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Kenia: Wirtschaft leidet unter den Terroranschlägen

Meldung vom 04.01.2013

Die Anschlagserie, die in den vergangenen Monaten in Kenia verübt wurde, hat die Wirtschaft des Landes in Mitleidenschaft gezogen: Investoren ziehen sich zurück, viele Touristen haben ihre Reisen annulliert. Auch haben die Terroranschläge mutmaßlicher Islamisten bewirkt, dass sich der Hass der Bevölkerung gegen somalische Händler wendet.

Das wahre Ausmaß des Schadens für die Wirtschaft konnte man zwar noch nicht in Zahlen fassen. „Schlüsselbereiche büßen aber wegen der beispiellosen Gewalt eindeutig Einnahmen ein“, weiß Abdi Mohammed, Analyst bei der Firma Stanbic Management Service.

Während des vergangenen Jahres hat das ostafrikanische Land eine Welle von Terroranschlägen auf Zivilisten über sich ergehen lassen müssen, die zumeist die militante islamistische Gruppe Al-Schabaab organisiert hat. Diese Anschläge haben Länder wie Großbritannien und die USA dazu veranlasst, Reisewarnungen für Kenia herauszugeben.

Nach Angaben von Polizeikommissar Mathew Iteere sind in Kenia seit Anfang des Jahres 58 Granatenangriffe verübt worden, für die Sympathisanten von Al-Schabaab verantwortlich gemacht werden. 67 Menschen kamen dabei ums Leben und weitere 308 wurden verletzt.

Wie Mohammed betont, wurde der Tourismus dadurch besonders schwer beeinträchtigt. Auf die Hochsaison im Dezember bereitet sich das Land gerade vor. Sollte die Instabilität weiter zunehmen, nimmt das ohnehin empfindliche Geschäftsklima auf lokaler und internationaler Ebene weiter Schaden. „Wir verstehen, dass viele potenzielle Investoren überlegen, ob sie ihr Geld anderswo einbringen, wenn sich die Gewalt fortsetzt“, sagt der Analyst.

Ähnliches stellt auch Johnson Nderi von der Suntra Investment Bank in Nairobi fest. Die Wirtschaft des Landes habe monatlich mehrere Millionen US-Dollar Einbußen, erklärte er. Die rund um die Welt kursierenden Berichte über gewaltsame Zwischenfälle in Kenia untergraben das erst kürzlich erstarkte Geschäftsklima, warnt er. Wie hoch die Einbußen sind, werde erst später offensichtlich.

Der Minister für Innere Sicherheit, Katoo Ole Metito, gab ebenfalls zu, der Terrorismus sei eine der größten Herausforderungen für die Sicherheitsbehörden. „Ich will den Kenianern versichern, dass wir entschlossen sind, gegen den Terrorismus im Land zu kämpfen. Und wir brauchen dazu ihre Unterstützung.“

Kenianische Wirtschaftsführer forderten von der Regierung, entschieden gegen die zunehmende Gewalt einzugreifen. „In den Unternehmen macht man sich ernsthafte Sorge über das, was im Land vor sich geht“, meint Vimal Shah, Vorsitzender der Kenianischen Fabrikantenvereinigung.

Im Land wächst zudem das Misstrauen gegen Ausländer, vor allem gegen Somalier. Mohammed Hirsi aus Eastleigh, einem Vorort von Nairobi, ist einer von Hunderten wohlhabenden Händlern aus Somalia, der unter der aktuellen Situation zu leiden haben. Sein Supermarkt wurde geplündert, nachdem am 18. November 2012 bei einem Anschlag auf einen Bus sieben Passagiere ums Leben kamen und weitere 30 verletzt worden waren. Daraufhin kam es tagelang zu blutigen Unruhen, weil Einheimische somalische Einwanderer für die Tat verantwortlich machten.

Außer Hirsis Supermarkt wurden weitere Geschäfte von Somaliern überfallen und leergeräumt. Während der gewaltsamen Ausschreitungen mussten etwa 30 Menschen im Nationalen Kenyatta-Hospital behandelt werden. Polizei und Militär überwachten die Straßen. Furcht und Misstrauen herrschen seither in der Bevölkerung.

Kenianer beschuldigen die Somalier, Sympathisanten von Al-Schabaab, die in ihrer Nachbarschaft leben, nicht bei der Polizei anzuzeigen. „Wenn sie behaupten, gesetzestreue Bürger zu sein, warum zögern sie dann, der Polizei kriminelle Elemente zu melden?“, ärgert sich ein Mann.

Staatspräsident Mwai Kibaki und Regierungschef Raila Odinga haben inzwischen öffentlich zu den Zwischenfällen Stellung bezogen. Wie sie erklärten, wurden die Sicherheitsvorkehrungen landesweit intensiviert.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: afrika.info

Schlagwörter: Kenia, Terrorismus, Terroranschläge, Wirtschaft, Einbußen, Tourismus, Reise, Al-Schabaab, Granatenangriffe, Somalier, Unruhen, Mwai Kibaki, Raila Odinga