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Afghanistan: Verlassen in Kunduz

Meldung vom 08.10.2013

Die Bundeswehr räumt ihr Feldlager in der afghanischen Unruheprovinz Kunduz. Auf sich gestellt bleiben Menschen wie Qjamuddin, die die Deutschen unterstützt haben und jetzt um ihr Leben bangen müssen. Die Bundeswehr sammelt Fakten, die Regierung zieht Hilfe in Erwägung.

Es war ein warmer Frühlingstag, im März, als er unter dem Eingangstor einen Brief vorfand. Ein Brief, der Qiamuddins Leben auf den Kopf stellte. Dort hieß es: „Du bist Qiamuddin. Und du hast für die deutsche Armee als Spion und Übersetzer gearbeitet. Du musst uns über alles berichten, was du dort getan hast. Ansonsten erwartet dich der Tod.“

Unter dem Brief ist ein Stempel zu sehen. Islamisches Emirat Afghanistan kann man entziffern – so haben die Taliban ihren Staat stets bezeichnet. Die Polizei bedauerte, sie könne Qiamuddin nicht helfen. Seitdem flieht er von Wohnung zu Wohnung, auch den Journalisten aus Deutschland hat er ins Haus eines Freundes bestellt.

Qiamuddin führt ein Video vor. Ein Lastwagen ist darauf zu erkennen, afghanische und auch deutsche Soldaten.Mein Vorgesetzter der Bundeswehr überprüft hier, wie Diesel an die afghanische Armee verteilt wird. Und wie Sie hier sehen können, übersetze ich gerade für den deutschen und den afghanischen Offizier.“

Ende 2012 kehrte die Einheit, für die Qiamuddin tätig war, zurück in ihre Heimat. Nach dem Drohbrief der Taliban bat er die Bundeswehr um Hilfe. „Ich hatte ein Gespräch mit dem Kommandeur des Feldlagers. Er hat alle meine Papiere kopiert und gesagt, er werde alles ins Hauptquartier nach Mazar-i-Sharif schicken.“ Auf eine Antwort wartet Qiamuddin heute noch.

In Masar-i-Scharif ist General Michael Vetter für Fälle wie Qiamuddin verantwortlich. Anders als etwa Amerikaner und Franzosen, die ganze Kontingente an lokalen Mitarbeitern mit nach Hause überführen wollen, prüft die Bundesregierung jeden Einzelfall. Einige Afghanen bekommen eine Abfindung, einige werden ins Hauptquartier nach Masar-i-Scharif übermittelt. Nur 23 haben bisher die Bewilligung, nach Deutschland zu kommen. Qiamuddin gehört nicht zu den Glücklichen, obwohl die Taliban bereits sein Haus ausfindig gemacht haben, um den Drohbrief unter das Tor zu schieben.

„Sie müssen wissen, dass diese Briefe wie Kettenbriefe an Mitarbeiter von Regierungsorganisationen, von ISAF-Mitarbeitern verteilt werden“, erklärt Vetter. Das müsse nicht sofort heißen, dass diese Menschen akut in Lebensgefahr sind. Qiamuddin aber fühlt sich unmittelbar bedroht. Der junge Afghane, 24 Jahre alt ist er, wagt sich nicht mal mehr zur Universität, wo er vor seinem Bundeswehr-Engagement studiert hat. Wie könnte seine Zukunft aussehen? Die kann sich auf jeden Fall nicht in Kunduz abspielen: „Ich will nur ein sicheres Leben, und das ist wichtig für mich“, erklärt er. Als er den Job bei der Bundeswehr annahm, habe er gehofft, dass die Sicherheitslage in Kunduz sich stabilisieren würde. Aber das Gegenteil sei eingetreten, es werde von Tag zu Tag prekärer.

Und so bleibt Qiamuddin nichts anderes als die Hoffnung, dass die Deutschen sich am Ende dazu durchringen, doch mehr Afghanen zu helfen als bisher. Auch bis Kunduz ist das Gerücht vorgedrungen, dass die Bundesregierung zumindest darüber nachdenkt.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ARD-Nachrichten online“, ard.de

Schlagwörter: Afghanistan, Kunduz, Kundus, Bundeswehr, Ortskräfte, Helfer, Übersetzer, Drohbriefe, Taliban, Spion, Armee, Kettenbriefe, Feldlager, Bundesregierung, Asyl