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Somalia: Die Befreiung von Kismayo

Meldung vom 20.09.2012

Die somalische Hafenstadt Kismayo stellte lange Zeit die letzte große Bastion der Al-Schabaab-Miliz dar. Jetzt steht offenbar die Einnahme Kismayos durch regierungstreue Truppen unmittelbar bevor. Über die Hafenstadt betrieb die islamistische Al-Schabaab-Miliz bislang ihren illegalen Handel und bezog dadurch die Finanzen für ihren Aufstand.

Kampfverbände der somalischen Regierung sowie kenianische und ugandische Einheiten der Militärmission der Afrikanischen Union in Somalia (Amisom) sind zu Beginn der Woche bis auf wenige Kilometer zu der strategisch wichtigen Hafenstadt Kismayo im Süden des Landes vorgedrungen.

Dies melden nicht nur Sprecher der Amisom und kenianische Medien, die häufig versuchen, Optimismus zu verbreiten, sondern auch Einwohner der Stadt sowie örtliche Beobachter der UN. Nach den Berichten verließen Einheiten der Al-Schabaab-Miliz im Verlauf des Dienstags, des 18.09.2012, Kismayo mitsamt ihren schweren Waffen, insbesondere Pick-ups mit aufmontierten Maschinengewehren.

Die Befreiung Kismayos ist seit bald einem Jahr das erklärte Ziel der kenianischen Interventionstruppen in Somalia, die mittlerweile unter dem Dach der Amisom im Einsatz sind. Dass die Militäroperation gegen die islamistischen Extremisten mehr Zeit kostete, als ursprünglich angekündigt worden war, sollte man nicht als Schwäche einstufen; vielmehr kommt darin zum Ausdruck, dass die Amisom aus früheren Fehlern gelernt hat und sich bemüht, territoriale Eroberungen erst einmal zu verfestigen. Dabei wird die Zusammenarbeit mit örtlichen Clan-Organisationen angestrebt und nach Möglichkeit die Voraussetzung für eine Vertretung der Regierung in Mogadischu geschaffen.

Die größten Einschränkungen der jüngsten politischen Fortschritte in Somalia waren und sind, dass die bisherigen Übergangsinstitutionen außerhalb der Hauptstadt keinerlei Stützpunkte hatten und auch sonst über keinerlei Einfluss auf dem Land oder in den anderen Städten verfügten. Auf den letzte Woche gewählten neuen Präsidenten Hassan Sheikh Mohamud wird große Hoffnung gesetzt, aber er ist noch nicht lange genug im Amt, als dass er an der relativen Hilflosigkeit der jungen Regierung etwas verändern könnte.

Ein Sprecher der Al-Schabaab dementierte gegenüber westlichen Medien, dass die Miliz Kismayo fluchtartig verlasse. Aber ein telefonisch befragter Einwohner der Hafenstadt bestätigte den überstürzten Aufbruch der Truppen am Mittwoch, den 19.09.2012, gegenüber dem britischen Auslandradio. Gruppen von Bewohnern schließen sich zusammen und bewaffneten sich, um sich vor den Übergriffen der Eroberer zu schützen, sagte der Augenzeuge. Die Mobilisierung von Bürgerwehren verdeutlicht eine weitere Schwachstelle der Al-Schabaab in den vergangenen Monaten und verstärkt den Eindruck, dass sich die Miliz zurückzieht. Außerdem erheben sich nun auch Clan-Milizen, die sich aus opportunistischen Gründen den Regierungssoldaten und der Amisom anschließen.

Der Aufbau einer eigentlichen Regierungsarmee mit einheitlicher Hierarchie und Befehlsgewalt ist unter dem abgewählten Übergangspräsidenten Sharif Sheikh Ahmed nicht gelungen. Beim Sturm auf Kismayo sollen Milizen der Ogadeni mitwirken. Dabei handelt es sich um einen Sub-Clan der Darod, der eine Fehde mit anderen in Kismayo heimischen Gruppen von Darod führt.

Laut einem Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Nairobi flohen seit Anfang September rund 6.000 Einwohner aus der Hafenstadt, mehr als die Hälfte von ihnen in den vergangenen zwei Tagen. Sie hätten sich in der Umgebung niedergelassen, weil sie Kämpfe unter Clan-Milizen und Repressalien der Al-Schabaab fürchteten. Die Al-Schabaab-Miliz ließ unterdessen wissen, dass sie in Kismayo bewaffnete Einheiten zurücklasse, die den Eroberern standhalten sollen.

Der Verlust der Stadt, in der laut der UN über 150.000 Einwohner leben, wäre für die Aufständischen zweifellos eine große Niederlage. Laut einem Bericht der Expertengruppe der UN zur Überwachung von Embargomaßnahmen gegenüber Somalia vom Juni erwirtschaftet die Al-Schabaab-Miliz mit dem Export von Holzkohle in die Arabischen Emirate und nach Saudiarabien mindestens 25 Millionen Dollar pro Jahr. Frachtschiffe, die Nahrungsmittel aus Asien oder der Golfregion nach Mogadischu bringen, ankern laut dem Bericht in Kismayo, um die Rückfahrt nicht leer antreten zu müssen. Mit der Zunahme von Hilfslieferungen im vergangenen Jahr soll dieser illegale Handel noch gewachsen sein.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Neue Zürcher Zeitung, NZZ Online“, nzz.ch

Schlagwörter: Somalia, Kismayo, Hafenstadt, Al-Schabaab-Miliz, Clans, Amisom, Afrikanische Union, Waffen, Gefecht, Sturm, Eroberung, Flucht, Bürgerwehr, Mobilisierung, Hassan Sheikh Mohamud