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Afghanistan: Wie Iran sich einschleicht

Meldung vom 30.10.2012

Der Iran schleicht sich fast unbemerkt in Afghanistan ein. Der westliche Nachbar Afghanistans ist dabei, Hilfsprojekte am Hindukusch zu unterstützen und das ganze Land mit Geheimdienstnetzen zu überspannen. Die Iraner verlieren keine Minute. Sie wollen das Machtvakuum für sich nutzen, das entsteht, wenn die Amerikaner sich bis Ende 2014 aus Afghanistan zurückziehen. Das bestätigen amerikanische und afghanische Regierungsvertreter.

Zwar investiert Iran nicht annähernd so viel Geld in das Land wie die USA mit ihren milliardenschweren Subventionen. Aber Teheran ist in der Lage, vor Ort Dinge umzusetzen und die Afghanen direkt in seine Programme einzubinden. Irans Einfluss ist dadurch ungleich größer als der der Amerikaner. Diesen Vorteil könnte die iranische Regierung als Instrument gegen amerikanische Interessen einsetzen, sollte das US-Militär einen Schlag gegen Teherans Atomprogramm planen.

„Iran ist die eigentliche Macht hier. Die brauchen nur mit dem Finger zu schnipsen und schon können sie 20.000 Afghanen mobilisieren“, behauptet ein hochrangiger Regierungsvertreter im Präsidentenpalast in Kabul. „Das ist viel gefährlicher als die Selbstmordattentäter, die aus Pakistan herüberkommen. Die kann man wenigstens sehen und bekämpfen. Aber den politischen und kulturellen Einfluss Irans kann man nicht so einfach ausmachen und dagegen vorgehen.“

Viele führende afghanische Regierungsbeamte befinden sich schon seit Jahren auf der Gehaltsliste des Iran. Der afghanische Präsident Hamid Karzai gestand vor zwei Jahren, dass sein Amt regelmäßig Koffer mit Bargeld aus Teheran erhalten hat. Euro-Noten, die stolze Summen von bis zu einer Million erreichen konnten, befanden sich darin. Als Anerkennung der „guten Beziehungen“.

Teheran steht international isoliert da. Syrien galt bislang als der größte Partner Irans in der Region. Doch in Syrien greift seit Monaten ein blutiger Bürgerkrieg um sich. Und die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon, die ihrem Wohltäter, dem syrischen Machthaber Assad, die Treue hält, wurde durch die Auseinandersetzungen in Syrien ebenfalls zurückgeschlagen. Afghanistan ist daher für Teheran auf der Prioritätenliste nach oben gerückt. Es bietet die Möglichkeit, aus dem internationalen Abseits herauszukommen.

Die Iraner und viele Afghanen haben nicht nur die Sprache gemeinsam, es gibt vor allem zahlreiche wirtschaftliche Verbindungen zwischen den beiden Ländern. Millionen von Afghanen haben einen Arbeitsplatz im Iran. Und Iran fungiert als Hauptstromlieferant für westafghanische Städte wie Herat, die mit dem Auto von der iranischen Grenze aus in nur einer Stunde zu erreichen sind.

In Herat übt der Iran durch Hilfsorganisationen auf vielfältige Art Einfluss aus. Stiftungen verteilen Kredite für den Bau von Häusern. Es gibt monatliche Rationen an Speiseöl, Zucker, Tee und Medikamenten für die Menschen in Herat. Und es werden Kurse zur beruflichen Weiterbildung erteilt. „Wir sind auch nur Menschen. Wir nehmen von denen Hilfe an, die sie geben“, meint ein Bewohner.

Doch Iran dringt nicht nur mit dieser „weichen“ Machtausübung in Afghanistan ein. In jüngster Zeit ist es zu immer mehr aufrührerischen Aktivitäten von Gruppen gekommen, die von Iran finanziert würden, wissen Beamte der Provinz Herat. Die Rebellen verfügen „in Iran über sichere Häuser und sie kämpfen gegen die afghanische Regierung“, meint Daoud Saba, der Gouverneur von Herat.

Wenn die USA oder Israel iranische Ziele angriffen, würde Iran US-Stützpunkte in Afghanistan attackieren, hatte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad gedroht, als er sich mit dem afghanischen Regierungschef Karzai in China getroffen hatte.

Afghanische Medien würden schon seit Langem von iranischen Diplomaten bestochen, heißt es aus afghanischen Regierungskreisen. Im August sind Regierungsvertreter in der iranischen Botschaft in Kabul mit Mitarbeitern von vier afghanischen Fernsehsendern und drei Zeitungen zusammen gekommen. Sie sollten einen Verbund afghanischer Journalisten gründen, der sich zum Sprachrohr iranischer Interessen macht.

Nach Ansicht eines führenden US-Vertreters müht sich Iran allerdings umsonst ab. Die Afghanen stünden derlei Unternehmungen misstrauisch gegenüber, meint er. „Die Afghanen wissen, wer ihre wahren Freunde sind.“ Die USA pflege eine dauerhafte Partnerschaft zu Afghanistan, Iran aber nicht.




Quelle: „The Wall Street Journal“, www.wallstreetjournal.de

Schlagwörter: Afghanistan, Iran, Geheimdienst, Teheran, USA, Hilfsorganisation, Bestechung, Machtvakuum, Korruption, Hamid Karzai, Verbündete, Kredite, Nachbarn, Subventionen, US-Stützpunkte, Herat, Grenze