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„Braindrain“: Wenn Ärzte ihr Land verlassen

Meldung vom 16.06.2011

Eine Milliarde Menschen haben in ihrem ganzen Leben noch nie einen Arzt gesehen. In vielen unterentwickelten Ländern wandern Ärzte und Gesundheitspersonal ab, obwohl es davon nur sehr wenige gibt. Die Abwanderung von medizinischen Fachkräften hat zur Folge, dass in diesen Ländern auch in Zukunft kein eigenes Gesundheitssystem aufgebaut werden kann. Damit ist die medizinische Grundversorgung von Milliarden Menschen weiterhin nicht gewährleistet.

Es ist eine abstrakte Zahl und im Alltag der westlichen Zivilisation kaum nachzuvollziehen, doch über ein Siebtel der Weltbevölkerung hat keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Diese Menschen können sich nie an einen Arzt wenden, der sie operieren könnte. Sie haben keine Hebamme, die bei der Entbindung hilft, kein medizinisches Fachpersonal, das sie impft oder darüber aufklärt, wie sie sich am besten vor Malaria, Tuberkulose oder einer HIV-Ansteckung schützen können.

Der Grund dafür ist ein dramatischer Mangel an Gesundheitspersonal, der besonders für Länder des Südens gilt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird derzeit in 57 Staaten – davon in 36 afrikanischen Ländern südlich der Sahara – ein „kritischer Unterbestand“ registriert. Auch hier wird eine abstrakte Zahl angeführt: Laut WHO-Definition ist ein kritischer Unterbestand gegeben, wenn in einem Land weniger als 2,28 Gesundheitsfachleute auf tausend Einwohner kommen.

Der Mangel ist einerseits dadurch begründet, dass in diesen Ländern die finanziellen Ressourcen, das Wissen und die Strukturen fehlen, um medizinisches Fachpersonal auszubilden. Eine weitere Ursache ist aber die seit Jahren sich vollziehende Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte in Länder mit besseren Arbeitsbedingungen und höheren Gehältern. Hinzu kommt, dass Krankenhäuser in westlichen Staaten seit einigen Jahren gezielt in Entwicklungsländern Fachkräfte anwerben – und dadurch die Krise in deren oft bereits schwachen Gesundheitssystemen verschärfen.

Diese Rekrutierung gelingt durch Stellen­ausschreibungen im weltweit zugänglichen Internet, durch lokale Rekrutierungsbüros oder gar durch bilaterale staatliche Abkommen. So haben zum Beispiel niederländische Krankenhäuser in Indien Pflegepersonal angeheuert. Und Japan hat mit den Philippinen, die gezielt medizinisches Fachpersonal für den Weltmarkt „produzieren“, ein entsprechendes Abkommen getroffen, in dem Gesundheitspersonal wie Exportgüter behandelt wird. Darüber, ob die Schweiz derzeit mit den Philippinen über ein ähnliches Abkommen im Gespräch ist, gibt es keine offiziellen Informationen. Nach Worten von Marie Avet, Pressesprecherin des Bundesamts für Migration, „existiert kein Abkommen über den Austausch von Gesundheitspersonal mit den Philippinen“.

Diese Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte wird „Braindrain“ bezeichnet, der Abfluss von Wissen aus einer Gesellschaft. Das Phänomen ist bekannt. Doch die Globalisierung der vergangenen Jahrzehnte, eine größere Mobilität und in bestimmten Bereichen ein freierer Personalmarkt haben dazu beigetragen, dass gerade bei der internationalen Anwerbung von Gesundheitspersonal das „Faustrecht“ zum Zuge kommt. Das bestätigt Thomas Schwarz, Geschäftsleiter von Medicus Mundi International.

Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, wurde im Mai 2010 von der Weltgesundheitsversammlung ein „Globaler Kodex zur internationalen Rekrutierung von Pflegepersonal“ verabschiedet. Schwarz sieht den Kodex als ein relevantes Instrument, eine weitreichende Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitsbereich besser umsetzen zu können.

Der Kodex legt erstmals klare Forderungen und Maßnahmen fest, mit denen dem Brain­drain im Gesundheitswesen vorgebeugt werden soll. Das Ziel des Kodex ist die Ein­führung von „freiwilligen Prinzipien und Praktiken für eine ethische internationale Rekrutierung von Gesundheitspersonal“. Der Kodex soll die aktive Anwerbung aus Ländern verhindern, die unter kritischem Personalmangel im Gesundheitssystem leiden. Doch um diesen Kodex umzusetzen, benötigt es viel politischen Willen und Druck, so Schwarz.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Wochenzeitung“, woz.ch

Schlagwörter: Globale Projekte, Braindrain, Migration, Abwanderung, Abwerbung, Arbeitsmarkt, Ärzte, Gesundheitswesen, medizinische Versorgung, Hebamme, Gesundheitssystem, Löhne, Weltgesundheitsorganisation, Kodex, Rekrutierung