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Südsudan: Wo Menschen mit Behinderung „verflucht“ sind

Meldung vom 05.12.2012

Im Südsudan werden Menschen mit Behinderungen als Verfluchte angesehen. Betroffene Kinder werden jahrelang zu Hause verborgen gehalten. Nur mit Hilfe von kirchlichen Einrichtungen kann ihnen ein Schulbesuch ermöglicht werden.

Lakina Lioce wurde jahrelang zu Hause eingesperrt. Zu groß war die Scham über ihre körperliche Behinderung, zu stark die Angst vor den Blicken der Nachbarn. Wie für viele andere Südsudanesen steht auch für Lakinas Mutter fest, dass auf ihrer Tochter ein Fluch liegt. Vielleicht hatte sie während der Schwangerschaft etwas Schlechtes getan. Vielleicht hatte sie zur falschen Zeit Wasser geholt oder verbotenerweise einen Fluss überquert. Das könnte der Grund für die Behinderung ihrer Tochter sein.

Lakina wohnt im südsudanesischen Bundesstaat Central Equatoria. Die Verhältnisse sind sehr dürftig: Die meisten Menschen leben von der Hand in den Mund, geregeltes Einkommen haben sie keines. Während des jahrzehntelangen Bürgerkrieges mussten die Familien im Busch Schutz suchen, die Schulen wurden zu Militärbaracken umfunktioniert.

Die hohe Analphabetenrate stellt nur eine von vielen Folgen des blutigen Konfliktes mit dem Sudan dar: 73 Prozent der über 15-Jährigen sind des Lesens und Schreibens nicht mächtig. Heute nehmen die Kinder zwar wieder am Schulunterricht teil, aber viele kriegsversehrte oder nach einer Krankheit behinderte Kinder sind davon ausgeschlossen, weil ihre Eltern sie zu Hause verbergen.

Nur mithilfe der Überzeugungsarbeit von kirchlichen Mitarbeitern können solche Eltern dazu bewegt werden, diese Kinder zur Schule zu schicken. Ein Beispiel dafür ist Lakina. Auf sie stießen die Mitarbeiter vor drei Jahren. Seit ihre Mutter sie verstoßen hat, ist die Siebenjährige bei ihrer Großmutter Agiba untergekommen. Lakinas Eltern waren nicht verheiratet. Nachdem die Mutter ein behindertes Kind geboren hatte, verließ der Vater sie. Mittlerweile hat Lakinas Mutter einen Ehemann, doch der neue Mann lehnt es ab, die Tochter in die Nähe seiner eigenen Kinder zu lassen.

Großmutter Agiba weiß ihr Alter nicht genau. Sie brachte sechs Kinder zur Welt, vier davon überlebten. Ein Schulbesuch wurde ihr nie ermöglicht. Und doch scheint es ihr wichtig, ihrer Enkeltochter eine Ausbildung zu bieten. „Als Lakina geboren wurde, waren alle sehr unglücklich“, meint sie. Das Kind hätte sich kaum geregt, sei nicht herumgekrabbelt wie andere Babys.

Zu Beginn konnte sie weder sitzen noch stehen, geschweige denn gehen. Heute kann sie sich mit ihrer Gehhilfe gut voran bewegen. Ihr Rücken ist noch schwach, aber sie hat starke Arme, mit denen sie ihre Gehbehinderung wettmacht. Aufrecht, mit beiden Händen auf die Gehhilfe gestützt und mit einem Lächeln, geht Lakina auf dem kleinen Platz zwischen den Lehmhütten auf und ab, um den Besuchern ihre Fortschritte zu beweisen. In die nahe Schule will sie mit ihrem Rollstuhl, einem Dreirad, fahren. Nächstes Jahr soll die Straße ausgebaut werden, so dass sie sich dann dorthin bewegen kann. Lakina ist schon voller Vorfreude auf die Schule. „Später“, meint sie, „möchte ich einmal Lehrerin werden“.

Nicht alle Eltern sperren ihre behinderten Kinder weg. Als seine Tochter nach einer Malariaerkrankung nicht mehr laufen konnte, trug Clement Morgan sie den weiten Weg ins nächste Krankenhaus. Damals, Victoria war gerade sechs Jahre alt, tobte noch der Bürgerkrieg, die Menschen hatten nichts mehr.

Auch Victorias Behinderung entstand durch eine Krankheit, die schon durch einfache Gesundheitsversorgung hätte verhindert werden können. Nach der Krankheit waren ihre Beine gelähmt. Sie war vom täglichen Schulbesuch ausgeschlossen. Die Familie wohnte weit weg vom nächsten größeren Dorf, abgelegen in den Hügeln. Vor ein paar Jahren siedelten sie ins Tal um, damit Victoria in die Schule gehen kann. Vor sechs Jahren bekam sie durch internationale Hilfe einen Rollstuhl, seither gelingt es ihr alleine, zur Schule zu gelangen. Heute ist Victoria 18 Jahre alt und besucht die sechste Klasse.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Presse“, diepresse.com

Schlagwörter: Südsudan, Behinderung, verflucht, Fluch, Rollstuhl, Gehhilfe, Malaria, Krankheit, Medizin, Bildung, Schule, Aberglaube, Aufklärung, Analphabetismus