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Indien: Schule wie im Mittelalter

Meldung vom 02.02.2012

Indiens Wirtschaft wächst und wächst, die Bildungsstandards aber bleiben auf niedrigstem Niveau. Gründe dafür gibt es viele: Die riesigen Klassen, der Lehrermangel, vor allem aber verhindern hartnäckige soziale Vorurteile selbst die einfachsten Lern-Standards für die Kinder.

Nuh im nordindischen Bundesstaat Haryana – draußen wachsen gelbe Senfpflanzen und Ziegen hüpfen umher. Drinnen, in einem dunklen, fensterlosen Raum, hocken 40 Mädchen in dunkelblauen Schuluniformen und hören dem monotonen Vortrag einer Klassenkameradin zu. Sie trägt etwas aus einem Geschichtsbuch über Indiens Unabhängigkeitshelden vor. Nirgends ist ein Schreibpult zu sehen, ein PC gibt es erst recht nicht.

Angesichts der rasant wachsenden Unternehmenslandschaft reflektiert die Grundschule in ländlicher Region, wie schwer sich Indien damit tut, künftige Arbeitskräfte für das Berufsleben heranzubilden. Das Land hat den Ruf, nach China die zweitdynamischste Volkswirtschaft zu sein (zuletzt 8,5 Prozent Wachstum). Seine Standards in der Grundschulausbildung aber stehen auf einer Stufe mit Papua-Neuguinea oder Afghanistan, so lautet das Ergebnis einer Studie hochrangiger Ökonomen. Demnach hat sich der Aufschwung nicht auf eine bessere Grundbildung ausgewirkt.

Zwar sind 95 Prozent aller Kinder in den Schulen registriert. Manche Kinder könnten allerdings auch nach drei Jahren noch nicht lesen, nur zwei Drittel der Angemeldeten erschienen auch zum Unterricht, heißt es in dem Bericht von Ende 2011. Die Lehrtätigkeit sei „abgrundtief schwach“, „hirnloses“ Auswendiglernen gehöre zum Schulalltag. So sind in Nuh an diesem Tag gerade 40 der 77 Schülerinnen der Klasse zum Unterricht gekommen. Für insgesamt 450 Schulgänger sind neun Lehrer zuständig, von denen drei fehlen. „Es gibt viele Krankheiten“, entschuldigt sich Rektor Khurshid Ahmed, „und haben die Lehrer anderes zu tun, kommen sie nicht.“

Indiens größte Personalagentur Teamlease hat erhebliche Unterschiede zwischen den 28 Bundesstaaten festgestellt. Je bevölkerungsreicher, desto chancenloser die Kinder, desto schlechter die Schulen, so lautet die traurige Gleichung. Und Nobelpreisträger Amartya Sen nennt Bildung einen der Schlüsselbereiche, für die Indien sich stark machen müsse, um mit China konkurrieren zu können. „Die Lücke wächst allerdings.“ So gibt es in Indien dreimal so viele Schüler, die sich einen Lehrer teilen müssen, als in China.

Hilfsorganisationen wie Gebende Hände haben eigene Schulen gegründet und bieten damit eine Alternative an. In einem Gebäude gegenüber der Grundschule von Nuh gibt es eine solche Schule für 17.000 Mädchen. Doch die Mitarbeiter erlebten dort, dass auch viele Vorurteile und kulturelle Festlegungen die Bildung der Kinder blockieren. „Viele Leute hier mochten es nicht, dass wir den Mädchen Chancen eröffnen“, sagt Urvashi Nair, einer der Mitgründer der Schule. „Sie dachten, wir wollten sie verderben.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Financial Times“, ftd.de

Schlagwörter: Indien, Schule, Bildung, Kinder, Bildungsstandards, Wirtschaft, Lehrer, Schüler, Berufsleben