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Afghanistan: Das ABC des Umweltbewusstseins

Meldung vom 22.03.2013

Afghanistan ist nicht nur mit der prekären Sicherheitslage, sondern auch mit wachsenden Umweltproblemen konfrontiert. Zaghafte Anläufe der Umweltbehörden stoßen auf ein geringes Umweltbewusstsein der Bevölkerung. Der Schriftsteller Taqi Akhlaqi hat sich in seiner Heimat auf die Suche nach dem Umweltbewusstsein gemacht.

„Mein Kind ist krank, schon seit langem. Sein Zustand bessert sich nicht. Er hustet die ganze Nacht bis zum Morgen. Am Tage hat er Fieber. Sehen Sie, wie mager er geworden ist.“ Dies erklärt ein Vater, der seinen kranken Sohn auf dem Arm trägt und im Privatkrankenhaus auf den Arzt wartet, um von ihm zu hören, was dieser für seinen fünfjährigen Sohn tun kann. „Was sagen die Ärzte?“, frage ich ihn. „Seine Lungen seien zu schwach. Sobald er Staub oder Rauch einatmet, kommt er in diesen Zustand. Sehen Sie sich einmal an, wie seine Nase läuft. Alles kommt von der Verschmutzung. Von der Wasser- und Luftverschmutzung“, sagt er.

Im Juli 2009 hat die Gesundheitsbehörde in Afghanistan öffentlich bekannt gegeben, dass die Umweltverschmutzung allein in Kabul jährlich den Tod von 3.000 Menschen nach sich zieht. Seither werden solche Meldungen wiederholt, damit die Bevölkerung aufgerüttelt wird. Die Menschen wollen die Gründe für die jüngsten Überschwemmungen und das Sinken des Grundwasserspiegels wissen. Sie wollen informiert werden, warum die Luft in den Städten immer schmutziger wird.

Wer Afghanistan von außen betrachtet, geht davon aus, dass Umweltprobleme und die Herausforderungen des Klimawandels hier nicht zur Debatte stehen, weil das Land doch ausreichend beschäftigt ist mit gravierenden Sicherheitsfragen, Infrastrukturproblemen und der Wechselbeziehung zwischen regionalen und internationalen Mächten. Aber bei den Afghanen ist ein tiefer kultureller Bezug zu ihrer natürlichen Landschaft vorhanden, der seit Jahrhunderten Bestand hat.

Das traditionelle Verhältnis zur Natur wurde jedoch eingeholt von dem schnellen Bevölkerungswachstum, der Binnenmigration, der wachsenden Verkehrsdichte und der zunehmende Verbrennung von Holz und fossilen Brennstoffen wie Steinkohle in den Häusern und Fabriken. Zudem greift noch kein „modernes“ Umweltbewusstsein. Die Menschen wären zwar zur Übernahme von Verantwortung bereit, sind aber der Ansicht, dass sie den Umständen machtlos gegenüberstehen.

Die Abholzung der Bäume für Brennholz im Winter hat eine lange Tradition. Die Menschen tragen damit bewusst oder unbewusst zur Zerstörung der Wälder bei. Laut einer Statistik der UN-Umweltbehörde waren bis 2008 etwa 50 Prozent der wertvollen Wälder des Landes verloren gegangen.

Das afghanische Umweltamt arbeitet angesichts dieser Herausforderungen weitgehend allein. Erst seit kurzem existiert überhaupt eine Behörde, die sich mit den Problemen der Umwelt auseinandersetzt; ihre Gründung im Jahr 2005 war ein historisches Ereignis. Danach wurde im Jahr 2007 das erste Umweltschutzgesetz ratifiziert, das die Aufgaben von staatlichen Behörden auf diesem Gebiet definierte, insbesondere die Rolle des Amtes für Umweltschutz. Der mit Hilfe der UN-Umweltbehörde verfasste Gesetzestext eröffnet Mittel und Wege zum Schutz der wilden Tiere, Gewässer, Wälder und anderer Naturreservate. Darüber hinaus hat sich Afghanistan einigen internationalen Konventionen und Verträgen angeschlossen. Dies alles waren kleine Fortschritte.

Eine Initiative zur Verbesserung des Umweltbewusstseins begann 2009. Vertreter des afghanischen Umweltschutzamtes versuchten mit Unterstützung der Geistlichkeit und des Ministeriums für Bildung und Erziehung das Fach „islamisches Religionsrecht für Umweltschutz“ in den Lehrplan der Hochschulen aufzunehmen. Sie fassten damit zwei Ziele ins Auge: Erstens sollten die Leute sich darüber bewusst werden, dass der Umweltschutz ein wichtiges Thema der Religion ist. Zweitens soll ein islamisches Recht für Umweltschutz formuliert werden.

Es ist nicht zu leugnen, dass Gewohnheiten und Fehlentwicklungen, die sich während der Kriegsjahre allmählich in der afghanischen Kultur verfestigten, ebenfalls eine wesentliche Rolle bei der Umweltverschmutzung spielen. Die Afghanen haben keine Hemmungen, in der Öffentlichkeit zu spucken und Müll auf die Strasse zu werfen. Die Stadtverwaltung hat aus Erziehungsgründen überall in Kabul die Parole „Unsere Stadt, unser Zuhause“ plakatieren lassen; doch die Afghanen interpretieren diesen Spruch unterschiedlich.

Einer meiner Freunde verspeiste draußen Obst und warf die Schalen auf den Bürgersteig. Als ich mich darüber aufregte, sagte er: „Hier ist mein Land, ich bin frei, zu tun und zu lassen, was ich will.“ „Und was ist mit dem Spruch ,Meine Stadt, mein Zuhause’?“, fragte ich. „So mache ich es auch zu Hause“, konterte er lachend. Mit schönen Sprüchen allein wird die Stadtverwaltung den Abfallberg also nicht verkleinern. Vielleicht braucht sie klarer formulierte Parolen, damit die Menschen verantwortungsbewusster reagieren und der Verschmutzung ihrer Umwelt entgegensteuern.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Neue Zürcher Zeitung, NZZ Online“, nzz.ch

Schlagwörter: Afghanistan, Umwelt, Natur, Umweltbewusstsein, Klima, Klimawandel, Umweltschutz, Abholzung, Luftverschmutzung, Brennholz, Winter, Umweltprobleme, Umweltamt, Islam