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Äthiopien: Kampf gegen den Analphabetismus

Meldung vom 20.09.2013

Weltweit gibt es immer noch geschätzte 800 Millionen Erwachsene, die nicht schreiben und lesen können. Darunter sind zwei Drittel Frauen. Auch in Äthiopien können viel weniger Mädchen zur Schule gehen als Jungen.

Hulumtay Abate denkt noch an die Hürden, die sie überwinden musste, um zur Schule gehen zu können. Sie war vor rund 30 Jahren das erste Kind in ihrem kleinen Dorf im äthiopischen Hochland, das an einem Schulunterricht teilnehmen sollte. Sie wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, wurde aber von ihrem Vater, einem orthodoxen Priester, als ältestes der sieben Kinder dazu gezwungen. „Meine Mutter hat sich dagegen gesträubt, weil sie mich lieber schon jung verheiraten wollte. Das gehört bei uns zur Tradition“, sagt Hulumtay.

In Äthiopien sind nach offiziellen Angaben 61 Prozent der Erwachsenen Analphabeten. Offiziell herrscht zwar die Schulpflicht, sie wird jedoch nicht konsequent durchgesetzt.

Auch Hulumtay wollte lieber auf Bildung verzichten – wie alle anderen 100 Dorfbewohner, von denen keiner des Lesens und Schreibens mächtig war. „Die Leute sagten, ich sei faul, weil ich nicht verheiratet war und nicht mit einem Ehemann die Felder beackerte oder Wasser und Feuerholz schleppte.“ Sie fühlte sich ausgestoßen und „anders“, mit jedem erlernten Buchstaben entfremdete sie sich ihrem heimatlichen Umfeld.

„Ich bettelte meine Eltern an, mit der Schule aufhören zu dürfen, aber mein Vater wollte davon nichts hören“, berichtet Hulumtay. Er sei ein ungewöhnlicher und weiser Mann gewesen, der erkannt habe, dass Bildung der Schlüssel zu einer besseren Zukunft für die ganze Familie war. Heute ist sie ihm dankbar für seine Beharrlichkeit. Denn er sollte Recht behalten: Hulumtay absolvierte die Universität Bahir Dar und ist mittlerweile selbst als Lehrerin tätig. Erst als Erwachsene ließ sie sich auf eine Ehe ein und hat Kinder bekommen.

Denn eine der größten Blockaden für die Bildung der Mädchen in Äthiopien war lange Zeit die weit verbreitete Tradition der Kinderheirat. Sie wurde 2001 gesetzlich untersagt: Erst mit 18 Jahren dürfen Äthiopier nun heiraten. Die neue Regelung wurde zwar vielerorts, aber doch nicht überall umgesetzt. Hilfsorganisationen bemühen sich, in verschiedenen Landesteilen Aufklärung zu betreiben, frühzeitigen Hochzeiten entgegenzuwirken und vor allem Mädchen solange wie möglich den Schulunterricht zu ermöglichen.

„Ein gebildetes Mädchen gibt ihr Wissen an die ganze Familie weiter, nicht nur was Lesen und Schreiben betrifft, sondern auch in punkto Hygiene oder Ernährung“, meint Ato Tesfaye, ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. „Zudem erlaubt die Schulbildung es den Heranwachsenden, sich später alles andere selber beizubringen.“

Die enorme Armut und der Hunger sind weitere Hindernisse für den Schulbesuch. Für die 16-jährige Hana, deren Eltern an Aids gestorben sind, drehte sich der ganze Tagesablauf um die Nahrungsbeschaffung. Das drängte den Besuch einer Schule ganz in den Hintergrund. „Ich konnte mich überhaupt nicht konzentrieren“, berichtet sie. „Meine ganze Energie habe ich darauf verwendet, mir zu überlegen, wie ich wohl an ein Abendessen kommen könnte.“ Sie hatte kaum mehr Kraft für den mehrstündigen Fußmarsch zur nächsten Schule. Zum Lernen blieb irgendwann überhaupt keine Energie mehr.

Immerhin, bei vielen Menschen hat schon ein Umdenken eingesetzt. Die Verantwortlichen haben erkannt, dass speziell die Ausbildung von Mädchen langfristig zu einer Verbesserung der Lebensumstände führen wird. Ato Tesfaye beschreibt es mit einem treffenden Bild: „Schulbildung ist damit vergleichbar, einen kleinen Baum zu gießen und sorgfältig aufzuziehen. Wenn er einmal Wurzeln geschlagen hat, dann kann er wachsen und braucht keine Hilfe mehr.“

Gebende Hände sorgt in seinen Einrichtungen für Schulbildung und die dazugehörige ausreichende Ernährung der Kinder.


Weiterführende Informationen

 Äthiopien: Wie hilft Gebende Hände?




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Ärzte Zeitung“, aerztezeitung.de

Schlagwörter: Äthiopien, Analphabetismus, Bildung, Schule, Schulbesuch, Kinder, Kinderheirat, Mädchen, Unterricht