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Philippinen: Wirtschaft tritt auf der Stelle

 
Meldung vom 03.09.2008

Trotz Aufwind in der Konjunktur breiten sich die Slums in den Städten der Philippinen unaufhaltsam weiter aus. In kaum einer anderen Metropole in Asien zeigt die philippinische Hauptstadt Manila das Problem urbaner Armut von seiner hässlichsten Seite. Die Hälfte der 15-Millionen-Bevölkerung haust in Slums. Die Außenseiter der philippinischen Gesellschaft können den Teufelskreislauf kaum durchbrechen.

Wenn die 39-jährige Rowena Reyes lacht, steckt sie alle Umstehenden mit ihrer Heiterkeit an. Scheinbar abgeklärt und ohne mit ihrem Schicksal zu hadern, zeigt sie mit ausgestreckter Hand auf ihr „Badezimmer“: drei farbige Eimer am betonierten Ufer des schmutzigen Marala-Flusses. Die Frage nach der Küche löst erneut einen Lachanfall aus: drei rußgeschwärzte Steine stehen wenige Meter neben ihrem aus Brettern und Plastik zusammen gehauenen Verschlag. Immer müsse sie sich vor Polizisten in Acht nehmen, die sie vertreiben wollten. Ein leidvolleres Leben mit dreizehn Kindern inmitten der Großstadt Manila ist kaum mehr vorstellbar. Mit Humor versucht Rowena das Elend auszuhalten: So hätten, sagt sie, doch ehemals die Höhlenbewohner gelebt.

Die halbe Stadt ist ein Slum. Ihr Mann schläft an einer Mauer direkt neben der dahinter liegenden Mülldeponie. Er erholt sich von der Morgenschicht im nahe gelegenen Fischhafen. Dort übt er Gelegenheitsjobs als Träger und Handlanger aus und erhält am Abend jeweils zwischen 150 und 250 Pesos, was 2 bis 4 Euro entspricht. Dass dieser Lohn weit unter dem offiziellen philippinischen Minimallohn von 382 Pesos liegt, interessiert keinen.

In kaum einem anderen Gebiet ist das Wohlstandsgefälle auf engem Raum so auffallend wie in der philippinischen Hauptstadt. Der Anteil der Slumbewohner an der städtischen Bevölkerung auf den Philippinen beläuft sich auf 44%. Das Bild des Elends, das sich auf der Fahrt durch die grauen Schluchten und entlang unfertig wirkender Expressstrassen bietet, steht im krassen Gegensatz zu der Statistik, die für 2007 ein robustes Wirtschaftswachstum von 7,3% vorlegt. Auch das moderne Geschäftsviertel Makati scheint überhaupt nicht in das Bild zu passen. Dort hat sich unter anderen die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) niedergelassen, die sich bezeichnenderweise der Armutsbekämpfung auf dem Kontinent verschrieben hat und sich glitzernd in den Himmel streckt.

Auch das größte Shoppingcenter Asiens, die Mall of Asia, die unter anderem über eine Kunsteisbahn samt Beschneiungsanlage verfügt, gehört zu Manilas absurden Kontrasten. Um einen Bauplatz für ein solches Bauwerk leer zu räumen, musste man Tausende von Slumbewohnern vertreiben. Denn in Manila ist praktisch jede freie Fläche besetzt. Die Armen leben entlang den Eisenbahnlinien, unter Brücken und überall dort, wo die Chance auf ein paar Pesos besteht. Bevorzugtes Gebiet stellt die Nähe von Textilfabriken, Containerhafen oder Busstationen dar.

Die Inflation von 10% in diesem Jahr hat die Lage noch weiter verschlechtert. Zwar erhält ein Filipino ein jährliches Durchschnittsgehalt von 1600 $, doch diese Zahl sagt angesichts der großen Lohnunterschiede wenig aus. Ein „Spezialfall“ seien die Philippinen, so munkelt man am Sitz der ADB hinter vorgehaltener Hand. Das Land trete wirtschaftlich auf der Stelle. „Unsichtbare Strukturen“ – ein höflicher Ausdruck für Korruption – behinderten jeden Fortschritt. Der Präsident der philippinischen Handelskammer, der ehemalige Wirtschaftsprofessor Melito Salazar, zeigt in diesem Zusammenhang mit beiden Zeigefingern auf die Regierung und die Präsidentin Arroyo. Sie, die sich nach sieben Jahren Misswirtschaft 2010 wieder wählen lassen will, sei die Ursache für die Korruption im Land.

Politiker haben wenig zur Modernität des Landes beigetragen. Ganz im Gegensatz dazu stehen der Fleiß und Erfolg ausgewanderter philippinischer Gastarbeiter. Ein Zehntel des Volkseinkommens erwirtschaften die Gastarbeiter. Dagegen ist der Ausbildungsstand und damit zusammenhängend der Arbeitseinsatz im Heimatland massiv gesunken. Bösen Zungen zufolge sei der Fleiß dieser Emigranten ein Grund für die Lethargie auf dem Archipel. Das Stadtbild Manilas jedenfalls lässt keinen Zweifel darüber offen, dass an mindestens der Hälfte der philippinischen Bevölkerung das wirtschaftliche Wachstum spurlos vorbeigeht.

Arbeitsplätze sind keine geschaffen worden. Ausländische Investoren ziehen immer noch einen großen Bogen um die Philippinen. Damit gibt es für einen Grossteil der Bevölkerung indessen kein Entkommen aus dem Elend. Wer aus dem Slum stammt, die Schule nicht schafft und mit 25 noch keinen Job hat, hat keine Chance mehr. Für eine Bewerbung bei der Textilfabrik oder im Supermarkt ist es mit 25 Jahren zu spät. Alle dreizehn Kinder von Rowena Reyes gehören zu dieser Bevölkerunggruppe.


Video-Beiträge zu diesem Thema

 Die andere Seite der Philippinen




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Neue Zürcher Zeitung, NZZ Online“, nzz.ch