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Südafrika: Jacob Zumas vierte „First Lady“

Meldung vom 24.04.2012

Südafrika hat eine weitere „First Lady“. Staatspräsident Jacob Zuma hat sich in einer traditionellen Zeremonie erneut getraut. Der bekennende Polygamist ist nun mit vier Frauen gleichzeitig im Ehestand. Solche Vielehen sind in Südafrika zwar erlaubt, aber längst keine gesellschaftliche Normalität. Die Kirchen wagen aber keine öffentliche Kritik.

Nur wenige Christen in Südafrika akzeptieren die in Teilen Südafrikas noch immer verbreitete Polygamie. Doch die meisten Kirchen umschiffen das Thema, unter anderem aus historischen Gründen. Während der Apartheid galten die kulturellen Praktiken der schwarzen Volksstämme in Südafrika als moralisch anstößig. Heute nimmt die liberale demokratische Verfassung die Kultur jedes Südafrikaners in Schutz. Traditionelle, auch polygame Eheschließungen werden vom Staat gesetzlich toleriert.

Weiße Christen, die offene Kritik an Präsident Zuma angesichts der Hochzeit mit seiner vierten Ehefrau äußern, gehen das Risiko ein, als Rassisten verunglimpft zu werden. Doch auch für afrikanisch-charismatische Freikirchen sei dies ein heißes Eisen, meint Phumzile Zondi-Mabizela, Geschäftsführerin des Dachverbands christlicher Kirchen in Kwazulu-Natal. Jacob Zuma ist selbst aktives Mitglied einer Gemeinde und erscheint regelmäßig bei Gottesdiensten gemeinsam mit seinen Ehefrauen.

Präsident Zuma begründet seinen polygamen Lebenswandel mit der Kultur der Zulu. Mit diesem Argument macht er seine kritischen Landsleute nahezu mundtot. Die gesellschaftliche Debatte im Land befasst sich daher vor allem nur mit der Finanzierung von vier „First Ladies“, die dadurch entstehende Belastung für die Steuerzahler und das Image Südafrikas im Ausland.

Die Widersprüche zwischen dem traditionellen afrikanischen Rechtssystem und der liberalen demokratischen Verfassung, zwischen Polygamie und modernem Frauenrecht stehen dagegen kaum im öffentlichen Fokus. Und auch die Kirchen halten sich zurück angesichts teils offensichtlicher Widersprüche: Während der Gottesdienste wird scharfe Kritik gegen die Polygamie geübt, die Vielehe des Präsidenten wird jedoch nicht angetastet, bemängelt Phumzile Zondi-Mabizela.

Südafrikas Kirchen, die sich für politisch brisante Themen im Kampf gegen die Apartheid stark gemacht haben, trauen sich seit dem demokratischen Wandel vor fast zwei Jahrzehnten nicht, in öffentlichen Debatten klare Worte zu sprechen. Sie konzentrieren sich heute lieber auf religiöse Kernthemen, als zu gesellschaftlich brisanten Themen Stellung zu beziehen.

Südafrikas Kirchen befinden sich mit dieser Taktik aber in einer schwierigen Position: Ihre Stimme fehlt in vielen gesellschaftlichen Diskussionen. Doch angesichts der enormen Bandbreite an Konfessionen scheint es unmöglich zu sein, auch nur die kleinste Schnittmenge zu bilden. Die Alternative wäre, kontroverse öffentliche Diskussionen dialogisch zu führen und Pro- und Contra-Argumente etwa bei der Polygamie, einzubringen. Dem jedoch gehen die Kirchen aus dem Weg. Zu groß ist das Risiko, wieder auf das alte Schwarz-Weiß-Schema festgenagelt zu werden.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandfunk“, dradio.de

Schlagwörter: Südafrika, Jacob Zuma, First Lady, Polygamie, Kirche, Ehefrau, Heirat, kulturelle Praktiken, Zulu, Christen