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Indien: Menschen hungern trotz Rekordernten

Meldung vom 07.07.2012

Obwohl in Indien seit Jahren sehr gute Ernteerträge erzielt werden, leidet etwa die Hälfte aller Kinder immer noch an Unterernährung. Es ist zwar ausreichend Nahrung vorhanden, nur kommt sie nicht bei den Betroffenen an. Unter freiem Himmel verderben derweil Millionen Tonnen an Getreide und Reis.

In einer offenen Lagerhalle vor den Toren Neu Delhis wirbelt die Tagelöhnerin Savitri mit ihrem Besen eine Wolke aus Getreidestaub auf. Pralle Jutesäcke, gefüllt mit Getreide, stapeln sich hier bis zur Decke. Das Dach über ihnen und die Holzpaletten, auf denen die Säcke lagern, sind der einzige Schutz. Außer Savitri schwingen noch mehrere andere Frauen in den dunklen Gängen zwischen den aufgetürmten Säcken fleißig ihre Besen, um damit Ratten und anderes Ungeziefer fernzuhalten.

„So viele Menschen da draußen sind hungrig, und hier verrottet das Getreide“, klagt die Tagelöhnerin. Sie macht die Regierung dafür verantwortlich, weil diese nicht für ausreichend Speicherplatz sorge. „Wir versuchen nach Kräften die Säcke zu schützen, aber wenn sie im Freien herum liegen und nassregnen, sind wir machtlos“, stellt sie resigniert fest.

Tatsächlich liegen draußen auf dem Feld weitere Getreidesäcke in großen Mengen. So weit man sehen kann, sind sie zu Tausenden fein säuberlich gestapelt. Völlig ungeschützt lagern sie in der sengenden Hitze und werden bald auch dem Monsunregen ausgesetzt sein. Die ältesten Ernten lägen schon seit vier Jahren hier, so ein Getreidegroßhändler.

„Der Weizen verdirbt und die Menschen müssen hungern“, beschreibt er die paradoxe Situation. Dabei sei Indien kein armes Land und könne seine Bevölkerung ohne Weiteres selbst versorgen. Der Händler gibt korrupten Politikern die Schuld. Er findet es völlig unverständlich, dass Indien die Überschüsse nicht ins Ausland verkauft.

Doch der Export zu Weltmarktpreisen wäre ein Verlustgeschäft, denn die indische Regierung subventioniert die Landwirtschaft. Sie setzt die Preise für Getreide und Reis auf ähnlicher Höhe fest und kauft einen Großteil der Ernten selbst auf. Auf mehr als 82 Millionen Tonnen beläuft sich nach mehreren Rekordjahren der staatliche Getreideberg. Lediglich in China liegen noch größere Mengen auf Lager. Aber was hilft die größte Reserve, wenn Millionen hungernder Inder keinen Zugang dazu haben und sie nicht sicher gelagert werden kann? Indien verfügt lediglich über Speicherplatz für rund 60 Mio. Tonnen Getreide, und auch der ist zum Teil mehr schlecht als recht.

Der Nahrungsexperte Devinder Sharma hält das verrottende Getreide für eine kriminelle Vernachlässigung der Armen. Der indische Staat steckt jährlich über 13 Milliarden Dollar in zentralisierte Hilfsprogramme, damit Bedürftige mit einfachen Grundnahrungsmitteln wie Weizen und Reis versorgt werden. Den Angaben der Weltbank zufolge versickert davon aber über die Hälfte in einem aufgeblähten und korrupten Verteilungs-System.

Sharma befürwortet einen radikalen Systemwechsel – weg von der staatlich subventionierten Überproduktion hin zu mehr lokaler Eigenverantwortung. „Wir müssen erkennen, wie wichtig es ist, jedes einzelne Korn zu bewahren“, so Sharma. Schon Mahatma Gandhi habe sich gegen die landwirtschaftliche Massenproduktion in einem Land wie Indien ausgesprochen, und für eine Landwirtschaft, von der die Massen leben könnten, gibt der Nahrungsexperte zu bedenken und fordert einen „lokalen Ansatz für Produktion, Lagerung und Ernährungssicherheit.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ARD-Nachrichten online“, ard.de

Schlagwörter: Indien Hunger, Rekordernten, Unterernährung, Getreide, Tagelöhner, Neu Delhi, Ratten, Ungeziefer, Regierung, Monsunregen, Getreidegroßhandel, Weltmarktpreise, subventionieren, Landwirtschaft, Getreideberg, China, Speicherplatz, Devinder Sharma, Hilfsprogramme, Grundnahrungsmittel, Weltbank, Korruption