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Kenia: „Teure“ Rosen

Meldung vom 27.06.2013

Catherine Mumbi hat in Kenia als ehemalige Beschäftigte in der Blumenindustrie nur Leid davongetragen. Erst wurde sie schwer krank, dann sexuell belästigt und zum Schluss entlassen. Zwei Monate lang musste Mumbi wegen eines Leberleidens in einem Krankenhaus therapiert werden. Als es ihr besser ging, wollte sie ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Doch die Rückkehr hätte nur geklappt, wäre sie ihrem Vorgesetzten sexuell gefällig gewesen. Aber auf einen solchen Handel ließ Mumbi sich nicht ein. „Am nächsten Morgen klopfte ein Wachmann an meine Tür. Er überreichte mir einen Brief und teilte mir mit, dass ich das Betriebsgelände unverzüglich zu verlassen habe. Seither bin ich arbeitslos und lebe seit Dezember 2011 von dem, was mir großzügige und wohlmeinende Menschen schenken“, bezeugt sie.

Das ist ein hartes Los, zumal es wahrscheinlich ist, dass Mumbis Leberleiden auf den ständigen Kontakt mit den giftigen Chemikalien zurückzuführen ist, denen sie auf der Blumenfarm ausgesetzt war.

Wer sich einen Eindruck von den Arbeitsbedingungen in der kenianischen Blumenindustrie verschaffen will, steht häufig vor verschlossenen Türen. Die Blumenfarmen in Naivasha in der Provinz Rift Valley beispielsweise sind von Wachmännern umstellt.

Die Gewächshäuser erstrecken sich auf einer Fläche von 8 mal 60 Metern. Hier herrscht bis auf die gelegentlichen Anweisungen, die der Vorarbeiter den mehrheitlich weiblichen Arbeitern zuschreit, weitgehend Stille. Unermüdlich werden die Rosen geschnitten und aufeinandergestapelt. Selbst der Geruch von frisch versprühten Chemikalien führt nicht zu einer Pause. Hier kostet jede schöne Rose einen unbezahlbaren Preis, nämlich eine kürzere Lebenszeit für die Beschäftigten.

Charles Kasuku, ein Sozialarbeiter aus Naivasha, war unlängst an einer Untersuchung der Arbeitsbedingungen in Kenias Blumenindustrie beteiligt. Wie er angibt, kommt es vor, dass die Aufschriften auf den Chemikalienkanistern überklebt werden, um die Toxizität mancher Substanzen zu tarnen.

Wie er mitteilt, sind die ersten Kampagnen gegen die Verwendung von Brommethan (Methylbromid), einem Begasungsmittel für den Pflanzenschutz, in Kenia 1998 gestartet. Doch noch ergeben Nachforschungen, dass der Wirkstoff auch weiterhin im Gartenbau verwendet wird.

Der Einsatz von Agrargiften liefert seiner Meinung nach den Grund, warum in vielen Gesundheitszentren im Umfeld der Blumenfarmen auffallend viele Menschen mit merkwürdigen Krankheitsbildern eingeliefert werden. „Erst kürzlich ist jemand an den Folgen sogenannter chemischer Komplikationen gestorben.“

Wie Experten vom Medizinischen Forschungsinstitut Kenias (KEMRI) herausfanden, sind Leberprobleme, Atembeschwerden, Impotenz und Krebs häufige Erscheinungsbilder, die auf den Kontakt mit Agrarchemikalien hindeuten. „Allerdings stellen sich die schlimmsten Auswirkungen häufig erst nach Jahren ein“, betont Mohamed Karama von KEMRI. „Die Menschen sollten auf keinen Fall über lange Zeiträume in Treibhäusern arbeiten.“

Im Zuge einer Parlamentsdebatte wurde darauf hingewiesen, dass den Saisonarbeitern Monatslöhne in Höhe von 47 US-Dollar gezahlt werden. Das entspricht noch nicht einmal der Hälfte der 118 Dollar, die die kenianische Verfassung als monatlichen Verdienst von Gelegenheitsarbeitern festgelegt hat. Die Farmarbeiter selbst fordern ihre Rechte nicht ein, zu groß ist ihre Angst, ihren Job zu verlieren.

Hinzu kommt, dass die Blumenarbeiterinnen mehrheitlich sexuell belästigt werden. Die Gartenbauentwicklungsbehörde geht davon aus, dass der Sektor mehr als 70.000 Frauen beschäftigt. Dem Kenianischen Blumenrat (KFC) zufolge verdingen sich fast 100.000 Menschen in der Blumenindustrie des Landes, die sich aus rund 2.500 kleinen Farmen und 150 mittelgroßen bis großen Farmen zusammensetzt.

Der Gartenbau stellt für Kenia einen wichtigen Devisenbringer dar. Der KFC berechnet, dass der Industriezweig jedes Jahr rund eine Milliarde Dollar generiert. Aber Tausende von Frauen müssen in diesem Sektor Leid und Unrecht ertragen.

Doch Kenias Staatssekretärin im Arbeitsministerium, Beatrice Kituyi, gibt sich optimistisch und verweist auf die Webseite ihrer Behörde. Auf ihr seien die vielen Fortschritte bei der Umsetzung bestimmter Konventionen zum Schutz der Arbeiter genau aufgeführt. „Kenia ist auf Kurs, was die Umsetzung der Konventionen angeht“, betonte sie unlängst.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: afrika.info

Schlagwörter: Kenia, Rosen, Gartenbau, Arbeiter, Blumenindustrie, Agrargifte, Chemikalien, Gewächshäuser, Arbeitsbedingungen, Krebs, Pflanzenschutzmittel, Monatslohn, Mindestlohn, Treibhäuser, Krankheit, sexuelle Belästigung