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Indien: Frauen und Fernsehen – eine erstaunliche Entwicklungsgeschichte

Meldung vom 26.09.2012

Die Stellung der Frauen in Indien ist nach wie vor sehr schlecht. Aufklärung und Antidiskriminierungsprogramme haben wenig bewirkt. Stattdessen haben Kabel und Satellit in Indiens Dörfern das erreicht, was Kondome, Mikrokredite, Abtreibungsverbot und Mitgift nicht schafften.

Trotz vieler Fortschritte ist das Land überwiegend noch sehr arm, Lebenserwartung und Alphabetisierungsrate sind gering, Eltern wollen lieber Söhne als Töchter. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Jungs wachsen zu Männern heran, die Geld verdienen und später ihren Eltern finanziell unter die Arme greifen. Mädchen dagegen kosten Geld. Auch wenn das System der Mitgift schon lange am Pranger steht, ist es immer noch üblich, dass die Brauteltern dem Bräutigam und seiner Familie Bargeld, Autos oder Grundbesitz übereignen und außerdem die Kosten der Hochzeit tragen müssen.

Mädchen wird in Indien ein so geringer Wert beigemessen, dass es im Land rund 30 Millionen weniger Frauen als Männer gibt. Die meisten dieser „fehlenden Frauen“, wie der Wirtschaftswissenschafter Amartya Sen sie nennt, sind vermutlich getötet worden. Entweder indirekt, weil ihnen die Eltern Nahrung und medizinische Versorgung verweigert haben oder direkt, indem das Mädchen nach der Geburt getötet wurde. Viele Mädchen kommen erst gar nicht auf die Welt, da sie immer öfter nach einer pränatalen Geschlechtsbestimmung abgetrieben werden. Geschlechtsbestimmung via Ultraschall wird selbst in kleinsten indischen Dörfern praktiziert, wo es an Strom und sauberem Wasser mangelt, und ist für die Frauen sowohl verfügbar also auch bezahlbar.

Die Regierung bemühte sich, durch das Verbot von Mitgiften und geschlechtsspezifischen Abtreibungen ein Umdenken zu erzwingen. Doch diese Gesetze wurden weitgehend umgangen. Daneben wurden auch finanzielle Maßnahmen zur Unterstützung indischer Frauen ins Leben gerufen. Etwa eine Initiative, die Frauen auf dem Land Geld zahlt, damit sie weiblichen Nachwuchs nicht töten. Auch die Mikrokredit-Industrie, die Frauen als Kleinunternehmerinnen unterstützt, oder unterschiedliche Wohlfahrtsprogramme internationaler Hilfsorganisationen arbeiteten in diese Richtung.

Weit unterschätzt wurde bei all diesen wertvollen Bemühungen das gute alte „Fernsehen“. Durch dieses Medium gelang offenbar, was ausgefeilte Strategien nur teilweise erreichten. Öffentlich-rechtliches Fernsehen funktionierte über die Jahrzehnte in Indien eher recht als schlecht. Schlechter Empfang und eine kleine Auswahl an Programmen wirkten eher abschreckend. Weil in jüngster Zeit aber die Preise für Geräte und Ausstrahlung radikal fielen, schafften es Shows, Soaps und News via Kabel- und Satellitenfernsehen bis in die hintersten Ecken des Landes. Die große weite Welt drang in viele Dörfer Indiens vor und bewirkte überraschende Entwicklungsschritte.

Experten erstellten Statistiken, die belegen, dass das Fernsehen echte Veränderung bringt. Bei Kabelfernsehen-Familien ging allmählich die Geburtenrate zurück, was in einem Land wie Indien generell mehr Eigenständigkeit und weniger gesundheitliche Risiken für Frauen bedeutet. Diese Familien waren auch eher von der Idee eingenommen, ihre Töchter zur Schule zu schicken. Und noch etwas wurde anders: Die Bereitschaft der Frauen, häusliche Gewalt zu akzeptieren, schwand. So wie es aussieht, hat also das Kabelfernsehen in Indien einen positiven Effekt, auch wenn man in unseren Breiten nur Kritik dafür übrig hat.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Der Standard“, derStandard.at

Schlagwörter: Indien, Frauen, Entwicklung, Diskriminierung, Gender, Aufklärung, Mitgift, Abtreibung, Femizid, Genderzid, Geburt, Mädchen, Shows, Soaps, Kabelfernsehen, Geburtenrate, Schule, Satellitenfernsehen, Fernsehen, Fernseher, Nachwuchs