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Indien: Indischer Verkehr ist lebensgefährlich

Meldung vom 01.12.2011

Der Straßenverkehr in Indien ist mörderisch. In keinem Land der Welt gibt es mehr Verkehrstote als in Indien. Ein Blick auf die Straßen der aufstrebenden Wirtschaftsmacht genügt, um zu verstehen, warum das so ist.

Kürzlich veranstaltete die Formel 1 zum ersten Mal ein Rennen in Indien, und selbst abgehärtete Rennfahrer zeigten sich vom Chaos auf den Straßen im Gastland geschockt. „Das ist ja unglaublich“, meinte Nico Rosberg im ARD-Radio am Rande des Grand Prix. „Natürlich ist das sehr gefährlich.“ Wenn die Weltgesundheitsorganisation WHO über die Zahlen der Opfer im Straßenverkehr berichtet, dann betrifft das in erster Linie Indien: In keinem anderen Land werden mehr Menschen bei Unfällen getötet.

Im Durchschnitt scheppert es auf indischen Straßen fast jede Minute, beinahe alle vier Minuten verliert dabei ein Mensch sein Leben: Nach dem jüngsten Regierungsbericht starben 2009 bei knapp einer halben Million Unfälle 125.660 Menschen. Auf Österreichs Straßen gab es im selben Jahr 633 Opfer, in Deutschland waren es 4.152. Zwar ist Indien mit 1,2 Milliarden Menschen viel größer, doch das erklärt die dramatisch höhere Anzahl der Verkehrstoten nur teilweise.

Denn während nach der jüngsten vergleichbaren Weltbank-Statistik in Deutschland im Jahr 2006 knapp 600 Autos auf 1.000 Einwohner kamen, waren es in Indien gerade einmal 15. Zwar berücksichtigen diese Zahlen nicht die in Südasien weit verbreiteten Zweiräder, auch ist die Zahl der Neuzulassungen in dem einstigen Entwicklungsland in den vergangenen Jahren nach oben geschnellt, dennoch ist die Fahrzeugdichte immer noch viel kleiner als in westlichen Industriestaaten.

Und während die Opfer­zahl in Indien immer weiter nach oben klettert, nimmt sie nicht nur in Deutschland und Österreich stetig ab – sondern auch in China­, dem einzigen Land der Welt, in dem noch mehr Menschen leben als in Indien. Im Jahr 2006 übertraf die Zahl der Verkehrstoten in Indien erstmals die im größeren Nachbarland, zwei Jahre später lag sie bereits um mehr als 46.000 vorne.

Die Gründe für die mörderische Entwicklung liegen auf der Hand. Eine Fahrt auf Indiens Straßen genügt, um alles zu verstehen. Bei Besuchern aus dem Westen bewirkt der erste Kontakt mit dem Verkehr meist blankes Entsetzen. Vorfahrtsregeln werden übergangen, es herrscht das Recht des Stärkeren. Busse rasen ungebremst in den Kreisverkehr. Lastwagen verlangsamen nicht für Pkw, Autos nicht für Zweiradfahrer. Am Ende der Kette befindet sich der Fußgänger, für den keiner stoppt.

Motorradfahrer haben zwar Helmpflicht. Die Helme würden aber bei jedem mitteleuropäischen Sicherheitstest ausgemustert werden. Frauen und Kinder – oft sind ganze Familien auf einem Zweirad unterwegs – tragen nie einen Helm. Der Einsatz des Blinkers scheint unbekannt zu sein. Die Absicht abzubiegen, kennzeichnen Inder mit Winken. Allerdings haben immer mehr Autos Klimaanlagen, die Fenster sind dann geschlossen. Mancher Wagen ist daher mit dem Warnhinweis versehen: „Klimatisiertes Auto – keine Handzeichen“.

Busse und Lastwagen sind häufig zum Bersten voll, Polizisten oft korrupt. Auch technische Mängel führen zu Unfällen. Bremsen funktionieren nur teilweise, Reifen sind abgefahren. Kaputte Lichter führen nicht zwingend zu einem Werkstattbesuch, eine­ nicht funktionierende Hupe schon eher.

Denn die Hupe ist ständig in Gebrauch und dient nicht unbedingt als Warnung vor einem drohenden Unfall, sondern auch als Signal, dass man sich von hinten nähert. Der Blick in den Rückspiegel ist unbekannt. Oft sind Außenspiegel ohnehin eingeklappt, um sich besser durch die verstopften Straßen schlängeln zu können.

Nicht nur die sprichwörtlichen heiligen Kühe nehmen rege am Straßenverkehr teil, selbst in der Hauptstadt Neu-Delhi kreuzen gelegentlich Elefanten, Kamele oder Wasserbüffel stoisch den Weg. Für Ochsenkarren muss man bisweilen eine Vollbremsung vornehmen, Pferde auf dem Weg zu Hochzeitsfesten werden von ihren Reitern fröhlich durch den Kreisverkehr manövriert. Hunde und Affen hetzen über die Fahrbahn und sorgen für spontane Ausweichmanöver von Autofahrern, die dabei vermutlich mit dem Handy telefonieren.

Selbst wer bei einem Unfall knapp mit dem Leben davon gekommen ist, ist damit noch lange nicht gerettet: Andere Verkehrsteilnehmer wagen es oft nicht, anzuhalten und zu helfen. Sie gehen sonst das Risiko ein, von Angehörigen der Opfer oder der Polizei beschuldigt zu werden, in den Unfall verwickelt gewesen zu sein. Das Straßentransport-Ministerium kommt zu dem wenig überraschenden Resultat: „Das Ausmaß der Straßenunfälle und Opfer in Indien ist alarmierend.“ Gegenmaßnahmen wurden nicht angekündigt.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „dpa“, dpa.de

Schlagwörter: Indien, Verkehr, Verkehrstote, Autos, Straßenverkehr, Unfälle, Verkehrsregeln, Straßentransport-Ministerium