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Afghanistan: Zeitungssterben befürchtet

Meldung vom 25.03.2013

Werden die Zeitungen in Afghanistan den Abzug der ISAF lebend überstehen? Seit dem Afghanistankrieg haben sich in dem Land unzählige Medien etabliert. Doch mit dem Abzug der internationalen Truppen könnten auch sie wieder sterben.

Viele unabhängige Medien in dem Land befürchten, dass sie den Betrieb einstellen müssen. Denn mit den Soldaten werden sehr wahrscheinlich auch viele Hilfsgelder abgezogen. „Nach 2014 wird die freie Presse es sehr schwer haben“, klagt Shah Hussain Murtazawi, stellvertretender Chefredakteur der größten Zeitung des Landes, Hashte Sob – englischer Titel: 8am. „Keine Zeitung hat es geschafft, ein eigenständiges Finanzierungsmodell zu entwickeln.“

Bis Ende 2014 sollen die internationalen Truppen das Land weitgehend verlassen haben. Seit sie im Land sind, haben Milliarden an Hilfsgeldern zur Entwicklung vieler neuer Medien beigetragen. Gab es unter den Taliban einen Fernseh- und einen Radiosender sowie eine Zeitung, behaupten sich mittlerweile mehr als 60 Fernsehsender, 150 Radiosender und unzählige Zeitungen auf dem Markt. Die mag das Land nicht alle benötigen, aber ein Ende der finanziellen Hilfe würde aus Sicht von Chefredakteur Murtazawi vor allem für jene das Aus bedeuten, die nicht von fragwürdigen Geldgebern oder Politikern abhängig sind.

Die meisten Fernseh- und Radiosender sowie Zeitungen beziehen etwa 5 Prozent ihrer Kosten aus Werbeeinnahmen. Der Rest speist sich aus direkten Zuschüssen oder aus gesponserten Aufklärungskampagnen internationaler Organisationen. Die afghanische Wirtschaft hat sich nicht in dem Maße entwickelt, dass Werbeeinnahmen eine unabhängige Presse tragen könnten. Und bei einem Verkaufspreis von ungefähr 20 US-Cent und monatlichen Gehältern von 500 Dollar für die 70 Redakteure sieht sich selbst 8am mit einer beachtlichen Finanzierungslücke konfrontiert.

„Wir hatten in der vorletzten Woche ein Treffen mit über 100 unabhängigen Medien, um über Strategien für die Zeit nach 2014 zu diskutieren“, betont Murtazawi. „Unsere Optionen: das Verteilungsgebiet verkleinern, die Redaktion verkleinern, die Gehälter kürzen.“ Schon jetzt hat die Zeitung die Zulieferung in den beiden Nordprovinzen Kundus und Badachschan eingestellt. Weitere werden sich anschließen.

Für seine Berichterstattung hat 8am nationale und internationale Preise verliehen bekommen. Murtazawi meint: „Das Vertrauen in die freie Presse ist mittlerweile so groß, dass die Leute mit Beschwerden über Politiker eher zu uns kommen, statt vor Gericht zu ziehen.“ Immer wieder hat die Zeitung Korruptionsskandale publiziert und die Regierung damit zum Handeln bewegt.

In den Provinzen außerhalb der Hauptstadt Kabul informieren sich die Menschen vor allem über Radio. Tagelange Stromausfälle und eine hohe Analphabetenrate machen batteriegetriebene Radios oftmals zum einzigen Medium. „Besonders lokale Medien sind davon bedroht, von Politikern und Warlords übernommen zu werden“, kritisiert Nadschibullah Amiri, Chefredakteur von Salam Watandar, dem größten Radiosender des Landes. „Diese wollen die Medien als Propagandawerkzeuge benutzen.“

2003 gegründet, unterhält Salam Watandar seinen Hauptsitz in Kabul. Hier werden stündliche Nachrichten ausgestrahlt, 15 Regionalkorrespondenten liefern Berichte und Analysen. Auf diese Informationen können 53 lokale Partnerstationen zurückgreifen. So gelangt das Programm zu 17 Millionen Afghanen.

Zuletzt hat der Radiosender mit der Berichterstattung über Sahar Gul international Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die minderjährige Gul war für Monate von ihrem Mann gefoltert worden, weil sie sich gegen die Zwangsprostitution sträubte. Der Fall wurde weltweit in den Medien aufgenommen. Angesichts des Drucks mussten die afghanische Politik und Justiz agieren. Doch trotz solcher Erfolge ist auch Salam Watandar von internationalen Hilfsgeldern abhängig.

Nur einige Fernsehsender leben gänzlich von Werbeeinnahmen. Doch sie gehören oft reichen Geschäftsleuten mit Verbindungen in die Regierung. Angesichts der anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen ist das keine gute Vorbedingung. „Unser Einfluss wird stetig sinken, andere werden von Politikern aufgekauft und missbraucht werden“, prophezeit Zeitungsmann Murtazawi. „Das wird die ethnischen Spaltungen im Land weiter vertiefen.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Afghanistan, Zeitung, Medien, Abzug, Presse, Radiosender, Radio, Pressefreiheit, Werbeeinnahmen, Hilfsgelder, Gehälter, Berichte, lokale Medien, Kabul, Propaganda, Warlords