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Afghanistan: Gibt es die legendären afghanischen Rohstoffe wirklich?

Meldung vom 13.12.2011

Die westlichen Länder werden bis zum Jahr 2014 ihre Soldaten aus Afghanistan zurückholen, aber weiterhin Geld und Berater zur Verfügung stellen. Es stellt sich allerdings die große Frage, wovon das Land künftig leben wird. Laut Bergbauminister Shahrani sollen sich im afghanischen Boden große Rohstoffvorkommen befinden.

Die Restaurants entlang der Hauptstraße von Hairaton sind brechend voll: Vor allem Lastwagenfahrer rasten hier. Sie transportieren Fracht über die usbekische Grenze nach Afghanistan oder nehmen Güter vom Schienenverkehr an. 200 bis 300 Kunden täglich verzeichnet einer der Kebab-Bräter, während er die Glut in seinem Kohlebecken anfacht. Hairaton erblüht, seit die Internationale Schutztruppe ISAF immer mehr Nachschub über Zentralasien bringen lässt. Letztes Jahr hat der Zoll hier rund 200 Millionen Dollar für Kabul einkassiert, meint der Chef der Stadtverwaltung von Hairatan.

Rund eintausend Lkws überqueren täglich den Grenzübergang bei Hairatan, berichtet Qasi Najibullah. Rund 70 Prozent der afghanischen Treibstoffimporte werden nach seinen Angaben hier logistisch abgewickelt, Dutzende Gas- und Öltanks sind stumme Zeugen des prosperierenden Handels.

Auf dem Rückweg sind die Laster jedoch meist nicht beladen – dabei befinden sich große Rohstoffvorkommen in Afghanistan. Sie harren darauf, erschlossen zu werden. Mitten in der Steppe von Jawsjan bietet sich ein surrealer Anblick: Ein rostiger Bohrarm erhebt sich aus der kargen Ebene. Er wird von einem alten Laster getragen, den eine Handvoll Techniker betreiben.

Mit dem Gas, das hier erschlossen wird, verdient der Staat jeden Tag 385.000 Afghani, freut sich Bohrmeister Ramazan. Das ist eine Summe von nicht einmal 6.000 Euro. Der Ertrag ließe sich deutlich steigern, denn in Afghanistan werden große Kohle-, Öl- und Gasvorkommen vermutet. Nach Einschätzungen soll es 500 Lagerstätten geben.

Auf ein bis drei Billionen Dollar belaufe sich der Wert von Afghanistans Bodenschätzen, brüstete sich Bergbauminister Shahrani letztes Jahr und bestätigte damit die enthusiastischen Berichte amerikanischer Medien. Fachleute dagegen nahmen die Berichte mit Erstaunen wahr: Bis heute lägen keine seriösen Erhebungen vor. Die wenigsten Lagerstätten sind wirklich auf Stichproben hin untersucht und bewertet worden.

Der Deutsche Joe Seegers, der den Afghanischen Geologischen Dienst unterstützt, rät deshalb zur Zurückhaltung: „Wir schlagen dem Ministerium vor, eine vorsichtigere Schätzung anzugehen.“ Zwar sind nach Seegers' Vermutung tatsächlich große Funde zu erwarten, doch müssten enorme Anstrengungen unternommen werden, sind große Investitionen nötig, um diese Vorkommen zu bestätigen und zu bergen.

Sali Mohammad Fazli, der Regionalchef des staatlichen Energieversorgers Afghan Gas in Jawsjan, begeht die verlassene Gasaufbereitungsanlage; es sind Bauten der Sowjets, die die Förderung der Rohstoffvorkommen im Norden des Landes während der Besatzung in den 80er-Jahren in großem Stil entwickeln wollten. Gasexporte in die UDSSR versorgten Afghanistan damals mit Geld.

Die vier Gasfelder, die hier in Jawsjan vor 40 Jahren angezapft wurden, neigen sich dem Ende zu, befürchtet Fazli. „Wir haben neue Felder ausgekundschaftet.“ Doch fehlt es den Afghanen an moderner Technologie und vor allem an Kapital, um die Rohstoffe zu Tage zu bringen und die nötige Infrastruktur auszubauen.

Deshalb will die afghanische Regierung nun eine Ausschreibung herausgeben, die internationale Unternehmen zur Erschließung der neuen Gasfelder anlockt. In Jawsjan freut man sich jetzt schon auf Licht und Wärme rund um die Uhr, wenn ausländische Investoren dort den Betrieb beginnen. Die Privatisierung des staatlichen Energieversorgers soll aber auch Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen.

Nazer Rahimi von der Öl- und Gasbehörde dämpft den Überschwang. Er macht auf die Schwierigkeiten des Umfelds aufmerksam: 2009 sollte ein türkisches Unternehmen in Auftrag des amerikanischen Entwicklungsdienstes USAID die Wirtschaftlichkeit eines Gaskraftwerks in Jawsjan prüfen, berichtet Rahimi. Doch die Analyse wurde nie vollendet. Wegen Problemen mit dem afghanischen Zoll und aus Sicherheitsbedenken.

Unruhen, Widerstände und Kriminalität sind nicht die einzigen Nachteile des Investitionsstandorts Afghanistan: Korruption und Vetternwirtschaft, mangelnde Rechtssicherheit und ein inadäquates Transportnetz sind weitere bedenkliche Faktoren. Bergbauminister Shahrani setzt immer wieder alles daran, solche Zweifel zu besänftigen. Offenbar gelingt ihm das.

Anfang Dezember bekam ein indisches Konsortium den Zuschlag für die Erkundung des möglicherweise größten afghanischen Kohlefeldes in Hajigak. Bereits 2007 konnte ein chinesischer Konzern die Abbaurechte für die Kupfermine Mes Aynak nahe Kabul für sich sichern. Gerade hat die afghanische Regierung die Erschließung von weiteren Gold- und Kupferminen öffentlich ausgeschrieben.

Doch Gold und Kupfer, Lithium und Kohle, Pottasche und Kies können für das Land am Hindukusch erst langfristig zur Einnahmequelle werden. Falls die Vetternwirtschaft ausgemerzt ist und genügend ausgebildete Ingenieure vorhanden sind. Und falls die von Konflikten zerrüttete Nation sich nach dem Abzug der ISAF selbst schützen kann.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandradio“, dradio.de

Schlagwörter: Afghanistan, Rohstoffe, Gas, Gasvorkommen, Afghan Gas, Fracht, Grenzübergang, Transport, Erschließung, Ausschreibung, Ausländische Investoren, Investment, Korruption, Vetternwirtschaft, Infrastruktur, Kohle, Privatisierung, Zoll, ISAF, Abzug, Einnahmequelle