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Äthiopien: Lebensmittelpreise schießen in die Höhe

 
Meldung vom 09.08.2011

Die Lebensmittelpreise in Äthiopien steigen derzeit unaufhaltsam. Die äthiopische Regierung hat als Reaktion auf die schwindelerregenden Kosten für Fleisch, Öl und Brot strenge Preiskontrollen verhängt. Zwar bildete sich vor der Metzgerei von Wabe Habse eine lange Schlange – er konnte jedoch keinen Gewinn daraus erzielen. Anfang Juni annullierte die Regierung in Addis Abeba die Preisobergrenzen schließlich, in Habses Kasse herrschte aber immer noch Ebbe. „Der Fleischmarkt ist zusammengebrochen“, meint Wabe. Fast das Doppelte berechnete er für das Fleisch, daraufhin kam die Kundschaft nicht mehr. „Ich weiß nicht, wie wir überleben werden“, sagt Wabe.

Wie in vielen anderen Ländern Afrikas sind die Lebensmittelpreise in Äthiopien in diesem Jahr drastisch in die Höhe geschnellt. Im nahegelegenen Uganda kam es sogar zu gewaltsamen Protesten. Die Regierung in Addis Abeba führte die Entwicklung auf die weltweit gestiegenen Lebensmittelpreise zurück. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte dazu aber eine andere Ansicht. Die äthiopische Regierung habe vielmehr riesige Geldsummen aus Spenden internationaler Geber in Infrastrukturprogramme gesteckt und zusätzlich frisches Geld gedruckt, was zu einer großen Inflation geführt habe, wissen Ökonomen.

Als die äthiopische Regierung dann im Januar für fünf Monate Preisobergrenzen für Öl und Zucker festlegte, verschärfte das die Lage noch, wie Kunden und Verkäufer in der Hauptstadt Addis Abeba übereinstimmend bestätigten. Denn die Maßnahme zerstörte die Geschäftsgrundlage vieler Verkäufer, weil sie es sich nicht leisten konnten, die Preise zu verringern. Und als die Preisobergrenzen Anfang Juni für einige Produkte wieder sanken, wurden viele Nahrungsmittel wiederum für viele Menschen viel zu teuer. Schon jetzt sind 3,2 Millionen Äthiopier von Lebensmittelhilfen abhängig. Nach Angaben der Regierung belief sich die Inflation im vergangenen Jahr auf fast 35 Prozent. Die anhaltende Dürre und Hungersnot haben die Situation verschlimmert.

In dem traditionell autoritär geführten Land erwacht erster Widerstand. So riefen die Kunden Anfang Juni eine Kampagne ins Leben, bei der sie einander über SMS zum Boykott von Fleisch aufforderten. Auch sein Geschäft sei dadurch in Mitleidenschaft gezogen worden, erklärt Habse. Eine Senkung der Preise sei aber unvermeidbar. „Wenn ich das mache, habe ich keinen Gewinn“, kritisiert er.

Taxifahrer Abraham Habtamu würde wohl gerne bei Habse Fleisch einkaufen, verdient aber nur 60 Dollar (rund 42 Euro) im Monat. Seit die Preiskontrollen aufgegeben worden seien, könne er sich nur noch einen sehnsüchtigen Blick auf das Rindfleisch in der Theke leisten, erklärte er. Es koste nun fünf Dollar pro Kilogramm, vorher musste man dafür nur rund drei Dollar bezahlen. „Für mich ist das unerreichbar“, gibt Habtamu zu. Er ist der Alleinversorger seiner Familie.

Auch die Kosten für billigere Waren wie Kichererbsenmehl haben sich erhöht. Das Grundnahrungsmittel, mit dem die Armen einen einfachen Eintopf kochen, kostete früher rund 65 Cent pro Kilogramm – Ende Juni betrug der Preis schon 1,60 Dollar pro Kilogramm. Die Preisobergrenzen für Zucker, Öl und normales Mehl sind jedoch stabil, der Verkauf dieser Waren ist staatlich reglementiert.

Wegen der steigenden Inflation müssen viele Äthiopier sogar indes auf das wichtigste Produkt des Landes verzichten – und zwar auf das Nationalgetränk, den Kaffee. Nun könne sich seine Familie noch nicht einmal die traditionelle Geste äthiopischer Gastfreundschaft leisten und das Getränk ihren Besuchern anbieten, empört sich Taxifahrer Abraham. „Meine Mutter musste gestern Nacht weinen, als ich ihr mein Gehalt gab“, berichtet er. „Sie sagte, dass es heutzutage wertlos sei.“


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 Dürrekatastrophe und Hungersnot in Ostafrika




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „net tribune“, net-tribune.de

Schlagwörter: Äthiopien, Inflation, Lebensmittelpreise, Addis Abeba, Preisobergrenzen, Preiskontrollen, Fleisch, Sanktionen, Subventionen, Internationaler Währungsfonds, Dürre, Hungersnot, Lebensmittel, Kaffee, Öl, Zucker, Mehl