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Sambia: Einfach verjagt – Kleinbauern als Opfer des „Land Grabbings“

 
Meldung vom 13.11.2012

In Sambia werden Kleinbauern in Massen von ihrem traditionell bewirtschafteten Land verdrängt. Lokale oder internationale Großunternehmen reißen das Land mit der Unterstützung des Staates an sich. Die Förderung der kommerziellen Landwirtschaft in Sambia setzt das aufs Spiel, was eigentlich erreicht werden soll: die Ernährungssicherheit der Bevölkerung.

Wie der Dekan der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität von Sambia, Mickey Mwala, erklärt, könnte sich das Verfahren leicht zu einem Bumerang entwickeln. Denn es sind bislang die vielen Kleinbauern, die für die Ernährung des Landes sorgen. „Wird der Trend, ausgerechnet diese Menschen zu vertreiben, fortgesetzt und ausgeweitet, wird dies negative Folgen für unsere Ernährungssituation haben“, sagt er.

„Land Grabs verschärfen die Armut, indem sie die Zahl der Menschen erhöhen, die ihre Nahrungsmittel nicht mehr selbst anbauen und ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken können“, unterstreicht Mwala.

„Land Grabbing“ – die großflächige Inbesitznahme von Land in Entwicklungsländern durch Privatinvestoren oder Industrie- und Schwellenländer – ist im Subsahara-Land zu einem allseits betriebenen, lukrativen Geschäft geworden. Im Bezirk Masaiti in der mineralienreichen Provinz Copperbelt wurden im vergangenen Jahr gleich 2.000 Bauern von ihrem Land verdrängt, nachdem sich ein nigerianischer Zementhersteller 200 Hektar Land unter den Nagel gerissen hatte. Die Vertreibungsopfer wurden später mit jeweils 250 US-Dollar „abgefunden“.

Auch die Förderung der Bergbauaktivitäten im Nordwesten der Provinzen Copperbelt und Luapual hat tausende Kleinbauern ihres Landes beraubt. Die Agrarentwicklungsorganisation GRAIN stellt in einem Bericht von 2011 fest, dass inzwischen drei Prozent des sambischen Ackerlands von Ausländern besetzt ist.

Aktuelle Zahlen über das Ausmaß der durch die Landnahmen verursachten Vertreibungen gibt es nicht. Doch Sambias Nationaler Bauernverband (ZNFU) schätzt, dass es mehrere tausend betroffene Farmer gibt. Dem Gewerkschaftsführer nach wird das Folgen haben. „Schließlich sprechen wir von tausenden Bauern, die nichts mehr kultivieren“, erklärt er. „Anders als in Ländern wie Südafrika, wo die Ernährungssicherheit durch die Bewirtschaftung großer Plantagen gesichert wird, spielen bei uns die Kleinbauern die entscheidende Rolle. Somit steht nicht nur die Ernährungssicherheit der Haushalte, sondern die des gesamten Landes auf dem Spiel.“

Kleinbauern machen 70 Prozent aller in der sambischen Landwirtschaft beschäftigten Menschen aus. Henry Machina, Leiter der Sambischen Land-Allianz, weist darauf hin, dass die Vertreibung der Farmer so einfach ist, weil das Verfahren zur Anerkennung traditioneller Landrechte so kompliziert ist. Hinzu kommen die Gesetze, die Gewohnheitsrechte nicht als Form des Landesitzes akzeptieren.

Eine Anfechtung dieser Vertreibung ist sehr aufwendig, für die Kleinbauern zu aufwendig. „Es können bis zur Anerkennung eines Landtitels zwei Monate bis zehn Jahre vergehen. Das System ist altertümlich und zentralisiert. So werden die Titel nur vom Ministerium für Ländereien in der Hauptstadt Lusaka vergeben“, meint Machina.

Derzeit fristen 59 Prozent der Sambier ein Leben unterhalb der Armutsgrenze, 65 von ihnen leben in ländlichen Gebieten. Einer ist Pretorious Nkhata aus Mpongwe, einem Bezirk in Copperbelt. Wie der 68-Jährige bezeugt, wie er 2008 von einem in Südafrika angesiedelten Agrounternehmen von seiner 21 Hektar großen Parzelle verjagt wurde.

Nkhata und andere Farmer, denen zusammen 46.876 Hektar entrissen wurden, erzählen, dass sie das Land von einem traditionellen Führer erhalten hatten, das aber nie von der Regierung anerkannt wurde. „Sie beschuldigten uns, wilde Siedler und Eindringlinge zu sein“, ärgert er sich. „Ich habe alles verloren.“

„Sie (die südafrikanischen Agrarunternehmer) kamen mit Gewehren und drohten uns damit, auf uns zu schießen, sollten wir nicht gehen. Sie verbrannten unsere gesamten Habseligkeiten: unsere Scheune, Kleidung, Decken, Betten und unsere Fernsehgeräte“, berichtet er. Das Unternehmen hat das Land inzwischen weiterveräußert und seine Aktivitäten in Sambia niedergelegt. Die Bemühungen, die Firma für eine Gegendarstellung ausfindig zu machen, waren vergeblich.

Nach Aussagen der ständigen Staatssekretärin im Landministerium, Daizy Ng'ambi, will die Regierung nun Maßnahmen zum Schutz der Kleinbauern treffen. Sie arbeitet derzeit an einem Gesetzesentwurf, mit dessen Hilfe der traditionelle Landbesitz besser geschützt werden soll. „Derzeit ist der traditionelle Landbesitz für diejenigen, die keine Titel haben, nicht geregelt. Das soll nun nachgeholt werden. Sobald die Meinung aller Beteiligten eingeholt ist, werden Fragen des Gewohnheitsrechts und der Entschädigungen berücksichtigt.“


Video-Beiträge zu diesem Thema

 Land Grabbing – Wettlauf um Ackerland




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: afrika.info

Schlagwörter: Sambia, Land Grabbing, Landklau, Investoren, Kleinbauern, Großunternehmen, Ernährung, Landwirtschaft, Ackerfläche, Ernährungssicherheit, Plantagen, Siedler, Landbesitz, Agrar, Vertreibung, Vertriebene, Entschädigung, Gewohnheitsrecht, traditionelle Landrechte