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Südafrika: Wenn Ärzte mit traditionellen Heilern konkurrieren müssen

Meldung vom 16.12.2011

Ärzte in Südafrika haben oft einen schweren Stand bei der Bevölkerung. Immer noch haben traditionelle Heiler einen großen Einfluss auf die Menschen. Das hat teilweise tragische Folgen: Die medizinisch ungeschulten Heiler raten zum Beispiel zu Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau, um AIDS zu kurieren, und sorgen statt dessen für die Ausbreitung der Krankheit.

Miranda Javu sitzt an ihrem Computer und tippt eine Email. Auf ihrem Tisch türmen sich Akten. Die 36-jährige Südafrikanerin ist für den Medizinischen Forschungsrat tätig. Ihre Abteilung beschäftigt sich mit dem Thema der traditionellen Medizin und der Entwicklung von Patenten für Arzneipflanzen. Miranda Javu kann bei diesem Thema mitreden, denn neben ihrer Tätigkeit für den Forschungsrat wirkt sie als „Sangoma“, als traditionelle Heilerin.

„Ich habe das Gefühl, dass es immer noch Menschen gibt, die uns einfach nicht verstehen. Traditioneller Heiler wird man nicht einfach so. Man wird dazu berufen. Es ist letztlich eine Gabe. Wenn Leute über uns lachen oder schlecht über uns reden, dann ist mir das nicht peinlich. Mir tun diese Menschen eher leid“, meint sie.

Traditionelle Heiler wie Miranda Javu haben immer noch einen großen Anteil am südafrikanischen Alltag. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent der Bevölkerung im Land traditionelle Heiler konsultieren. Die werden in Südafrika in vier verschiedene Kategorien eingeteilt. Es gibt Heiler, die ihre Arbeit mit Hilfe von Kräutern, Wurzeln und tierischen Erzeugnissen machen, es gibt Wahrsager, Geburtshelfer und die, die Beschneidungen vornehmen.

Die südafrikanische Regierung weiß, dass man die traditionellen Heiler nicht ignorieren kann. 2007 beschloss die Regierung unter Thabo Mbeki ein Gesetz, das die Sangomas in das bestehende Gesundheitssystem mit einbeziehen sollte – inklusive Regulierungsbehörde, einheitlichen Standards und Patientenakten.

Das Gesetz allerdings wurde vom Verfassungsgericht aufgrund von Verfahrensfehlern auf Eis gelegt. Seitdem liegt das Vorhaben brach. Hätte Elisabeth Murray dabei ein Wörtchen mitzureden, würde das so bleiben. Die Ärztin arbeitete lange als Leiterin der Brustklinik im Kapstädter Groote Schuur Krankenhaus. Viele ihrer Patientinnen sind an Brustkrebs gestorben, berichtet sie, weil die Frauen am Ende dem Rat traditioneller Heiler mehr vertraut haben als der Medizin.

„Patienten erzählen uns nichts über ihren Glauben. Wir sagen ihnen, dass sie zu einer weiteren Behandlung kommen müssen, aber sie erscheinen dann einfach nicht mehr. Oder wir sagen, dass sie operiert werden müssen, was sie dann ablehnen. Die Sangomas reden ihnen ein, dass, wenn sie zu einem westlichen Arzt gehen, die Medizin des Sangomas nicht mehr wirken kann. Frauen haben deshalb ein Problem. Niemand wird sie pflegen oder auf ihre Kinder aufpassen, wenn sie die kulturell akzeptierte Medizin ablehnen. Ihre Familie, Freunde und Nachbarn werden sie dann nicht unterstützen“, schildert Murray die Schwierigkeiten.

Diese Prägungen unterlaufen den gesamten Gesundheitssektor in Südafrika. Ärzte können bestimmte Untersuchungs- oder Operationsmethoden nicht anwenden, weil Patienten den Anweisungen ihres Heilers folgen. Sangomas wie Miranda Javu sind davon überzeugt, dass Krebs durch eine OP nicht kuriert werden kann. Das Gegenteil sei der Fall. Weil der Körper aufgeschnitten wird, so deren Meinung, streut der Krebs erst recht im Körper. Sie glauben eher, dass Krebs durch einen bösen Zauber verursacht wurde.

Rund 200.000 Sangomas üben noch ihre Tätigkeit in Südafrika aus. Ihr Einfluss ist ungebrochen, obwohl nicht wenige einen zweifelhaften Ruf genießen. Krebs könne nur mit einer Mischung aus Kräutern und dem Verzicht auf Fleisch kuriert werden – einige verbreiten auch die irrige Idee, dass Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau HIV und AIDS heilen könne.

Auch wenn nicht alle traditionellen Heiler diesem schlechten Ruf entsprechen – die Branche trägt eine Mitverantwortung an Südafrikas Status als Land mit den meisten HIV-Infizierten weltweit. Der Verein Hope Cape Town hat deshalb ein bislang einzigartiges Projekt gestartet. Traditionelle Heiler wurden zu einem Kurs über HIV und AIDS eingeladen. Außerdem wurde ein Überweisungssystem zwischen den traditionellen Heilern und einer westlichen Klinik eingerichtet, erklärt Pauline Hewston von „Hope Cape Town“.

Der Verein Hope Cape Town hält es für möglich, dass eine Kooperation zwischen westlichen Ärzten und traditionellen Heilern die AIDS-Pandemie eindämmen kann. Doch bislang sind nur einige wenige Projekte konkreter Zusammenarbeit entstanden. Zu groß scheint die Kluft zwischen Moderne und Tradition in Südafrika.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandfunk“, dradio.de

Schlagwörter: Südafrika, Traditionelle Heiler, Medizin, AIDS, HIV, Gesundheitssystem, Thabo Mbeki, Gesetzesentwurf, Krebs, Aberglauben, Zauberei, Tradition, Fortschritt, Pandemie