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Afghanistan: Hoffnung auf Stabilität sinkt

Meldung vom 04.08.2011

Der Westen zieht Schritt für Schritt Truppen aus Afghanistan zurück und auch der Geldhahn wird langsam zugedreht. Die Bevölkerung vor Ort beobachtet die Veränderungen mit Sorge. Die Hoffnung auf Stabilität sinkt.

„Ich habe auf Ruhe gehofft“, gibt Assadullah Fallah zu, aber jetzt schwindet diese Hoffnung. Der 52-jährige Politiker, der in Kabul lebt, ist besorgt. In letzten Wochen hat die NATO ihren Abzug vom Hindukusch in die Wege geleitet. Sieben Gebiete sind nun unter das Kommando der afghanischen Kräfte gekommen. Fallah ist darüber beunruhigt. „Ich bin ein alter Mann. 35 Jahre habe ich für mein Land gekämpft. Aber ich muss weitermachen“, klagt er.

Fallah hat als Mudschaheddin gegen die Sowjetunion gekämpft. Doch der Kampf scheint für ihn ein lebenslanger zu sein. Der frühere Weggefährte von Präsident Hamid Karzai arbeitet nach dem Sturz des Taliban-Regimes als Provinzgouverneur in Farah, im Westen Afghanistans. Inzwischen hat er seine Hoffnung verloren, dass die Regierung von Karzai den Rückfall des Landes abwenden kann.

„Der Bürgerkrieg wird wieder beginnen“, sagt Fallah vorher. Immer noch wird er respektvoll „Commander“ genannt. Nach dem Abzug der Sowjetunion aus Afghanistan geriet das Land in den Strudel eines blutigen Bürgerkrieges, in dem Tausende Menschen ums Leben kamen. Fallah ist sich sicher, dass das Unglück sich wiederholen wird. Der Chef der afghanischen Menschenrechtskommission, Nader Naderi, ist nicht ganz so pessimistisch, doch auch er hat viele Fragen. Die internationale Unterstützung für den NATO-Militäreinsatz in Afghanistan verringere sich „von Tag zu Tag“, meint er. Es sei daher angebracht, dass man sich Gedanken darüber macht, wie es ohne den Westen im Land weiterlaufen soll.

Doch seiner Meinung nach sind die afghanischen Kräfte noch lange nicht bereit, das Land zu schützen. „Ich sehe nicht, wie sie für Sicherheit sorgen können.“ Die Unsicherheit sei heute noch größer als früher. Naderi ist davon überzeugt, dass die aufständischen Taliban inzwischen viel systematischer handeln: „Allein 2010 wurden 400 Stammesälteste und andere Autoritäten umgebracht. Das ist eine andere Taktik als Bodenminen und Selbstmordanschläge.“ Das verunsichere die Bevölkerung.

Vor ein paar Tagen wurde nahe dem Wohnhaus Naderis in Kabul ein enger Freund und Verbündeter von Präsident Hamid Karzai, Jan Mohammed Khan, bei einem Anschlag getötet. „Ich habe mehr als 50 Telefonanrufe bekommen in dieser Nacht“, berichtet Naderi. Er wertet das als Signal, wie viel Furcht die Menschen inzwischen selbst in der Hauptstadt Kabul ausstehen müssen, in der es lange ruhig war. Die gezielten Morde an einflussreichen Politikern und anderen Machtfiguren der Karzai-Regierung haben zum Ziel, die bereits schwache Regierung weiter zu destabilisieren, meint der Leiter der Kommission.

Auch der Parlamentarier Ramazan Barshadost hat viele Zweifel. „Die Situation könnte nicht schlimmer sein“, sagt er. „Wenn die NATO Afghanistan verlässt, könnten die Taliban zurück an die Macht kommen“, befürchtet der Politiker. Auch er ist nicht von der Effektivität der afghanischen Truppen überzeugt. Es seien viel zu wenige Paschtunen bereit, sich rekrutieren zu lassen. Paschtunen leben zumeist im Süden des Landes und aus deren Gemeinschaft setzen sich die Taliban zusammen. „Wir haben eine ethnische und keine nationale Armee. Viele paschtunische Soldaten weigern sich, die Taliban zu töten“, bemängelt Barshadost.

Auch Commander Fallah teilt diese Meinung. Er erinnert sich an die Nacht Anfang Juli, in der eine Gruppe bis an die Zähne bewaffneter Taliban-Kämpfer das Luxushotel Intercontinental in ihre Gewalt brachten. Vom Garten des Kommandeurs kann man den Hügel mit der Fünf-Sterne-Herberge beobachten. „Ich habe unsere Soldaten beobachtet. Sie konnten die Gäste dort nicht vor neun Angreifern schützen. Wie sollen sie dann das Land beschützen?“, betont Fallah.

Die Bildung einer effektiven afghanischen Armee wurde zum ehrgeizigsten Projekt der westlichen Länder. Aber ob es gelungen ist, ist noch fraglich. Inzwischen wird mehr Geld in die Ausbildung gesteckt und die Gehälter sind höher. Doch das alles verschlingt Unsummen: Allein in diesem Jahr kostet der Unterhalt der afghanischen Armee 12 Milliarden US-Dollar – etwa so viel wie das gesamte afghanische Bruttoinlandsprodukt. Doch trotz vieler negativer Stimmen sehen andere auch deutliche Fortschritte. Die Übergabe der sieben Gebiete werde als „Beginn eines Prozesses“ eingestuft, erklärt der Sprecher der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF), General Carsten Jakobson.

„Für 2011 ist noch Geld da“, prognostiziert Nader Naderi von der afghanischen Menschenrechtskommission, aber ab 2012 stehe weniger zur Verfügung. Vor dem Präsidentenpalast im Zentrum Kabuls wird in diesen Tagen ein neuer Wall von Betonmauern mit riesigen Kränen errichtet. Die neue Mauer soll es Bombenattentätern noch schwerer machen, den Präsidenten anzugreifen. „Das ist unsere Regierung“, weiß Sabir, ein 26-jähriger Afghane, der sich die Baumaßnahmen auf der Straße anschaut. „Sie glaubt, dass sie sich so an der Macht halten kann.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Afghanistan, Kommandowechsel, Übergabe, Machtübergabe, Mauer, Schutzwall, ISAF, Truppen, Bürgerkrieg, Taliban, Unsicherheit, Stabilität, Kabul, Paschtunen, Soldaten, Nader Naderi, Menschenrechtskommission