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Afghanistan: US-Soldat läuft Amok

 
Meldung vom 12.03.2012

Afghanistan ist erschüttert: 16 Menschen wurden erschossen, als ein US-Soldat im Süden des Landes durchdrehte. Augenzeugen berichten, wie der Amerikaner kaltblütig in drei Häuser eindrang – und immer wieder feuerte. Er tötete neun Kinder, drei Frauen und vier Männer. Die Situation im Land ist zum Zerreißen gespannt. Besorgt rechnet man mit neuen Ausschreitungen. Die Taliban rufen zu Racheaktionen auf.

Als Habibullah Khan am Sonntagmorgen von einem Tagesausflug in die Stadt Kandahar in sein Dorf Najib Yan zurückkam, liefen ihm schon weit vor der kleinen Ansammlung von Gehöften die ersten schreienden Nachbarn entgegen. „Zunächst konnte ich gar nicht glauben, was sie mir erzählten“, sagte der Familienvater, „alle sprachen von einem irre gewordenen US-Soldaten, der wahllos Menschen in unserem Dorf erschossen habe.“

Wenig später wurde Habibullah Khan damit konfrontiert, dass der Amokläufer seine eigenen Familienmitglieder erschossen hatte. Seine Frau, zwei ihrer Geschwister und eine Nichte, erst ein paar Monate alt, lagen vor dem Lehmhaus, eingehüllt in weiße Tücher. „Überall im Haus war Blut, und es lagen Patronenhülsen herum“, schildert Habibullah. „Es war eine schrecklicher Anblick.“ Am Telefon macht der Mittvierziger den Eindruck, als ob er den Alptraum noch gar nicht erfasst hat. „Meine Nichte war doch noch ein Baby“, sagt er fassungslos, „sie hat doch niemandem etwas getan.“

Was einige Stunden zuvor in dem kleinen Dorf geschehen ist, können die Menschen auch Stunden später noch nicht begreifen: Gegen 3.00 Uhr schlich sich nach einer ersten Rekonstruktion aus Augenzeugenberichten, den Ermittlungen der Schutztruppe ISAF und afghanischer Behörden ein US-Soldat aus der nahe gelegenen Basis, wo amerikanische Spezialkräfte und afghanische Einheiten gemeinsam stationiert sind.

Kurz darauf, gerade eben hatte er die erste der beiden kleinen Ortschaften nahe der Basis erreicht, marschierte er in drei Häuser und feuerte auf die schlafenden Afghanen in den Gehöften. „Er agierte wie in einem dieser Computerspiele, wie ferngesteuert ging er von Haus zu Haus“, meint Augenzeuge Lal Mohammed, „im ersten erschoss er innerhalb von Sekunden elf Menschen, im zweiten Haus vier und im dritten erneut einen Menschen.“

Die meisten der Opfer, so gibt es jedenfalls der Bericht des Augenzeugen wider, hätten nach Männern und Frauen getrennt auf dem Boden der Häuser geschlafen. Einige Augenzeugen behaupten sogar, der Täter habe die Leichen angezündet.

Was den Amoklauf des US-Soldaten stoppte, ist bisher nicht klar. Die meisten Dorfbewohner verbargen sich nach den ersten Schüssen in ihren Häusern und wagten sich bis zum Morgengrauen nicht hinaus. Die internationale Schutztruppe ISAF gab wenige Stunden nach dem Vorfall lediglich zu, dass ein Soldat der Mission festgenommen worden sei und der Vorfall nun eingehend geprüft werde.

Aus Militärkreisen drang an die Öffentlichkeit, dass der Soldat angeblich psychische Probleme hatte, möglicherweise die Kontrolle über sich verlor und sich nach der Tat auf seinem Stützpunkt seinen Vorgesetzten stellte. Der Mann stammt aus Fort Lewis im US-Bundesstaat Washington. Unter Berufung auf einen Armeesprecher wurde berichtet, es handele sich um einen 38 Jahre alten Feldwebel, verheiratet und Vater zweier Kinder. Er hatte demnach bereits drei Mal im Irak gekämpft, seit Dezember war er angeblich in Afghanistan stationiert.

Der Vorfall, der die Medien in Afghanistan den ganzen Sonntag lang beherrschte, wird die negative Stimmung im Land gegen die internationalen Soldaten weiter schüren. Zum zweiten Mal – nach der versehentlichen Verbrennung von heiligen Schriften in einem US-Militärlager vor rund zwei Wochen – baten die ISAF und die US-Armee alle Afghanen um Entschuldigung. Der Kommandeur der Truppe versprach Afghanistans Präsident Hamid Karzai eine lückenlose Aufklärung. In einer Stellungnahme sagte Obama, der Zwischenfall sei „tragisch und schockierend“. In einem Telefonat mit Karzai sicherte er zu, es werde alles in Bewegung gesetzt, um die Tat so schnell wie möglich aufzuklären.

Dass die Beschwichtigungen ausreichen, ist kaum denkbar. Kurz nach der Tat verurteilte Präsident Karzai den Vorfall aufs Heftigste und sprach von einem absichtlichen Massaker an der Zivilbevölkerung. Die radikalislamischen Taliban hingegen forderten umgehend Racheakte an den ausländischen Soldaten. Mit stark übertriebenen Opferzahlen wandten sie sich auf ihren Web-Seiten an alle Afghanen, jede Gelegenheit für Attacken auf Ausländer zu nutzen.

In den afghanischen Medien allerdings wurden bereits Berichte mit schauerlichen Details verbreitet, die erneut einen Flächenbrand bewirken könnten. Statt von einem Einzeltäter wird dort von einer ganzen Gruppe von betrunkenen, lachenden US-Soldaten gesprochen, die mordend durch das Dorf gezogen seien. Später hätten sie die Leichen mit Chemikalien übergossen und in Brand gesteckt. Ob solche Details der Wahrheit entsprechen oder nicht, wird in Afghanistan kaum überprüft. Meist werden die Menschen durch Mund-zu-Mund-Propaganda informiert. Die ursprünglichen Fakten werden auf diesem Weg immer weiter ausgeschmückt und auf die Spitze getrieben.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de

Schlagwörter: Afghanistan, Amok, Amoklauf, US-Soldat, Taiblan, Najib Yan, ISAF, Barack Obama, US-Armee, Hamid Karzai, Vergeltung, Racheaktion