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Uganda: Der kleine Meuchelmörder – Mit Pestizid gegen die Malariamücke

Meldung vom 26.04.2011

Malaria ist in Uganda immer noch ein großes Problem. Viele Menschen sterben jährlich an dieser Krankheit, die durch die Anopheles-Mücke übertragen wird. Nur wenige haben das Geld, um sich beim Ausbruch der verhängnisvollen Krankheit medizinisch behandeln zu lassen. Die ugandische Regierung setzt daher das Pestizid DDT gegen Malariamücken ein. Doch die schädlichen Folgen für Mensch und Natur sind groß. DDT gilt als krebserregend. Außerdem entzieht der Einsatz des Pestizids den Biobauern des Landes ihre Lebensgrundlage. Denn Spuren von Insektiziden in Bio-Produkten sind undenkbar.

Das sumpfige Gebiet im Norden gilt nicht als die beliebteste Region Ugandas. Die britischen Kolonialherren, verschiedene Diktatoren und der derzeit herrschende Machthaber zeigten wenig Interesse daran. Selbst die Rebellen der „Widerstandsgruppe des Herrn“, die bis 2008 die Gegend unsicher machten, zogen schließlich weiter. Geblieben ist der größte Meuchelmörder im Land. Er ist winzig und nennt sich „Anopheles gambiae“. Die Stechmücke fühlt sich im Sumpf besonders heimisch. Sie überträgt Malaria, eine Krankheit, an der wahrscheinlich mehr Afrikaner sterben als an Aids.

Aber Alex Fokkens kann darauf keine Rücksicht nehmen. Der Holländer hat vielen ugandischen Bauern mit seiner Biofirma eine Existenzbasis geschaffen. Er ließ sich auch vom Bürgerkrieg nicht vertreiben und kaufte ihnen naturreine Baumwolle und Sesam ab. Die einzige Bedingung, die er an diesen Handel knüpfte, war eine Ware ohne Pestizide. Die können sich Kleinbauern ohnehin oft nicht kaufen.

Rein biologischer Anbau ist entweder Signal von größter Armut oder von größtem Wohlstand: Beides erlaubt keinerlei Kompromisse. Wie kompromisslos, das müssen die Bauern derzeit zu ihrem Leidwesen erfahren. Seit drei Jahren lässt Ugandas Regierung die Hütten mit der Chemikalie DDT und anderen Insektenvernichtungsmitteln einnebeln. Setzen sich Malariamücken auf eine mit DDT behandelte Hauswand, sterben sie sofort.

Seit dieser Zeit nimmt Fokkens betroffenen Bauern keine Ware mehr ab. Ihre Felder bleiben von Insektenvernichtungsmitteln zwar unbelastet. Aber die Bauern lagern ihre Ernte in den Hütten. Fokkens ist seit 2001 Produktmanager einer holländischen Fair-Trade-Firma, die faire Preise zahlt und Kinderarbeit ausschließt. Fokkens erklärt, er habe keine andere Wahl, als kompromisslos zu sein: „Spurenelemente von Insektiziden in einem Sesamriegel aus dem Reformhaus – das kann sich niemand erlauben.“ Sein kleines Exportgeschäft entstand da, wo vorher Krieg und Elend herrschten.

Die Witwe Paska Ayo ist eine von Fokkens Lieferanten. Sie erinnert sich an die Namen von neun Kindern aus dem Dorf, die im vergangenen Jahr an Malaria gestorben sind. „Jeder von uns hatte hier schon Malaria“, meint Ayo. Umgerechnet 1,50 Euro ist der Preis für eine Dosis Chloroquin, das Gegenmittel – viel Geld für jemanden, dessen Tagesgehalt sich auf eine solche Summe beläuft.

Als 2008 die staatlichen DDT-Sprüher nach Barlyec kamen, besprühten sie auch Ayos Haus mit dem Pestizid. Jeder Familie wurde ein Moskitonetz dazu ausgehändigt. Zwei Stunden habe sie ihr Haus nicht aufsuchen dürfen, sagt Ayo. „Danach roch es nach gar nichts mehr.“ Sie habe nicht viel darüber nachgedacht. Keiner sei davon bisher krank geworden. Aber auf einmal konnte sie ihre Produkte nicht mehr veräußern. „Wir haben unseren Markt verloren, deshalb lehnen wir DDT ab“, klagt sie.

Seit langem schon setzten sich Biofirmen und Umweltorganisationen in Uganda gegen DDT und andere Pestizide zur Wehr. Fokkens’ Firma hat zusammen mit drei Dutzend weiteren ausländischen Biofirmen Ugandas Regierung verklagt und gefordert, die chemische Malariabekämpfung abzubrechen. Die Firmen verloren das Verfahren. Drei Jahre lang muss ein afrikanisches Feld frei von Pestiziden sein, um ein Biosiegel zu erhalten. DDT lässt sich noch Jahrzehnte nach Gebrauch auffinden.

Insgesamt 11.000 Bauern hat Fokkens noch unter Vertrag, die sich erfolgreich gegen DDT widersetzt haben und bis heute ohne das Mittel auskommen. Angst vor dem Malariatod sei unnötig, sagt Fokkens. „Moskitonetze sind das beste Mittel gegen Malaria.“ Und Medikamente seien auch eine Lösung. Sie müssten nur frei ausgeteilt und nicht unter der Hand verkauft werden.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, faz.net

Schlagwörter: Uganda, Malaria, Pestizid, DDT, Stechmücke, Anopheles-Mücke, Bio, Bio-Landwirte, Chemikalie, Umwelt, Krebs, Umweltorganisation, Insektizid, Moskitonetz