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Kenia: Frauenquote – Der steinige Weg zur Politik

Meldung vom 01.02.2013

Nur wenige Frauen in Kenia schaffen es, in der Politik Fuß zu fassen. Massive Diskriminierungen, Drohungen und Einschüchterungen, ungleiche Chancen und eine weitgehend verständnislose Öffentlichkeit setzen Kandidatinnen bei ihren Wahlkampagnen so stark unter Druck, dass viele aufgeben. Das Ziel, hohe Regierungsämter zu erlangen, wird für Frauen in Kenia zu einem Spießrutenlauf.

In der 2010 eingeführten kenianischen Verfassung ist zwar beschlossen, dass Angehörige eines Geschlechts nicht mehr als zwei Drittel der öffentlichen Ämter bekleiden dürfen. Die männlich dominierten politischen Parteien lassen diese Regelung jedoch im Vorfeld der Wahlen am 4. März wie eine Farce erscheinen. „Das Umfeld ist nach wie vor nicht hilfreich“, erläutert dazu Hamisa Zaja, eine Politikerin aus der Küstenregion. „Frauen sind auch weiterhin den Angriffen männlicher Gegner und der Gesellschaft ausgesetzt.“

Als Vesca Kangongo sich offiziell um ein politisches Amt in Uasin Gishu, einem Landkreis in der Region Rift Valley, bemühte, verdeutlichten ihr ihre männlichen Rivalen, der Posten sei für einen Mann bestimmt. Nach der Verbreitung einer entsprechenden Erklärung hatten landesweit nur wenige Frauen noch den Mut, sich als Kandidatinnen aufstellen zu lassen.

Zaja zufolge ist die negative Einstellung der Gesellschaft gegenüber Frauen in Führungsrollen eine entscheidende Blockade für Frauen, in die Politik Einfluss zu nehmen. Hinzu kommt, dass Wahlkampagnen Unmengen an Geld kosten. „Ich habe meine Kandidatur zurückgezogen, weil mir die notwendigen finanziellen Mittel fehlten“, gibt die Politikerin zu, die ursprünglich für die Wiper Democratic Movement einen Sitz im Bezirksparlament von Mombasa gewinnen wollte.

Um am Nominierungsverfahren ihrer Partei teilzunehmen, musste Zaja rund 1.700 US-Dollar investieren. In einem Land, in dem das Durchschnittseinkommen nach offiziellen Angaben bei monatlich knapp 250 Dollar liegt, ist dies unbezahlbar. Auch kommen im Wahlkampf jede Menge Spesen wie Transportkosten auf einen zu, wie die Kampagnen-Mitarbeiterin Jacky Mwaura berichtet.

Die Präsidentschaftskandidatin Martha Karua, die für die Nationale Regenbogen-Koalition (NARC) ins Rennen geht, hat zugegeben, dass ihr für den Wahlkampf lediglich 640.000 Dollar zur Verfügung stehen. Ihre größten Konkurrenten wucherten mit Budgets von 91 Millionen Dollar. „Das Geld für den Wahlkampf stammt in der Regel aus Privatvermögen“, erklärt der politische Analyst Peter Otondo.

Selbst diejenigen Frauen, die die Kosten für die Nominierung bezahlen können, müssen weitere Hindernisse überwinden. „Die Bewerberinnen müssen im Land herumreisen und viele Herausforderungen meistern. Am Ende werden sie dann doch nicht aufgestellt“, weiß eine Wahlkampfhelferin nach ihrer Rückkehr aus dem Bezirk Mombasa, 440 Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt.

„Die meisten Leute hier kennen Alice Maitha, die Witwe des ehemaligen Abgeordneten Kharisa Maitha, die für die Nationale Allianz-Partei (TNA) an den Senatswahlen teilnimmt“ berichtet die Quelle, die anonym bleiben will. Maitha sei früher ein überzeugtes Mitglied der Wiper Democratic Movement gewesen und habe die 1.700 Dollar aufbringen können, um bei den Senatswahlen antreten zu können. „In allerletzter Minute teilte ihr die Partei dann aber mit, dass sie finanziell nicht ausreichend ausgestattet sei und im Übrigen 'der Senat nichts für Frauen ist'.“

Maitha ließ sich aber nicht abschrecken und wechselte rasch zur TNA über, wo sie weitere 2.000 Dollar zahlte, um für einen Sitz im Senat kandidieren zu können. Nachdem sie sich als Kandidatin etablieren konnte, kam die nächste Hürde auf sie zu. Wie die Quelle weiter berichtet, wird Maitha schon jetzt bedrängt, ihren Sitz einem männlichen Rivalen „zu verkaufen“.

Oft wird auch Gewalt angedroht oder angewandt, um Frauen in Kenia von ihren politischen Plänen abzubringen. „Frauen lassen sich tendenziell durch Gewalt abschrecken“, berichtet John Ndeta, der Medienkoordinator des Projekts Peace Initiative Kenya. Da es bei einer Wahl in erheblichem Maße mit Bestechung, Einschüchterungen und offenen Feindseligkeiten zugeht, seien Frauen oft außen vor, denn sie wenden weder Gewalt noch Zwang an.

Ndeta hält es daher für utopisch, die in der Verfassung vorgeschriebene Frauenquote zu erreichen. Danach müssten mindestens 117 der 290 Parlamentssitze von Frauen eingenommen werden.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: afrika.info

Schlagwörter: Kenia, Politik, Kandidatur, Frauen, Frauenrechte, Gender, Wahl, Kampagne, Geschlecht, Verfassung, Drohung, Erpressung, Druck, Partei, Kandidatur, Nominierung, Regierungsamt, Bestechung, Einschüchterung, Drohungen, Parlamentssitze