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Südsudan: Die junge Generation wird ausgebremst

Meldung vom 20.06.2013

Jugendliche haben sich auf dem Gelände einer Kirche in Yei im Südsudan zu einem Forum getroffen, um eine Liste ihrer besonderen Nöte und Bedürfnisse zu erstellen. Im Fokus stand das Thema „Political instability – kein wirklich sicheres Leben unter der gegenwärtigen Regierung und den momentanen politischen Verhältnissen in Ostafrika.“

Wenn junge, gebildete Südsudanesen aus dem Ausland in ihrem Heimatland Südsudan einen Neuanfang wagen möchten, sind viele von ihnen hoch motiviert und möchten beim Aufbau ihres Landes nach jahrzehntelangem Krieg mitwirken. Deren Zahl geht aber inzwischen wieder zurück. Grund dafür ist ihre Frustration. Es gibt eine große Menge von enttäuschten und desillusionierten Auslandssudanesen. Viele sind wieder in die USA oder nach Australien zurückgekehrt. „Wir sind in unserer Heimat nicht willkommen“, so lautet die Antwort auf die Frage, warum sie nicht geblieben sind. Dafür gibt es berechtigte Gründe.

In den Chefetagen der Regierung und Behörden aller Art sitzen meistens Kader, die aus den Reihen der Südsudanesischen Befreiungsarmee (SPLA) stammen. Die geben ihre Positionen nicht freiwillig aus der Hand – schon gar nicht an jüngere und erst recht nicht an akademisch gebildete und weltgewandte Exil-Sudanesen.

„Wir haben in den Schützengräben die Köpfe hingehalten, als ihr vor den vollen Fleischtöpfen Amerikas gesessen habt“ – so lautet ein Argument der eingesessenen Machthaber. „Jetzt wollen wir die Früchte unseres Kampfes genießen“ – womit Korruption gemeint ist. Und weiter heißt es: „Wir lassen uns nicht von dahergelaufenen Grünschnäbeln vorschreiben, wie Politik und Wirtschaft gemacht wird.“

Dabei wären gerade die jungen Eliten diejenigen, die für alle Bereiche der Verwaltung, Wirtschaft und Politik das Know-how mitbringen, das im Südsudan einfach fehlt. Wie chaotisch ungebildete Beamte und Sicherheitsleute nicht selten handeln, zeigt folgendes Beispiel: Auf dem Flughafen von Yei landet ein Flugzeug der Gesellschaft Eagle Air. Der Pilot entlässt die Passagiere und schaltet danach sein Handy ein. Er muss seinen Chef in Kampala anrufen. Ein südsudanesischer Sicherheitsbeamter rast auf den Piloten zu, entreißt ihm das Mobiltelefon und gebärdet sich wie wild. Der Pilot ist ganz schockiert und bekommt zu hören, dass es nicht gestattet sei, auf einem Flugplatz zu telefonieren. Warum? Er habe doch immer hier telefoniert. Ob ihm denn nicht klar sei, belehrt ihn der Mann von der Sicherheit, dass dadurch die Flugzeuge beschädigt würden. Die Diskussion endet mit der Beschlagnahmung seines Telefons. Es dauert eine dreiviertel Stunde, bis andere Mitarbeiter der Fluggesellschaft den Sicherheitsbeamten darüber aufklären, dass der Pilot sein Handy dringend benötigt und Telefonaten auf dem Flughafengelände nichts entgegensteht.

Auch ein anderes Beispiel verdeutlicht die Situation: Einige Chiefs – das sind hierzulande Bürgermeister von Kommunen bzw. kleineren Verwaltungsgebieten – haben sich vor einiger Zeit widersetzt, als riesige Grundstücke durch Staatsbeamte an Ausländer verkauft werden sollten. Dieses Verfahren nennt man auch „Landgrabbing“ (Landklau). Die „Erlöse“ fließen in die privaten Taschen der Beamten, die Kommunen erhalten davon nichts. Nachdem die Chiefs also dagegen protestiert hatten, wurden sie kurzerhand festgenommen und in die Hauptstadt Juba gebracht. Für längere Zeit waren sie spurlos verschwunden. Um sie ohne Verfahren im Gefängnis festhalten zu können, wurde in folgende Schuld zugewiesen: Sie hätten Rebellen unterstützt, die angeblich noch im Grenzgebiet zwischen Kongo und Südsudan wirken.

Wie das auf die südsudanesische junge Generation wirkt, lässt sich leicht vorstellen. Auf der einen Seite sollen sie auf Werte verpflichtet werden, die auf den Zehn Geboten der Bibel basieren – und auf der anderen Seite erleben sie, wie ihre eigenen Regierungsvertreter alle denkbaren Rechte einschließlich der Menschenrechte verletzen. Eine Vorbildfunktion erfüllen sie in keiner Weise.

Korruption kann man als Fortsetzung eines gewinnbringenden Krieges mit anderen Mitteln bezeichnen – vor allem gegen die eigene Bevölkerung. Dass die Jugend sich nach anderen Bedingungen sehnt, scheint immerhin eine gute Voraussetzung dafür zu sein, dass eines Tages etwas Neues anbricht. Aber allzu lange darf man die neue Generation nicht unterdrücken. Denn die Gefahr ist groß, sich vom alten System korrumpieren zu lassen und bei der Ausbeutung der eigenen Leute mitzumachen.




Quelle: „Gießener Zeitung“, www.giessener-zeitung.de

Schlagwörter: Südsudan, Elite, Jugend, Auslandssudanesen, Bildung, Exil, Kader, Landgrabbing, Chaos, Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Unterdrückung, Korruption, Ausbeutung, Rechte, Menschenrechte