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Afghanistan: Freispruch für Peiniger von Folteropfer Sahar Gul

Meldung vom 15.07.2013

Sahar Gul hegte nur einen Wunsch: Dass ihre Peiniger für eine sehr lange Zeit hinter Gitter bleiben. Doch stattdessen hat das Gericht in Kabul jetzt das Gegenteil entschieden: Freispruch für jene, die sie so grausam folterten.

Der Umgang der afghanischen Justiz mit dem Mädchen Sahar Gul (16) sorgt für Empörung in der Weltöffentlichkeit: Ein Gericht in der Hauptstadt Kabul gab nun bekannt, dass die im vergangenen Jahr verhängten zehnjährigen Haftstrafen gegen drei Mittäter wegen Folter und versuchten Mordes gemildert werden müssen.

Die drei Verurteilten könnten nach den vorliegenden Beweisen lediglich wegen „Gewalt in der Familie” bestraft werden und hätten damit lange genug im Gefängnis ausgeharrt.

Laut der britischen Zeitung The Guardian sind die beiden Frauen und ein Mann schon wieder freigelassen worden. Dabei geht es um Sahars Schwiegereltern und ihre Schwägerin. Ein Gerichtssprecher in Kabul konnte jedoch nicht bestätigen, ob die drei bereits aus der Haft entlassen wurden.

Sahar war im Frühjahr 2011 zu einer Zwangsheirat mit einem 30-jährigen Mann genötigt worden. Die Angehörigen ihres Mannes wollten sie zur Prostitution drängen, Sahar widersetzte sich – und wurde daraufhin schwer misshandelt.

Das Mädchen wurde ein halbes Jahr in einer Toilette eingesperrt. Die Verwandten misshandelten sie mit glühenden Metallteilen, rissen ihr die Haare aus, drückten glühende Zigaretten in ihr Gesicht und rissen ihr die Fingernägel aus.

Als die Polizei das Mädchen im Dezember 2011 im Keller des Hauses entdeckte, war sie nicht mehr fähig, alleine zu laufen. Im Mai 2012 wurde dann das Urteil verkündet. Sahars Ehemann konnte jedoch bis heute nicht festgenommen werden.

Die Vereinigung Frauen für afghanische Frauen zeigte sich nach der abgeschwächten Entscheidung des Gerichts schockiert. Der Prozess wegen der Misshandlung Sahar Guls sei einst als ein „Triumph” für die Frauenrechte bewertet worden, erklärte die Vereinigung. Nun nehme der Fall einen schlimmen Verlauf und zeige sich als „Vorbote einer finsteren Zukunft”.

Dass ihre Peiniger auf freiem Fuß sind, ist ein Schock für Sahar Gul. „Sie hat Angst um ihr Leben“, erklärte Manizha Naderi, Chefin der Hilfsorganisation Frauen für afghanische Frauen. Wie sie berichtet, sagte die Schwägerin bei ihrer Verurteilung: „Wir haben dich damals nicht getötet, aber wenn ich rauskomme, werde ich dich töten.“

Das Schicksal von Sahar Gul hatte in Afghanistan eine Diskussion um die Rechte der Frauen bewirkt. Heiraten ist in Afghanistan offiziell im Alter von 16 Jahren legal. Laut Zahlen der UN werden allerdings mehr als die Hälfte aller Mädchen zur Hochzeit genötigt, wenn sie jünger als 15 Jahre alt sind. Die für afghanische Verhältnisse relativ hohe Strafe für die Täter wurde als Fortschritt und ein gutes Zeichen für die Frauenrechte in Afghanistan gewertet. Ihre vorzeitige Freilassung deutet jedoch auf einen gewaltigen Rückschritt.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Bild“, bild.de

Schlagwörter: Afghanistan, Sahar Gul, Opfer, Folter, Gericht, Zwangsheirat, Peiniger, Freispruch, Gewalt in der Familie, Prostitution, Zwangsprostitution, Angehörige, Scharia, Frauenrechte, Gender