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Sambia: Mit dem Tazara-Express in die Freiheit

Meldung vom 29.03.2012

Afrika ist nicht nur ein Kontinent der Hungersnöte und Armut. Er bietet auch ein atemberaubendes Entwicklungspotenzial, warmherzige Menschen und wirklich beeindruckende Naturschauplätze. Besonders deutlich wird das, wenn man sich auf eine Reise einlässt, und vor allem auf das afrikanische Tempo. Zwischen Tansania und Sambia verkehrt der Tazara-Express, der mangelnde Pünktlichkeit durch phantastische Landschaftseindrücke wiedergutmacht. Wer Glück hat, kann aus dem Fenster Elefanten beobachten. Wer Pech hat, erlebt einen Zusammenstoß mit einem Riesen.

Der Schaffner unterdrückt ein Grinsen. Wann der Zug denn genau ankommen werde, fragt ein amerikanischer Rucksacktourist. „Laut Fahrplan werden wir übermorgen früh gegen neun Uhr da sein“, antwortet er. Als der Reisende bereits weitergeht, ergänzt er leise kichernd: „Es könnte aber auch 30 Stunden später werden.“

So locker das Zugpersonal ist, so hektisch ist das Treiben in der großen Bahnhofshalle von Daressalam. Hunderte Menschen pressen sich mit Kisten, Taschen und Koffern vor die Absperrgitter und warten darauf, auf die Plattform eingelassen zu werden. Zweimal in der Woche startet in der tansanischen Hafenstadt der Tazara-Express, fast 2.000 Kilometer legt er bis ins sambische Kapiri Mposhi zurück. Es ist kein Luxusexpress, sondern eine ganz normale afrikanische Bummelbahn.

Tazara, das ist die Abkürzung für Tanzania-Zambia Railway. Die Strecke zwischen den beiden Nachbarstaaten wurde in den siebziger Jahren verlegt. Finanziert und durchgeführt wurde das Mammutprojekt von China, ein Meisterwerk fernöstlicher Ingenieursplanung. Ziel war es in erster Linie, den Kupferproduzenten Sambia besser an den internationalen Seehandel anzubinden. Der Personenverkehr ist bis heute eher eine Nebenwirkung der wirtschaftlich so wichtigen Verbindung.

In der Dämmerung gelangt der Zug zum Mikumi-Nationalpark, das frühe touristische Highlight der Reise. Laut pfeifend rumpeln die etwa 20 Waggons durch die afrikanische Wildnis. Schafft es der Tazara-Express nach Fahrplan, kann man hier Zebras, Giraffen und Elefanten beobachten. Weil der Zug heute aber mal wieder verspätet in Daressalam losgefahren ist, ist es dafür bereits zu dunkel. Irgendwo da draußen müssen sie sein, die Tiere.

Im Speisewagen wird das Essen aufgetragen, das in Afrika übliche Hühnchen mit Reis. Spannender als das Bordmenü sind die Geschichten der Reisenden. Viele sind als Berufspendler auf der Strecke, wie der 27-jährige John aus Sambia. Zweimal im Monat fährt er mit dem Zug von Kapiri Mposhi nach Daressalam und zurück. Die Bahn bezeichnet er als „den Sarg“, weil er in ihr so viel seiner kostbaren Lebenszeit totschlagen muss.

John ist bei einer Kupfer-Mine in Kitwe angestellt, einem der großen Zentren des rauen sambischen Kupfergürtels. Sein Job ist es, zu kontrollieren, ob das Kupfer sicher den Hafen von Daressalam erreicht. Von dort wird es dann auf Schiffen in alle Welt exportiert. „Und irgendwann kommt mein Kupfer dann als Gewehrmunition nach Afrika zurück“, kommentiert er lakonisch. Nach ein paar Jahren im Geschäft sieht er die Dinge nüchtern.

Mit dem Tazara-Express ist John eine Art Hassliebe eingegangen. An der Schönheit vor dem Fenster habe er sich noch immer nicht satt sehen können, meint er, doch er kennt auch all die Schwachstellen der Bahn. Einmal hätte die Fahrt eine ganze Woche gebraucht, immer wieder sei unterwegs die Lok defekt gewesen. Das sei aber gar nichts gewesen im Vergleich zu dem Trip, als sie mitten in der Nacht auf einen Elefanten aufgeprallt waren. Der Elefant war tot, die Lokomotive hatte Totalschaden. „Spätestens dann weiß man, dass man in Afrika ist“, lacht er und öffnet sich eine Cola.

Die Nacht taucht den Zug ins Dunkle. In der ersten Klasse gibt der Zugbegleiter Decken aus, denn in den Sommermonaten kühlt es abends in den Höhen des tansanisch-sambischen Grenzgebiets ab. In der überfüllten zweiten und dritten Klasse drängen sich die Passagiere aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Doch so einschläfernd das Geschaukel des alten Zuges auch sein mag, man muss die Augen aufhalten. Ein paar finstere Gestalten schleichen über die Gänge, sie haben ein Auge auf das Gepäck der Reisenden geworfen.

Irgendwann spielt die Zeit im Tazara-Express keine Rolle mehr. Ein Bier im Barwagen, ein paar Buchseiten im Abteil, ein Nickerchen zwischen den Welten. An den Fenstern zieht Afrika vorbei, drinnen erzählen sich die Menschen ihre Lebensläufe. In diesen Wochen sind besonders viele Abenteurer aus Europa an Bord. Luke aus Großbritannien steht auf dem Gang, schaut aus dem Fenster und lässt sich nichts entgehen: „Die Zugreise ist einer der Höhepunkte meines Afrika-Aufenthalts“, sagt er.

Besonders berührend wird die Reise, wenn der Zug auf freier Strecke anhält. Aus dem Nichts erscheinen plötzlich Menschen, die den Wartenden alle erdenklichen Gerichte und Reiseaccessoires zum Kauf anbieten. Besonders die Kinder, die aus allen Richtungen herbei gerannt kommen, mögen den Zug. Einige Westler führen Kugelschreiber und andere Kleinigkeiten mit sich, die sie den Kindern aus dem Fenster reichen. Schnell noch ein letztes Foto, dann quietschen und stampfen die Räder. Weiter geht die Fahrt in Richtung Südwesten.

Berufspendler John aus Sambia sieht man seine Vorfreude auf die Heimat inzwischen schon an. Seine Frau hat er informiert, dass er erst nächste Woche nach Hause kommen würde, dann wird die Überraschung umso größer ausfallen. Im Juli soll sein erstes Kind geboren werden, Zoe soll seine Tochter heißen. Wegen ihr hegt er den Wunsch, nicht mehr so viel auf Reisen sein zu müssen. Ein Bürojob, das wäre toll, meint er nachdenklich. „Oder auswandern“, nach China vielleicht, „da bauen sie gute Züge“.

Donnerstagabend erreicht der Zug ächzend Kapiri Mposhi: Mit rund zwölf Stunden Verspätung fährt der Tazara-Express in den Zielbahnhof ein. Es ist das Ende einer fast 2.000 Kilometer langen Reise. „Wir waren schnell diese Mal“, freut sich der Schaffner. In 50 Stunden gelangt man vom indischen Ozean in den sambischen Kupfergürtel, das ist ein Zug Afrikas. Uhuru-Railway bezeichnen die Tansanier die Verbindung auch liebevoll. „Uhuru“ ist Swahili und heißt Freiheit.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de

Schlagwörter: Sambia, Tazara-Express, Zug, Bahn, Bahnstrecke, Zebras, Giraffen, Elefanten, Tanzania-Zambia Railway, Berufspendler, Kupfer, Kupfergürtel, Bergbau, Minen, China, Seehandel, Export, Reise, Mikumi-Nationalpark