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Brain-Drain: Elite-Unis für Afrika

Meldung vom 21.03.2012

Seit Jahren sieht Afrika zu, wie seine klügsten Köpfe ins Ausland gehen. Das liegt zum einen an den höheren Löhnen dort, vor allem übt aber die oftmals bessere Hochschulausbildung eine große Anziehung aus. Ein Projekt der Afrikanischen Union soll der Abwanderung der afrikanischen Intelligenz jetzt vorbeugen.

Entlang einer heißen Nebenstraße nahe der Universität von Addis Abeba stehen Blechhütten so weit das Auge reicht; auf Tischen unter den Dächern der Uni gibt es einige alte Kopiergeräte, grau und klebrig vom Staub der Straße. Der 27-jährige Melaku druckt an einem Computer gerade den Vorschlag für seine Masterarbeit aus, den er am nächsten Tag abgeben muss. Über Kopierer und Drucker verfügt sein Institut nicht, sagt er, während im Hintergrund afrikanische Popmusik ertönt. Zudem lehrten seine Dozenten auf sehr niedrigem Niveau – und Pflichtveranstaltungen fallen immer wieder aus.

„Um ehrlich zu sein, gebe ich echt alles, um irgendein Stipendium zu kriegen, mit dem ich im Ausland studieren kann, egal wo, Hauptsache in Europa oder Amerika. Hier hab ich einfach keine Möglichkeit, genau das zu studieren, was ich gerne würde“, gibt er zu.

Viele der Studenten hier beschweren sich über die gleichen Zustände. Zu viele Studenten werden von viel zu wenig guten Hochschullehrern betreut, die schlechte Ausstattung der Universität blockiert das Studium, es gibt nicht genügend qualifizierende Abschlüsse und dann auch keine Aussicht auf einen gut bezahlten Job.

Doch das alles soll jetzt verbessert werden: Sowohl die Afrikanische Union als auch Äthiopien selbst haben eine Hochschul-Offensive ins Leben gerufen: In einem Neubau im Uni-Viertel hat sich vor Kurzem das Institut für Wasserressourcen einquartiert, ein Vorzeigeprojekt der Universität von Addis. Gesponsert durch staatliche Gelder aus Amerika werden hier gerade 18 Doktoranden ausgebildet, und zwar nach internationalen Standards, was im von Dürren heimgesuchten Äthiopien, für das der Wassersektor eine entscheidende Rolle spielt, lange nicht der Fall war, sagt der Direktor Tena Alamirew.

„Eine der größten Herausforderungen für die Verbesserung unseres Wassermanagements ist der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften. Man mag es glauben oder nicht, aber es hat in Äthiopien bisher keine Institution gegeben, die Doktoranden ausbildet, kein Forschungsinstitut, das sich mit Wasser beschäftigt. Und das vor dem Hintergrund, dass das Schicksal Äthiopiens von seinen Wasserressourcen abhängt“, so Alamirew.

Jetzt hat die Afrikanische Union ein Projekt in Angriff genommen, mit dem sie die Abwanderung von Afrikas Elite endlich eindämmen will: die Pan-Afrikanische Universität. An fünf Standorten sollen fünf Exzellenzzentren gegründet werden, jeweils eines in Nord-, Süd-, West-, Ost- und Zentralfrika, sagt Jean-Pierre Ezin, der Kommissar für Bildung und Forschung bei der Afrikanischen Union.

„Das ist keine Idee, die vom Himmel gefallen ist. Sie reicht lange zurück und war schon ein Traum der Gründerväter der Afrikanischen Union. Afrika entleert sich seiner jungen Talente. Und so entwickeln wir keine wissenschaftlichen Fähigkeiten innerhalb Afrikas. Das ist das eine Problem. Das andere ist, dass wir innerhalb des Kontinents unbedingt mehr Austausch von Wissen brauchen. Unsere Lehrer sind ja keine Faulpelze. Wir haben hier sehr, sehr gute Lehrer. Doch für sie braucht es Universitäten, an denen sie sich austauschen und unterrichten können, und dadurch dazu beitragen, dass unsere Jugend auf dem Kontinent bleibt“, sagt Ezin beherzt.

Das Projekt soll im Wintersemester 2012 beginnen und ist für Doktoranden bestimmt. In Nigeria soll ein Institut für Umweltwissenschaften entstehen, und in Kenia eines für Grundlagenwissenschaften, Technologie und Innovation. Kamerun wurde das Zentrum für Politik- und Sozialwissenschaften zugesprochen; das südliche Afrika erhält das für Raumfahrt; und Algerien bekokmmt ein Institut für Wasser- und Energiewissenschaften, das Deutschland mit zwei Millionen Euro mitfinanziert.

Die Vision besteht darin, afrikanische Lösungen von Afrikanern, in Afrika, für Afrika zu entwickeln. Gerade das Gegenteil sei heute an der Tagesordnung, sagt Badeg Bekele, der vor fünf Jahren in Addis ein Privatinstitut ins Leben gerufen hat, das äthiopische Studenten nach England vermittelt.

„Wenn einer unserer Volkswirtschaftsstudenten im Ausland zum Beispiel eine Arbeit über das westliche Bankensystem aufgetragen bekommt: das westliche Bankensystem ist so ausgeklügelt und kompliziert, – unseres hier ist es nicht. So haben die äthiopischen Studenten in London zwar später mit dem Beispiel der Londoner Wertpapierbörse ein Lösungsansatz vor Augen, sind aber nicht mit den Problemen hier vertraut“, schildert Bekele den Sachverhalt.

Das Projekt der Afrikanischen Union wirft noch viele Fragen auf. Allen voran steht die Frage nach dem Auswahlverfahren: Nach welchen Kriterien werden die Studenten ausgewählt? Nach Länderquote? Oder ausschließlich nach Qualifikation? Letzteres würde bedeuten, dass Studenten aus Ländern wie Kenia, die ohnehin schon bessere Hochschulen vorweisen können, gegenüber Mitbewerbern aus schwächeren Ländern wie Tschad weiterhin einen Vorsprung hätten.

Und selbst, wenn alle Hindernisse ausgeräumt sein werden, ist Direktor Alamirew vom neuen Wasserinstitut der Ansicht, dass noch viel Zeit vergehen wird, bis afrikanische Universitäten an die Standards in Industrieländern heranreichen: „Wir haben ja hier auch das Problem der Massenuniversitäten. Deshalb glaube ich, sollten unsere Besten weiterhin selektiert werden und ins Ausland gehen können, um dort in ihren Fachbereichen zu studieren, während wir hier daran arbeiten, dass sie zurückkommen können. Man wird den Braindrain nicht einfach stoppen können, damit sollte man gar nicht erst rechnen.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandfunk“, dradio.de

Schlagwörter: Globale Projekte, Afrikanische Union, Elite-Unis, Abwanderung, Brain-Drain, Braindrain, Studenten, Intelligenz, Hochschule, Studium, Universität, Stipendium, Ausland, Exzellenzzentren, Addis Abeba, Pan-Afrikanische Universität, Wassermanagement, Forschung, Wassersektor, Dürre, Auswahlverfahren, Länderquote