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Indien: 30.000 Menschen auf der Flucht nach Hass-SMS

 
Meldung vom 22.08.2012

Eine Droh-SMS bewirkte in Indien eine riesige Flüchtlingswelle. 30.000 Inder flohen vergangene Woche aus Bangalore, nachdem sie in einer SMS gewarnt wurden, alle Menschen im Nordosten Indiens würden ermordet. Die Regierung in Neu-Delhi nennt diesen Angriff Cyber-Terror und bemüht sich, Maßnahmen zu ergreifen. Bislang wurden für 250 Webseiten Blockaden verhängt. Der Verdacht wurde laut, es handle sich um pakistanische Drahtzieher.

Der Bahnhof in Bangalore platzt vor Menschen. In der indischen Computer-Stadt rennen die Menschen um ihr Leben. Tausende Menschen haben versucht, sich in den Zug zu drängen. Die indische Bahn musste Sonderzüge bereitstellen. Menschen aus dem Nordosten, die in Bangalore arbeiten, hatten nur noch eines im Sinn – bloß weg!Alle sagen, die Leute aus dem Nordosten Indiens würden umgebracht, ich habe auch Angst. Sie haben meinen Freund geschlagen. Wir arbeiten alle zusammen in einem Call-Center“, sagt ein Flüchtender.

Das begab sich letzte Woche. Wie ein Lauffeuer hatten sich die Nachrichten in den sozialen Netzwerken und über Handys verbreitet. Die ersten Seiten mit künstlich erstellten Fotos sollen bereits Mitte Juli online erschienen sein. Zu diesem Zeitpunkt war Gewalt in Assam, im Norden-Osten Indiens, ausgebrochen. Das Ergebnis: Über 80 Tote, 400.000 Menschen auf der Flucht. Dieses Mal ist es nicht zu Toten noch Verletzten gekommen, aber zu mehr als 30.000 Menschen in Hysterie, die von heute auf morgen nach Hause gefahren sind. Dafür nahmen sie es auf sich, über 3.000 Kilometer quer durch Indien zu fahren. Die Flüchtlinge stammen aus der Ethnie der Bodo, die in Assam von Muslimen erst kürzlich gewaltsam verfolgt wurden

„Das ist das erste Mal in der indischen Geschichte, dass Indien so einen Fall von Cyber-Terrorismus erlebt hat“, beschwert sich der Anwalt Pavan Duggal, der sich auf Onlinerecht spezialisiert hat: „Und es ist das erste Mal, dass es solche Ausmaße angenommen hat.“ Aus den Texten hätte man einen Unterton heraushören können, der eine akute Bedrohung unterstellte. „Und das hat gereicht, um selbst rational denkende Menschen zu verunsichern“, meint Duggal.

Auf wohl gefälschten Fotos waren Menschen abgebildet, die geschlagen wurden. Dazu die Warnungen: „Ihr seid in der Stadt nicht mehr sicher“. Am Wochenende hat die indische Regierung deswegen angeordnet, dass niemand in Indien eine SMS an mehr als fünf Empfänger senden darf. Jetzt legt sie mindestens 250 Webseiten und Benutzerprofile lahm. Terroristische Gruppen werden verdächtigt, die Angst-Nachrichten verbreitet zu haben. Fast 40 Prozent der Bilder und Textnachrichten kommen aus Pakistan, behauptet die indische Regierung.

Pakistans Innenminister wartet nicht mit einer Antwort: Man werde sein Bestes geben, um den Terror zu durchkreuzen, versichert Rehman Malik: „Wir haben keine Informationen über diese Nachrichten, die aus Pakistan stammen sollen, aber wir werden das prüfen.“

Die „Cyber-Attacke“ hat längst internationale Kreise gezogen. Laut indischen Medien will die Regierung in Neu-Delhi nun die USA und Saudi Arabien um Unterstützung bitten, um weitere Blogs und Webseiten zu sperren. Denn auch dort seien Server ausfindig gemacht worden, die die Hass-Nachrichten weiterverbreitet haben sollen.

Was bisher ermittelt wurde, sei mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs, sagt Duggal. Bislang ist noch unklar, wie die Nachrichten so gezielt in Umlauf gebracht wurden. Die Frage, auf welche Weise die „Cyber-Terroristen“ auf die Handynummern Tausender Menschen aus dem Nordosten Indiens zugreifen konnten, ist immer noch offen.

Duggal fordert, dass die Gefahr aus dem Internet und den Mobilnetzen endlich auf die politische Prioritätenliste gesetzt wird: „Das ist ein klassischer Fall, davon können alle Länder auf der ganzen Welt lernen. Die Regierungen halten soziale Netzwerke immer noch für ein Kinderspielzeug.“ Auch wenn die arabische Revolution nach Meinung des Juristen schon mehr Bewusstsein für diese Gefahr geschaffen hat, offenbart der Fall in Bangalore: „Die Sicherheit eines ganzen Staates kann gefährdet sein, ohne dass auch nur ein einziger Schuss fällt.“

In Bangalore mussten mittlerweile zahlreiche Restaurants, Einkaufsläden und Schönheitssalons ihren Betrieb einstellen. Denn die Einwanderer aus dem Nordosten Indiens wagen sich noch nicht wieder zurück.


Video-Beiträge zu diesem Thema

 Tausende Menschen fliehen aus Bangalore




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ARD-Nachrichten online“, ard.de

Schlagwörter: Indien, SMS, Cyber-War, Flüchtlingswelle, Flucht, Massenflucht, Cyber-Terror, Bangalore, Unruhen, Drohung, Hass, Hass-Nachricht, Internet, Züge, Bahnhof, Onlinerecht, Blogs, Webseiten, Websites, Handy, Handynummern, Muslime, Christen, Hindus, Gewalt, Assam, Pakistan, Verbreitung, Hysterie, Terroristen, Bodo