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Somalia: Islamisten geben Mogadischu auf

 
Meldung vom 08.08.2011

Nach jahrelangen Kämpfen um Straßen und Häuserzeilen verlassen die Shabaab-Milizen gerade Mogadischu. Die Bevölkerung hofft darauf, dass nun endlich Ruhe in die zerschossene Stadt einkehrt. Jetzt hat die Regierung endlich die Kontrolle über gesamt Mogadischu. Doch auch Armeeangehörige plündern die Bevölkerung aus.

Die international anerkannte Übergangsregierung von Somalia hat einen wichtigen Teilsieg im Kampf gegen die islamistischen Shabaab-Milizen errungen. Wie beide Seiten bestätigten, haben sich die Shabaab-Kämpfer vollständig aus der Hauptstadt Mogadischu zurückgezogen. Seit drei Jahren hatten die radikalen Islamisten mit den wechselnden vom Ausland unterstützten Übergangsregierungen um Mogadischu gerungen und hatten ihr Ziel mehrmals fast erreicht.

Jetzt hat eine rund zehntägige Großoffensive der Somalia-Eingreiftruppe der Afrikanischen Union (Amisom), die aus 9.000 ugandischen und burundischen Soldaten besteht, die Schach-Patt-Situation endlich beendet. „Somalische Regierungstruppen haben mit Unterstützung von Amisom den Feind geschlagen“, erklärte Präsident Sharif Sheikh Ahmed auf einer Pressekonferenz in seinem Präsidentenpalast in Mogadischu.

Die Shabaab nannten ihren Schritt eher einen „taktischen Rückzug“ nach Süden. „Wir kommen wieder“, drohte Shabaab-Sprecher Sheikh Ali Mohamud Rage im Rundfunksender der Miliz. Der Kampf gegen Amisom und ihre französischen und amerikanischen Unterstützer werde fortgeführt.

Nach wie vor verfügt die Regierung über kein Territorium außer Mogadischu, während fast ganz Südsomalia unter der Herrschaft der Shabaab steht. Medien in Mogadischu zeugen von schweren Kämpfen am 5. August, bevor die Islamisten in der Nacht auf Fahrzeugkolonnen den geordneten Rückzug antraten. Regierungssoldaten besetzten am Samstagmorgen den bisher von den Shabaab kontrollierten Bakara-Markt, Mogadischus Großmarkt und wichtigste Einnahmequelle der Stadt.

Sollte in Mogadischu jetzt Frieden einkehren, wäre das eine große Erlösung für die bis zu zwei Millionen Einwohner. Frieden herrschte hier zuletzt 2006, als die Islamisten ein halbes Jahr an der Macht waren, bevor eine äthiopische Militärintervention sie verdrängte. Ihr Präsident war damals der gleiche Sharif Sheikh Ahmed, der heute für die Gegenseite die Regierung leitet. In den letzten Wochen sind trotz der anhaltenden Kämpfe 100.000 Hungerflüchtlinge in die Stadt geströmt.

Der Abzug der Shabaab aus Mogadischu gewährleistet allerdings noch keine Sicherheit. Der Regierung wird Korruption nachgesagt, ihre von EU-Ausbildern in Uganda trainierte Armee gilt als undiszipliniert. Erst letzte Woche überwältigten Regierungstruppen die Helfer einer Lebensmittelverteilung des UN-Welternährungsprogramms (WFP) im Flüchtlingslager Badbaado in Mogadischu. Sie brachten Lebensmittel aus zwei der zehn Lastwagen in ihre Gewalt und erschossen mindestens zehn protestierende Hungernde. Die gesamten 290 Tonnen Hilfsgüter wurden laut WFP geplündert. Die Verteilung hatte ein lokales Hilfswerk im UN-Auftrag organisiert. Seit Beginn der Militäroffensive gegen die Shabaab müssen UN-Mitarbeiter auf ihrem Gelände in Mogadischu bleiben.

Gewalt und Willkür herrschen also auch bei den Soldaten der Regierung. Wenige Tage zuvor wurde gemeldet, ein Regierungssoldat habe einen Minibusfahrer erschossen, weil dieser ihn beim Fahren durch ein mit Regenwasser gefülltes Schlagloch mit Schlamm beschmutzt hatte. Und bei der Eroberung des Baraka-Marktes brachten Regierungstruppen den Radiojournalisten Farah Hassan Sahal um. Das verbreitete Reporter ohne Grenzen. Der 45-Jährige starb laut der Organisation vor dem Eingang seines Senders Radio Simba in der Nähe des Marktes durch Schüsse in Kopf und Brust.

Tatsächlich sieht sich die Bevölkerung eingepfercht zwischen zwei Feinden: die Shabaab, aber auch die eigenen Soldaten, die als „Banditen“ die Bevölkerung ausraubten, gab Premierminister Aweli Mohamed Ali auf der Siegespressekonferenz zu. Zuvor hatte er den Schauplatz des Massakers vom Freitag inspiziert und strenge Bestrafung der Verantwortlichen angekündigt. Aber die Übergangsregierung verfügt über keine Institutionen und Exekutive für eine solche Strafverfolgung.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Somalia, Mogadischu, Regierungstruppen, Soldaten, Al-Shabaab, Al-Shabaab-Miliz, Großoffensive, Rückzug, Bakara-Markt, Plünderung, Regierungssoldaten, Farah Hassan Sahal, Hunger, Flüchtlinge, Lebensmittelverteilung