.“

Die Bundesregierung solle es sich zur Aufgabe machen, im Rahmen der im Juni anstehenden Regierungsverhandlungen die „Widersprüche in der Agrarpolitik Äthiopiens“ zu thematisieren und die Regierung von Premier Meles Zenawi auf ihre Pflicht zur Achtung des Rechts auf Nahrung hinweisen, forderte Hoppe. „Sie sollte auch auf deutsche Firmen einwirken, mit ihren Investitionen nicht länger den Kampf gegen den Hunger zu konterkarieren.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Entwicklungspolitik Online“, epo.de

Schlagwörter: Äthiopien, Land, Fläche, Acker, Hektar, Landraub, Ausverkauf, Investoren, Regierung, Meles Zenawi, Dürre, Hunger, Kleinbauern, indische Investoren, Argrarpolitik, Großplantagen, Recht auf Nahrung