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Südafrika: Simbabwische Diaspora will Mugabe abwählen

 
Meldung vom 31.07.2013

In Südafrika gibt es viele Exilanten aus dem Nachbarland Simbabwe, die sich vor den Verfolgungen von Mugabe abgesetzt haben. Die Exilopposition in Südafrikas Hauptstadt Johannesburg sieht der kommenden Wahl in Simbabwe mit gemischten Gefühlen entgegen. Die meisten rechnen mit Wahlbetrug, versuchen aber alles, um zur Wahl zu gelangen. Doch die meisten werden nicht über die Grenze gelassen.

Die simbabwische Diaspora in Johannesburg stellt sich auf die in ihrer Heimat anstehenden Präsidentschaftswahlen ein. Am 31. Juli steht die Wahl in Simbabwe an, und Präsident Robert Mugabe kandidiert nach 33 Jahren an der Macht erneut. Die in der bisherigen Regierung der nationalen Einheit eingebundene Oppositionspartei MDC stellt mit Premier Morgan Tsvangirai den Rivalen.

Aber viele Einheimische, die seit Jahren im benachbarten Südafrika im Exil leben, werden sich an dieser Wahl nicht beteiligen können. Ehemalige politische Aktivisten sind von der Wahl ausgeschlossen, und viele der rund 2 Millionen Simbabwer in Johannesburg haben keine finanziellen Mittel, um in die Heimat zu reisen.

„Wählerapathie wird es in Simbabwe nicht geben“, meint Sox Chikohowero in Johannesburg. Obwohl die notwendigen und von der Einheitsregierung verhandelten Reformen noch nicht realisiert wurden, setzten die Menschen alles daran, ihr Votum abzugeben. Sie sehnen sich nach Veränderung.

„Wir sind enttäuscht, dass wir nicht wählen können, wir haben schließlich viel zur politischen Entwicklung in Simbabwe beigetragen“, empört sich Chikohowero, der früher als politischer Aktivist der Opposition gegen das Mugabe-Regime eintrat und schikaniert wurde. Nun befindet sich sein Name auf der „schwarzen Liste“ und er ist eine Persona non grata (unerwünschte Person), die nicht ins Land gelassen wird.

„Es gibt viele von uns hier in Johannesburg, und wir müssen wieder zusehen, wie die Wahlen von Zanu/PF manipuliert werden“, meint Chikohowero. Er engagiert sich seit Jahren in der Nichtregierungsorganisation Global Zimbabwe Forum, die simbabwische Migranten international vereinigt.

Daheim, in den ländlichen Gebieten Simbabwes, seien Soldaten der Regierung ausgeschwärmt, um die Bevölkerung einzuschüchtern, erklärt Chikohowero. Die Regierungspartei Zanu/PF sichert sich ihre Wählerstimmen hauptsächlich auf dem Land und das Militär setzt die Bevölkerung zugunsten des 89-jährigen Mugabe unter Druck. Die wirtschaftliche Lage bedränge alle, bezeugt Chikohowero.

Lovemore Moyo verfügt über einen gültigen simbabwischen Ausweis, was längst nicht alle Exilanten in Südafrika von sich behaupten können. Sie sind daher nicht zur Wahl zugelassen. Moyo wird mit dem Minibus in seine Heimatstadt Harare reisen, um zu wählen. Gleichzeitig wird er seinen Verwandten, seiner Frau und seinen Kindern einen Besuch abstatten. Er selbst ist seit vielen Jahren in Johannesburg untergekommen und hält sich mit dem Verkauf von Postkarten und Tieren aus Draht am Straßenrand über Wasser.

Seine Stimme will Lovemore Moyo der Opposition MDC geben, immerhin habe sich die Partei für die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Simbabwe eingesetzt seit den vergangenen blutigen Wahlen 2008. Moyo kommt mit den in Südafrika verdienten US-Dollars in Simbabwe besser klar. Aber die Materialien für den Bau seines Hauses in einem Township bei Harare ersteht er lieber in Südafrika, da sei es preiswerter. Stück für Stück bringt er das Baumaterial im Bus über die Grenze.

MDC-Führer Morgan Tsvangirai hat sein Skandal mit Frauengeschichten geschadet, meint Moyo. Der amtierende Premier Tsvangirai habe nachgelassen im Einsatz um die Belange des Volkes. „Er sitzt in der Regierung und spürt die Macht und das Geld, daher hat er nicht mehr so viel getan.“

Aber trotzdem wird er ihn wählen, eine Alternative ist nirgends in Sicht. Moyo macht sich keine Illusionen über einen Wahlsieg von MDC, weil die Wahlen nicht frei und fair vonstatten gehen werden. Aber vielleicht ist die Wahl eine weitere Etappe hin zum großen Durchbruch bei den nächsten Wahlen, glaubt er.

Ob die Opposition trotz der manipulierten Wählerlisten und eines absichtlich verlangsamten Prozesses zur Wahlregistrierung die Wahlen für sich entscheiden könnte, lässt Kumbirai Muchemwa, Parteisprecher von MDC in Johannesburg, offen. Zanu/PF sei nicht imstande, freie Wahlen zu gewinnen. Wenn sie die Wahl durch Betrug, Einschüchterung und Mord gewinnt, rechnet Muchemwa für Südafrika und die Region der südlichen Staatengemeinschaft mit unabsehbaren Folgen. „Dann gibt es einen Tsunami von Simbabwern, die über die Grenzen strömen, und dieses Mal wird es für immer sein.“

Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist einer der größten Kritiker der Mugabe-Regierung, meint Joy Mabenge, Vorsitzender der Krisenkoalition Simbabwe in Johannesburg. Daher werden er und sein Vermittlungsteam der südafrikanischen Regierung in Simbabwe ständig von Mugabe verbal attackiert. Präsident Mugabe habe frühe Wahlen durchgesetzt, weil er sich sicher ist, die Wahlen rechtzeitig manipuliert zu haben. Dennoch haben sich auch andere Oppositionsparteien zur Wahl gestellt und Mugabe bekommt zunehmend Gegenwind.

„Wir gehen mit Vorbehalten in die Wahlen, das ist eine echte Herausforderung. Wir haben eine neue Verfassung, aber wir haben sie noch nicht gelebt“, sagt Muchemwa. Sie existiere bisher nur auf dem Papier, und nichts Entscheidendes hätte sich geändert. Es habe sich zwar eine geheime Wahl durchgesetzt und jeder könne abstimmen, ohne dass andere einen Einblick auf den Stimmzettel nehmen können. „Aber trotzdem wird Zanu/PF nicht verlieren.“


Video-Beiträge zu diesem Thema

 Simbabwe an der Urne: Mugabes Wahlschummeleien




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Südafrika, Simbabwer, Simbabwische Diaspora, Exilanten, Johannesburg, Simbabwe, Robert Mugabe, Wahlen, Exil, Harare, Zanu, Manipulation, Schikane, Morgan Tsvangirai, Opposition, Migranten, Flüchtlinge