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Afghanistan: Rasender Mob tötet sieben UN-Mitarbeiter

 
Meldung vom 04.04.2011

Nach den Freitagsgebeten sind in Nordafghanistan Tausende Demonstranten auf die Straße gegangen und haben sich eine internationale Einrichtung zum Ziel ihrer Wut gesucht. Die tobende Masse drang schließlich in das Büro der Vereinten Nationen ein und tötete in Masar-i-Scharif sieben UN-Mitarbeiter. Einige davon sollen enthauptet worden sein. Fernsehbilder dokumentieren das ausbrechende Chaos. Die gegen amerikanische Einflüsse gerichtete Aggression mündete in eine Gewaltorgie.

In einem Rausch von Gewalt und Zerstörungswut haben am Freitag Hunderte Demonstranten das Büro der Vereinten Nationen in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan in ihre Gewalt gebracht. Sie verwüsteten das Gebäude und töteten dabei mindestens elf Menschen. Die UN bestätigte am späten Freitagabend, dass sieben ihrer Mitarbeiter ermordet wurden, darunter vier nepalesische Wachleute. Drei weitere Ausländer, darunter die norwegische Pilotin Siri Skare (53), die für die UN arbeitete, ein schwedischer und der rumänische UN-Mitarbeiter Filaret Motzco (43), fielen dem Mob ebenfalls zum Opfer.

Der gewaltsame Angriff, einer der schwersten auf die UN in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban, hatte nach den Freitagsgebeten in der als relativ ruhig geltenden Hauptstadt der Provinz Balkh angefangen. Religiöse Führer hatten in der Blauen Moschee, einer der bekanntesten Gebetsstätten des Landes, Hasspredigten gegen Koran-Verbrennungen in den USA gehalten und die Menge aufgewiegelt, erklärten Einwohner von Masar-i-Scharif. Anschließend seien rund 2.000 Menschen durch die Straßen der Stadt gelaufen und hätten ihrem Unmut mit Parolen gegen die USA und gegen die in Afghanistan engagierte UN freien Lauf gelassen.

Hintergrund der Proteste war eine Koran-Verbrennung, die ein Pastor aus dem US-Staat Florida veranlasst hatte. Seine Aktion war international weitgehend medial ignoriert worden, allerdings waren offenbar Muslime bei der Verbrennung zugegen gewesen.

Die afghanische Polizei geht rückblickend davon aus, dass sich bei dem Menschenauflauf, der sich nur rund eine halbe Autostunde vom deutschen Bundeswehrcamp entfernt in der Stadt ereignete, zuerst nur friedliche Demonstranten einfanden. Später hätten sich aber Extremisten dazwischen gemischt, um den Protest für ein Gewaltszenario auszunutzen.

„Vor der UN-Zentrale tauchten plötzlich mehrere Männer mit Messern und Pistolen aus der Menge auf und eröffneten das Feuer auf die Wachleute“, meldete der Polizeisprecher Ahmadzai. Nach der zunächst weitgehend friedlichen Demonstration nach dem Freitagsgebet sei plötzlich ein Andrang auf die Tore des gesicherten Geländes ausgebrochen, schilderten mehrere Augenzeugen. Von hinten hätte sich die Menschenmasse so lange nach vorne gedrängt, bis die Tore der Zentrale nachgegeben hätten. Die afghanische Polizei hatte zu diesem Zeitpunkt keine Kontrolle mehr über den Mob, obwohl sie Warnschüsse abfeuerte. Ein UN-Sprecher in Kabul sagte Stunden nach dem Angriff, die wütende Menschenmasse habe regelrecht Jagd auf die Mitarbeiter auf dem UN-Gelände gemacht. Die Polizei konnte die Gewaltorgie erst nach Stunden in den Griff bekommen.

Die Mitarbeiter vor Ort hätten „alles versucht, um das Gelände zu schützen, aber es waren einfach zu viele. Da waren Hunderte, vielleicht Tausende Demonstranten, viele bewaffnet.“ Die UN wird aus dem Vorfall Konsequenzen ziehen. Nach einem Überfall der Taliban im Oktober 2009 auf ein Gästehaus der Organisation hat die UN die ausländische Präsenz massiv eingeschränkt. Mittlerweile wohnen die UN-Mitarbeiter in Kabul auf einem abgeschotteten Gelände in der Hauptstadt.

Auch sicherheitsstrategisch bedeutet der Anschlag einen großen Rückschritt. Masar-i-Scharif wird als eine der wenigen Musterstädte Afghanistans eingestuft, in denen die afghanische Polizei und das Militär bereits weitgehend die Kontrolle über die Sicherheit übernommen haben. Der Anschlag jedoch offenbart, dass die Polizei mit einem spontanen Gewaltausbruch absolut überfordert ist. Bilder des lokalen afghanischen Fernsehens dokumentierten das Durcheinander bei den afghanischen Sicherheitskräften während der Attacke. Mehrere Polizisten schossen unkontrolliert in die Luft, andere zielten auf die Demonstranten.

Die Bundeswehr hat in Masar-i-Scharif rund 2.000 Soldaten stationiert. Warum diese nicht in den Tumult eingegriffen haben, ist bisher noch ungeklärt. Angeblich seien sie nicht zuständig für Sicherheitsaufgaben in der Stadt. Vor den hohen Mauern des Camps patrouillieren eher Soldaten skandinavischer Staaten. Ob diese oder andere internationale Kräfte bei den gewaltsamen Protesten zum Einsatz kamen oder später in der Stadt Präsenz zeigten, ist bisher nicht bekannt.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de

Schlagwörter: Afghanistan, Mob, Menschenmenge, UN-Mitarbeiter, Gewaltorgie, Demonstranten, Masar-i-Scharif, Freitagsgebet, Hasspredigt, Koran, Koran-Verbrennung, Pastor, Terry Jones, Florida, UN-Büro, Bundeswehr, Sodaten, Polizei, Kabul