Unser Service für Sie


 [ » Newsletter ]

[ » zum Kontakt-Formular ]

[ » Material bestellen ]

[ » Geschenke bestellen ]



Videos aus unseren Projekten finden Sie auf unserem Youtube-Kanal.
[ » Gebende Hände – Youtube-Kanal ]


Wenn Sie Kunde von Amazon sind, können Sie Gebende Hände bei jedem Einkauf unterstützen – jedes Mal mit 0,5% des Kaufpreises. [ » Ja, das will ich.]


Rumänien: Pressefreiheit im Ausverkauf

Meldung vom 03.06.2011

Die Pressefreiheit in Rumänien gibt immer mehr Anlass zur Sorge. Kritische Fernsehsender werden mit undurchsichtigen Machenschaften an Großmogule verkauft und kritische Redakteure mit Intrigen aus dem Weg geräumt. Massenentlassungen, Monopolisierung, gegängelte Redaktionen – so sieht derzeit der traurige Alltag in der rumänischen Medienlandschaft aus. Inwieweit der Staat in diese Entwicklung verwickelt ist, ist nicht klar, doch derzeit üben einzelne autoritäre Medienbesitzer fast die gesamte Kontrolle auf den Medienmarkt aus.

Die Nachrichten aus Rumänien sind erschreckend: 6.000 Journalisten wurden seit Beginn der Wirtschaftskrise entlassen, über 60 Zeitungen haben ihren Betrieb eingestellt, die Auflagen der noch nicht kapitulierten, überregionalen Zeitungen sind dramatisch zurückgegangen.

Diese dramatische Bilanz einer sich im Umbruch befindlichen Presselandschaft gab Anfang Mai die rumänische Organisation ActivWatch in einem Jahresbericht zur Lage der Pressefreiheit in Rumänien heraus. Die Untersuchungsergebnisse sind schockierend: Die Unabhängigkeit der Presse in Rumänien sei nicht mehr gewährleistet, so die Schlussfolgerung. Nicht durch Gesetzgebung, die die Meinungsfreiheit eingrenzt, sondern durch die Kontrolle des Markts durch wirtschaftliche und politische Interessengruppen.

In diesem Zusammenhang wird eine wachsende „Mogulisierung“ der Presse kritisiert. Damit ist die strikte Kontrolle der Medien durch ihre Besitzer gemeint. In den letzten zwei, drei Jahren hörten mehrere überregionale Zeitungen aus wirtschaftlichen Gründen ihren Dienst auf. Die Zeitungen Cotidianul und Gândul erscheinen nur noch online und müssen durch die Entlassung vieler ihrer Mitarbeiter auch einen alarmierenden Qualitätseinbruch hinnehmen.

Westliche Pressekonzerne, die in den neunziger Jahren versuchten, in Rumänien Fuß zu fassen, sind den Rückzug angetreten. Eine der größeren überregionalen Tageszeitungen, Evenimentul zilei, ist zwar noch an den Schweizer Ringier-Konzern angeschlossen, kündigte aber kürzlich redaktionelle Umstrukturierungen an. Die Mitarbeiter sehen einer Entlassungswelle entgegen.

Als Folge dieses unaufhaltsamen Niedergangs der journalistischen Unabhängigkeit kann man eine zunehmende Boulevardisierung der Medien wahrnehmen. Zeitungen und Fernsehsender befinden sich inhaltlich und stilistisch immer mehr auf der Ebene einer fraglichen seichten Fernsehserie, bestehend aus einer Flut von hysterischen Berichten über tödliche Unfälle, Verbrechen und Katastrophen. Die rumänische Presse, monierte kürzlich der Schriftsteller und Hochschullehrer Liviu Antonesei, liefere den Eindruck, als befände sich das Land in einem permanenten Ausnahmezustand.

In ihrer inhaltlichen Ausrichtung lehnen sich die Blätter durchweg an den wirtschaftlichen und politischen Interessen ihrer Besitzer an. Einmischung in redaktionelle Angelegenheiten, Gängelung und Erpressung von aufmüpfigen Journalisten gehört inzwischen zum Alltag der Angestellten, die im Pressekonzern des Politikers und Medienmoguls Dan Voiculescu arbeiten. Voiculescu befiehlt seinen redaktionellen Mitarbeitern bei der Zeitung Jurnalul National und seinen Fernsehsendern, was und wie sie zu melden haben, gegen wen Pressekampagnen geführt werden sollen und welche Themen tabu sind.

Einige Journalisten versuchen, dieser allgemeinen Untergangsstimmung entgegenzusteuern. Eine Zeitschrift, die das vormacht, nennt sich Decât o revista – frei übersetzt: „Nur eine Zeitschrift“. Das Magazin, das vor einem Jahr von jungen Journalisten ins Leben gerufen wurde, soll eine Marktlücke schließen – und zwar all die Themen behandeln, die in anderen rumänischen Medien unterdrückt werden.

Inzwischen ist die siebte Ausgabe erhältlich, so Herausgeber Cristian Lupsa. Doch benötigt Decât o revista die Werbung ihrer Sponsoren. Bislang hat es aber keinerlei Einflussnahme auf den Inhalt der Zeitschrift gegeben, meint Lupsa. Ob sich sein Magazin jedoch auch in Zukunft gegen den dominierenden Boulevardjournalismus behaupten kann, ist noch abzuwarten.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Rumänien, Pressefreiheit, Großmogule, Presse, Medien, Monopolisierung, Boulevardisierung, ActivWatch, Journalisten, Berichterstattung, Entlassung, Pressekonzerne, Dan Voiculescu, Decât o revista, Telenovela