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Mexiko: Wo ein Wall die Welten trennt

Meldung vom 23.10.2012

Pro Jahr versuchen Hunderttausende Mexikaner illegal die Grenze zu den USA zu passieren. Sie setzen dafür ihr Leben aufs Spiel. Ein riesiger Wall steht einsam mitten in der Wüste und versucht, die Flüchtlinge abzuhalten. Der Grenzschutz kann seiner Aufgabe trotz technischer und personeller Aufrüstung kaum gerecht werden. Während des Wahlkampfes in den USA wird der Grenzschutz zum Zankapfel.

Ronny Moerkerken gibt zu, sein Leben bestehe irgendwie aus Wiederholungen. „Wir fangen diese Leute ein, wir lassen sie frei, wir fangen sie wieder ein, wir lassen sie wieder frei …“ Dann wendet der US-Grenzschutzbeamte seinen Hubschrauber in einer steilen Kurve vom Grenzzaun weg, der die USA von Mexiko trennt. Moerkerken, der in Frankfurt am Main geboren wurde und ganz gut Deutsch beherrscht, ist ein erfahrener Pilot. In Afghanistan war er bei der Armee für Rettungsflüge unterwegs. Nun fügt er hinzu: „Na ja, ich meine, mein Arbeitsplatz ist sicher.“

Überaus sicher sogar. Wer die Grenze der USA kontrolliert, ist sich einer Anstellung auf Lebenszeit sicher. Niemand hat eine Ahnung, wie viele Menschen auf der anderen Seite der Grenze alles daran setzen, in die Vereinigten Staaten zu gelangen, wo sie sich ein besseres Leben versprechen. Eines steht fest: Jedes Jahr sind es Hunderttausende, die wieder aufbrechen.

Auf mexikanischer Seite bieten professionelle Schleuser ihre Dienste an, um die Menschen durch die Wüste über die Grenze zu geleiten. Gegen Bezahlung, versteht sich. Wer 200 Dollar investiert, wird sozusagen bei dem ersten Saguaro-Kaktus abgesetzt, der auf US-Seite wächst, und ist dann völlig auf sich selbst gestellt. Wer mehrere tausend Dollar zur Verfügung stellt, wird bis in die nächste Stadt geschmuggelt. Werden die Migranten von den Grenzschützern erwischt, bringt man sie wieder über die Grenze nach Süden. Dort harren dann viele von ihnen nur auf die nächste Gelegenheit, erneut die Grenze zu überwinden.

Brent Cagen ist 34 Jahre alt und arbeitet seit vier Jahren bei der US-Grenzpatrouille. Er fährt an diesem Tag Streife am Stahlzaun bei Nogales. Cagen weiß die Statistik auswendig. Er sagt, im Jahr 2000 hätten seine Kollegen noch mehr als 615.000 Menschen an der Grenze gefasst. Im vergangenen Jahr seien es dann nur noch 123.000 gewesen.

Der Andrang auf die US-Grenze ist wahrscheinlich nicht geringer geworden, doch die US-Seite hat sein Personal aufgestockt, um das Land gegen die illegale Einwanderung zu schützen. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde die Zahl der Beamten, die den knapp 340 Kilometer langen Grenzabschnitt zwischen dem US-Bundesstaat Arizona und dem mexikanischen Bundesstaat Sonora kontrollieren, auf 6.700 erhöht und damit mehr als vervierfacht. Auch technisch wurde aufgerüstet und Geld in Barrieren gesteckt. So wurde der Wellblechzaun, der seit Jahren die Kleinstadt Nogales in Arizona von der Großstadt Nogales in Sonora trennte, durch einen meterhohen Stahlwall ersetzt.

Cagen stellt stolz fest: „Das ist ein Zaun der dritten Generation. Praktisch nicht zu überwinden.“ Die Stahlbarriere hat eine Höhe von sechs Metern. An der Oberkante ist sie in Richtung Mexiko gewölbt. Außer Extremkletterern schafft es kaum einer, den Zaun zu überwinden. Die Stahlplatten stehen so eng beieinander, dass nicht einmal Kieselsteine hindurchgeworfen werden können.

Doch noch weitere Maßnahmen wurden getroffen. Neben den Hubschraubern mit Piloten wie Moerkerken sind auch unbemannte Drohnen, die per Computer gesteuert werden, zur Grenzüberwachung unterwegs. Außerdem wurden Sensoren installiert, die in der Wüste versteckt sind und bei Berührung Alarm schlagen. Weitere Kontrollstellen befinden sich an den Autobahnen, die ins Innere Arizonas führen.

Ronny Moerkerken beschreibt mit seinem Helikopter wieder eine Kurve, überquert einen Hügelrücken und erklärt seine Sichtweise über die illegalen Einwanderer: „Die haben eine andere Kultur, die verändern das Leben in den USA.“ Weiter führt er das Thema nicht aus. Er muss sich ja schließlich auch noch auf das Fliegen konzentrieren. Immer entlang der Grenze, die sich wie ein dunkelbraunes Band durch die bräunliche Wüste windet.

Moerkerken funkt seine Kollegen in der Zentrale an. „Ist was los?“, fragt er. „Gebt mir Bescheid, wenn was los ist.“ Durchschnittlich ist mehr als 330 Mal pro Tag etwas los, heute aber herrscht Ruhe. Die Temperatur in der Wüste bei Nogales ist heute zu hoch – mehr als 40 Grad im Schatten. Nur wenige Migranten trauen sich bei Tageslicht über die Grenze. Die anderen warten lieber die Nacht ab.

Nach gut anderthalb Stunden Flug geschieht dann doch etwas, das Moerkerken seinen Passagieren demonstrieren kann. Kollegen von der berittenen Grenzwache hätten ein paar Leute gefasst, sagt er und gibt Gas. Aus der Höhe sind auf einem Wüstenpfad zwischen zwei Hügeln ein paar Gestalten zu sehen. Mit Mühe kann man erkennen, dass acht Männer in Tarnkleidung von vier uniformierten Männern auf Pferden zu einem Geländewagen geleitet werden. Es sind „bodies“, wie sie hier heißen. Body kann auf Englisch Körper heißen oder auch Leiche. Im Jargon der Grenztruppe werden damit die illegalen Einwanderer bezeichnet.

Ihm sei schon alles untergekommen, sagt der Chef der Grenzpatrouille Merriam – von Leuten, die zu Fuß durch die Wüste laufen und vor Durst und Erschöpfung sterben, bis hin zu Leuten, die sich durch die Rohre in die USA robbten. Das gelingt umso einfacher, als Nogales/Arizona und Nogales/Sonora zum Teil dasselbe Kanalisationssystem in Gebrauch haben. „Aber wir können die Grenze managen“, meint Merriam überzeugt: „Wir glauben, dass wir die Mehrheit der Leute, die über unsere Grenze kommen, fassen können.“ Das ist die offizielle Aussage des Chefs. Seine Beamten munkeln hinter vorgehaltener Hand, es gelinge ihnen vielleicht, zehn Prozent der illegalen Einwanderer zu ergreifen.

Genaue Zahlen aber sind unbekannt. Das mag auch ein Grund sein, warum der Grenzschutz gerade in diesen Tagen des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA zum Zankapfel und Propaganda-Thema wird. Die Demokraten von Präsident Barack Obama werben um Stimmen in der Latino-Gemeinde, die der Einwanderung natürlich positiv gegenüber steht. Sein Kontrahent Romney fährt selbstverständlich einen harten Kurz gegen die Einwanderung. Zumindest in Wahlkampfzeiten hat der Grenzschutz in den USA aber mit Rationaliät kaum noch etwas zu tun.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Frankfurter Rundschau“, FR-online.de

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