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Indien: Heilige Flüsse – giftige Gewässer

Meldung vom 15.08.2011

Wie viele Flüsse wird auch der Yamuna-Fluss in Indien als heiliger Fluss verehrt – sein Wasser jedoch ist eine verschmutzte, chemische Brühe. Rund um Neu-Delhi werden über 17 Kanäle verseuchte Abwässer in den Fluss geleitet. Umweltaktivisten bemühen sich jetzt, die Behörden auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Die schwarze Brühe bewegt sich langsam durch das Flussbett. An einigen Stellen steigen aus diesem Gemisch, das einmal Wasser war, Methanblasen an die Oberfläche. Oben auf der Wasserfläche ist ein Öl-Film zu beobachten, der schillernde Teppich auf dem Wasser könnte aber auch aus giftigen Rückständen von Schwermetallen bestehen – illegal verklappt von Fabriken, die sich nicht an Umweltgesetze halten. Es stinkt grauenhaft.

Vimlendu Jha war schon oft am Fluss und berichtet: „Und das hier ist angeblich schon gereinigtes Wasser. Das sagen zumindest die Behörden. Die behaupten, dass es schon durch Klärwerke geflossen ist.“ Immer wieder ist er empört über die Brühe, die durch einen etwa zehn Meter breiten Kanal hier im Norden von Neu-Delhi in die Lebensader der Stadt fließt, den Yamuna-Fluss. „Und dies hier ist nur ein Kanal, der verseuchtes Abwasser in den Yamuna-Fluss schwemmt. Wir haben 17 davon“, klagt er.

Der Yamuna-Fluss, dessen Breite mit dem Rhein vergleichbar ist, gilt in Indien als heiliger Fluss. Er entspringt im Himalaya-Gebirge und windet sich nach Süden. Hunderte Kilometer hat er bis Neu-Delhi hinter sich gebracht. Aber es sind diese 22 Kilometer in der Millionenstadt, die ihn absterben lassen. Drei Milliarden Liter giftiges Abwasser produziert die Metropole täglich. Und dabei ist heute noch ein guter Tag. Der Monsun verdünnt den Yamuna-Fluss mit frischem Wasser. „Acht Monate im Jahr ist der gesamte Fluss so schwarz wie das Wasser, das die Kanäle einleiten“, hat Vimlendu beobachtet.

Der Öko-Aktivist hat eine Organisation ins Leben gerufen, die für die Rettung des Flusses eintreten will. Vimlendu wendet sich an Schulen, Parlamente und Behörden und hält dort Vorträge. Die meisten Einwohner Neu-Delhis, glaubt er, haben sich noch nie an die Ufer des Yamuna-Flusses begeben. Warum auch? Die einzigen Bauwerke am Wasser sind Schnellstraßen.

Unter einer Autobahnbrücke dagegen hausen Menschen am Fluss. Sie leben von dem, was der Fluss hergibt. Sie leben nicht von den Fischen – die existieren hier schon lange nicht mehr. Sie angeln den Müll aus dem Wasser, den Autofahrer hineinwerfen. Ein Mann bastelt an seinem Boot. Eine Frau wäscht sich mit dem schmutzig-braunen Yamuna-Wasser. Eine andere Frau kocht Wasser über einem Feuer auf. „Diese Menschen haben ja sonst keine Möglichkeit, an Wasser heranzukommen. Sie sind die Ärmsten. Aber nicht nur sie sind die Opfer, sondern die ganze Stadt“, kritisiert der Umweltschützer.

Vimlendu deutet auf große Uferflächen, die flussabwärts zu sehen sind und an denen viele Hindus ihre toten Angehörigen verbrennen. Beinahe jeden Tag treiben Leichenreste im Yamuna-Fluss. Wenn nicht frisches Wasser aus dem Himalaya hinzu fließt oder der nördlich von Delhi gelegene Bundesstaat Haryana das Wasser für die eigene Landwirtschaft konsumiert, stinkt der Fluss schon aus hunderten Metern Entfernung. Die Behörden verhalten sich zu diesem Umweltdesaster passiv. Vimlendu beschuldigt sie, komplett untätig zu sein: „Es sind bereits viele Millionen Rupien in den Fluss gesteckt worden. Aber wofür? Haben die Behörden etwa Mineralwasser gekauft und in den Yamuna-Fluss geschüttet? Man muss keine Proben nehmen, um heraus zu finden, dass das hier pures Gift ist.“

Korruption ist der Hauptgrund für diese Untätigkeit, meint der Aktivist. Der erste Aktionsplan für den Yamuna-Fluss sei 1993 entworfen worden, ärgert sich Vimlendu. Bewirkt habe er nichts. Die 30 Kläranlagen, die gebaut wurden, sind nicht funktionstüchtig. Selbst offiziellen Zahlen zufolge wird bisher nur die Hälfte des Abwassers in Neu Delhi geklärt. „Und bedenken Sie: Wir sind hier in Neu-Delhi. Sie hören die Sirenen im Hintergrund, sie sehen die Autos der Reichen. Und trotzdem stirbt der Fluss. Wie ist dann die Lage in kleineren Städten, wie steht es da ums Wasser, wo keine Politiker wohnen, keine Touristen hinkommen?“

Dabei ist das Wasser eine Brutstätte für Krankheitserreger. Cholera, Ruhr, Diarrhoe – daran erkranken täglich unzählige Menschen in Neu-Delhi, auch Reiche. Das Leitungswasser ist stark verunreinigt. Das Gift des Yamuna-Flusses hat längst das Grundwasser belastet. Vimlendu aber hofft, dass es ihm und seinen vielen freiwilligen Helfer doch noch gelingen wird, die Behörden in Delhi endlich zu alarmieren.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ARD-Nachrichten online“, ard.de

Schlagwörter: Indien, Umweltverschmutzung, giftige Gewässer, Yamuna-Fluss, Kläranlagen, Abwasser, Neu-Delhi, Metropole, Grundwasser, Kanäle, Hindu, Krankheitserreger, Cholera, Ruhr, Diarrhoe, Kranwasser, Leitungswasser, Brühe, Gift