Unser Service für Sie


 [ » Newsletter ]

[ » zum Kontakt-Formular ]

[ » Material bestellen ]

[ » Geschenke bestellen ]



Videos aus unseren Projekten finden Sie auf unserem Youtube-Kanal.
[ » Gebende Hände – Youtube-Kanal ]


Wenn Sie Kunde von Amazon sind, können Sie Gebende Hände bei jedem Einkauf unterstützen – jedes Mal mit 0,5% des Kaufpreises. [ » Ja, das will ich.]


Haiti: Stichwahl verläuft ruhig, doch der Schein trügt

 
Meldung vom 21.03.2011

Haiti wählt einen neuen Präsidenten – und auf den ersten Blick ist die Wahl ohne ernste Zwischenfälle verlaufen. Doch zwei Ex-Machthaber haben sich schon in Position gebracht.

Der Sonntagmorgen in Haiti verläuft in erwarteten Bahnen: Schlangen vor den Abstimmungslokalen, lückenhafte Wahllisten und fehlende Stimmzettel. Der Auftakt zur Stichwahl um das Präsidentenamt entspricht den Erwartungen über den krisengeschüttelten Karibikstaat.

Eine Mischung aus Chaos und Lethargie überlagert den Urnengang, dessen erste Zwischenergebnisse am 31. März feststehen werden. Am 16. April, so sieht es zumindest das offizielle Protokoll vor, ist der Nachfolger von Amtsinhaber Rene Preval bestätigt – fast ein halbes Jahr nach dem allerersten Wahlgang.

Immerhin: In der Zwischenzeit hat sich Einiges verändert, was in diesem Zusammenhang allerdings nicht viel Gutes bedeuten kann. Die beiden übrig gebliebenen Bewerber um den Posten des Präsidenten, der populäre Sänger Michel „Sweet Micky“ Martelly sowie die Wissenschaftlerin Mirlande Manigat, drohen dabei fast schon zu Statisten zu werden.

Denn die große Bühne in den zurückliegenden Wochen sicherten sich zwei prominente Rückkehrer mit dunkler Vergangenheit und zweifelhaften Plänen für die Zukunft: Ex-Diktator Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier (59) sowie, Ironie der Geschichte, der erste frei gewählte Präsident Haitis und zugleich einer der korruptesten Politiker seines Landes, Jean-Bertrand Aristide (57).

Beide erheben nach wie vor Anspruch darauf, Fürsprecher und Publikumslieblinge der sogenannten einfachen Leute zu sein. Und beide setzen dabei auf eine unerklärliche Rückendeckung in der Bevölkerung. Duvalier, dessen Familie Haiti drei Jahrzehnte lang im wahrsten Sinne des Wortes ausbluten ließ, greift überdies auf Terrortrupps der „Tontons Macoutes“ sowie Teile der unter Aristide aufgelösten Armee zur Durchsetzung seiner Interessen zurück. Aristide scheint seinerseits ebenfalls auf schlagkräftige Interessensgruppen hoffen, etwa in den Elendsvierteln der Großstädte, wo das Stimmungsbarometer nicht erst seit dem verheerenden Beben von 2010 äußerst schwankend ist.

Die Situation könnte in ein strategisches Desaster ausarten, selbst wenn die Wahlen zu einem eindeutigen Ergebnis kommen, wie der aus Haiti stammende Soziologe Marc Auguste vermutet. Duvalier hat sich offenbar hinter den aussichtsreichsten Bewerber, den Sänger Martelly, gestellt.

Aristide hingegen präsentierte sich nach seiner Ankunft zwei Tage vor der Wahl staatsmännisch – und beklagte zunächst einmal die schätzungsweise über 300.000 Opfer des Erdbebens. Die Tatsache, dass der ehemalige Salesianerpater eine Wiederzulassung seiner von der aktuellen Wahl ausgeschlossenen Bewegung Fanmi Lavala verlangte, beweist aber, dass er mit eigenen politischen Absichten zurückgekehrt ist. Das könne Haiti erneut in eine Sackgasse führen, so Auguste.

Dabei stehen so viele Aufgaben bevor: Der Wiederaufbau des Landes liegt brach; immer noch schlafen viele Menschen in Notunterkünften. Die seit dem Herbst grassierende Cholera nimmt zusätzliche Kräfte und Gelder in Anspruch, die eigentlich für so etwas wie eine wirtschaftliche Wiederbelebung eingeplant waren. Zusätzlich nachteilig wirkt sich das Beben in Japan auf die Situation in Haiti aus: Manche Organisationen versetzen ihre Helfer in das neue Katastrophengebiet.

Angesichts solcher riesigen Herausforderungen erscheint die Ruhe, die der haitianische Internetdienst AlterPresse an diesem Wahlsonntag beobachtet, geradezu gespenstisch. Hinter den Kulissen liegen die großen Kontrahenten auf der Lauer – Zeit genug dazu haben sie ja.

Aristide wird jetzt die Lage prüfen. Martelly war eine kurze Zeit um seinen prominenten Unterstützer in Sorge. Der international bekannte Hip-Hop-Star Wyclef Jean wurde am Vorabend der Wahl an der Hand angeschossen. Er konnte aber nach kurzer Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen. Und „Baby Doc“ Duvalier übt sich derzeit ebenfalls in Geduld. Er wurde zuletzt des Öfteren abends auf Jazzkonzerten beobachtet.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Welt Online“, welt.de

Schlagwörter: Haiti, Stichwahl, Präsident, Ex-Diktator, Machthaber, Abstimmung, Urnengang, Michel Martelly, Mirlande Manigat, Jean-Bertrand Aristide, Jean-Claude Duvalier, Terrortrupp, Wiederaufbau, Cholera