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Mexiko: Wie Drogenbosse sich als Mode-Ikonen vermarkten

Meldung vom 31.01.2012

Die Drogenbosse werden in Mexiko nicht nur gefürchtet, sondern von manchen sogar bewundert und als Helden gefeiert. Eine gezielte Vermarktungsstrategie verhilft dazu, dass gerade bei Jugendlichen die Gewaltausübung der Kriminellen gut ankommt.

Ein Schnitt durch die Kehle, und Blut fließt. Den Zwillingsbrüdern Omar und Adolfo Valenzuela ist in ihren Musikvideos keine Gewaltszene zu grausam, um sie ihren Fans nicht per Mausklick anzubieten. Es wird exekutiert, geköpft und in Säure aufgelöst. Die Realität des mexikanischen Drogenkriegs, in dem allein in den vergangenen fünf Jahren 50.000 Menschen starben, findet Eingang in die Texte und Videoclips der Musikproduzenten aus Kalifornien.

Die Produzenten verteidigen sich gegen die Kritik der Gewaltverherrlichung mit einem einfachen Argument: „Wir zeigen nur die Realität, die sie auch in den Nachrichten sehen können“, kontert Omar Valenzuela. Die Nähe zur Mafia ist ein lukratives Geschäft: Es hat bisher Millionen eingebracht. In den normalen TV-Stationen und Radiosendern werden die Songs der Zwillinge allerdings nicht ausgestrahlt, ihre Fans beziehen die brutalen Texte und Clips via Internet. Eine Marketing-Strategie, die anscheinend aufgeht. Das beweist die hohe Aufrufrate der Songs im Internet.

Die modernen Rappsongs drehen sich vor allem um das mexikanische Drogenkartell Sinaloa aus dem gleichnamigen Bundesstaat. In der Hauptstadt Culiacán wurde vor ein paar Jahren gar ein neuer Musikstil geschaffen, mit dem der Ruhm und die Popularität des Kartells nicht mehr zu bremsen war. Heute wird dem Clan dort Kultstatus eingeräumt.

Es ist paradox, doch bisweilen, so berichten die Musikproduzenten, reicht ein Auftragsmörder persönlich einen Song ein und gibt ihn zur Veröffentlichung frei. Das Video über Manuel Torres, einem der berüchtigsten Auftragsmörder des Kartells, ist mittlerweile rund fünf Millionen Mal heruntergeladen, das dazugehörige You-Tube-Video wurde sogar 13 Millionen Mal aufgerufen. Das hartnäckige Gerücht, dass die Führungskräfte der Kartelle an den Songs mitverdienen, negieren die Produzenten. Doch Zweifel an dieser Aussage sind nicht unberechtigt.

Der kulturelle Einfluss der Drogenkartelle lässt sich mittlerweile nicht nur auf die Musikszene begrenzen. Als die Armee vor ein paar Monaten den Drogenboss Edgar Valdez Villarreal, alias „Barbie“, festnehmen konnte, schuf er einen neuen Modetrend. Er trug ein Polohemd der Marke Ralph Lauren.

In Mexiko ist es üblich, dass verhaftete Verdächtige vor aller Öffentlichkeit präsentiert werden: Erst klicken die Handschellen, dann surren die Kameras. Seit das Bild vom grinsenden Edgar Valdez Villarreal im Kurzarmhemd mit dem berühmten Reiteremblem in aller Welt ausgestrahlt wurde, ist der Handel mit den Poloshirts in Mexikos Armenvierteln explodiert. In den Straßen von Mexico City ist ein gefälschtes Polo-Ralph-Lauren-Hemd schon für zehn US-Dollar (acht Euro) zu erwerben. Viele der Kunden lassen sich von den Händlern ihren Namen auf die Rückseite des Kleidungsstücks aufdrucken. Auf den Straßen bezeichnet man das Kleidungsstück nur noch „Narco Polos“, in Anlehnung an den Begriff „Narcotrafico“, wie in Lateinamerika Kriminelle aus dem Drogenmilieu heißen.

„Kein Zweifel, das ist ein neuer Modetrend“, ärgert sich der Gouverneur von Sinaloa, Mario López Valdez. Und wie der Musikstil schwappt von hier aus die Welle auf das ganze Land über. Dass Drogenbosse sich zu Mode-Ikonen aufschwingen, ist dem Politiker ein Gräuel. Valdez will den Trend aufhalten – allerdings weiß er nicht wie. „Viele Jugendliche eifern diesen Idolen nach und wollen ebenfalls Drogenbosse werden. Und viele junge Mädchen wollen die Freundin von einem der Narcos werden. Gegen diese Subkultur ­müssen wir ankämpfen“, empört er sich.

Der Kampf scheint hoffnungslos. Denn die Welt der Drogenmafia wird den Teenagern täglich auch im Fernsehen als etwas Abenteuerliches präsentiert: Unzählige Telenovelas flimmern in den mexikanischen Wohnzimmern. Die TV-Seifenopern verherrlichen das Leben der mächtigen Drogenbosse, als wären sie Stars aus Musik- und Showgeschäft. Zur Schau gestellt wird ein Leben mit einem Top-Model als Freundin, Luxusapartments in Miami Beach und einer Macht, gegen die keiner ankommt, ganz besonders nicht die Polizei. Die ist in den Musikvideos, den Fotos von den Verhaftungen der mächtigen Drogenbosse und den Telenovelas immer auf die Rolle der Verlierer oder des bösen Spielverderbers festgelegt.




Quelle: „Stuttgarter Nachrichten“, www.stuttgarter-nachrichten.de

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