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Südsudan: Zeugen berichten von Massentötungen

Meldung vom 05.03.2014

Der Mann, der anonym bleiben will, ist eine gesellschaftliche Respektsperson. Er ist bekleidet mit einer Art dunkelgrünem, weit geschnittenem Schlafanzug – im Südsudan ein Wahrzeichen für Menschen mit Bedeutung in ihrer privaten Umgebung. Zusammen mit zwölf anderen Männern hat er sich im Schatten eines größeren UN-Zeltes niedergelassen. Sie bilden so etwas wie den Ältestenrat des Flüchtlingslagers – und die Respektsperson in grün wurde als ihr Sprecher auserkoren: „Es gibt Massentötungen. Und wenn wir heute umgebracht werden, können wir nicht rausfinden, wer uns umgebracht hat. Wir gehören hier alle zu einer ethnischen Gruppe. Was bedeutet das?“

Kiir von der Volksgruppe der Dinka und Machar von der Volksgruppe der Nuer polarisieren mit ihrem tödlichen Streit das Land. In den Lagern für die Binnenflüchtlinge sind meistens Nuer untergekommen. Doch in vielen Landesteilen müssen auch Dinka vor Gräueltaten der Rebellen Reißaus nehmen. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben die Ältesten im Lager in Juba dennoch nicht auf.

„Es wird verhandelt und die Menschen versuchen sich zu versöhnen. Wir haben Vermittler wie die ostafrikanische Vermittlungskommission IGAD oder auch lokale Politiker. Die Menschen diskutieren intensiv und treten in einen Dialog. Wo liegen die Wurzeln für diesen Konflikt? Sie werden es rausfinden“, meint der Sprecher.

Außerhalb des Lagers, in Jubas Innenstadt, ist das Leben wieder zur Normalität übergegangen. Die Geschäfte sind geöffnet, Menschen arbeiten, Zeitungen werden wieder herausgegeben. Benzinknappheit und die nächtliche Ausgangssperre sind die einzigen Signale für eine Krise. Aber die sehen die Menschen hier auf der Straße aus einem anderen Blickwinkel. „Es ist kein ethnischer Konflikt, sondern ein politischer. Die, die was anderes sagen, haben unrecht, weil wir ethnische Trennung innerhalb der Bevölkerung nicht mögen. Wir sind eine Nation“, meint ein Bewohner von Juba.

Ob ethnisch oder politisch: Es ist ein Konflikt mit enormer Sprengkraft. Ganze Städte sind ausgelöscht. Millionen von Menschen wurden ins Elend gestürzt. Eine politische Lösung steht ohne überwachtes Waffenstillstandsabkommen nicht in Aussicht, denkt SPLA-Sprecher Agwer: „Besser wäre ein Waffenstillstand mit einem Mechanismus, die Waffenpause zu überwachen. So kann die Partei benannt werden, die das Abkommen verletzt. Doch ein Abkommen ohne Überprüfungsmechanismus ist ein schwacher Waffenstillstand.“

Eine solche Überwachung ist derzeit aber nicht umsetzbar. Und so misslingt eine politische Lösung wegen der teils heftigen Gefechte. Toby Lanzer, Chef für die humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen im Südsudan, setzt trotzdem auf die Politik. Sie ist für ihn der Schlüssel zum Frieden für das Land: „Es wurde schrecklich viel Blut vergossen und Schmerz gespürt. Eine stabile politische Versöhnung und ein echtes Fundament für eine Entwicklung dieses Landes wird einige Zeit brauchen. Es werden wichtige Signale sein, die die politischen Führer jetzt in den Friedensverhandlungen geben.“

Elf Millionen Südsudanesen bangen derzeit mit ihm. Sie leben teilweise völlig unvereinbare Leben – innerhalb oder außerhalb der Flüchtlingslager. Die einen sind in Not, die anderen wollen sich wieder in so etwas wie einem Alltag einrichten – zumindest in Juba. Doch sie alle müssen sich mit den notwendigen Schritten zu einer friedlichen Zukunft des Landes auseinandersetzen.

Daniel Juma hat die Vernichtung der Provinzhauptstadt Bor miterlebt. Er sah die Leichen getöteter Zivilisten und stand vor den Resten seines geplünderten Hauses. Drei Tage ist er zu Fuß, mit einem Boot und per Auto in die Hauptstadt Juba entkommen. Er ist ernüchtert, doch will den Gedanken an eine friedliche Heimat nicht aufgeben: „Es war eine harte Situation, die wir nicht erwartet hatten, nachdem Südsudan unabhängig geworden war. Wir hatten die Vorstellung, dass es Zeit für Entwicklung, Zeit für Frieden, Zeit für Einheit ist. Jetzt ist unser Problem, wie wir wieder zum Frieden zurückfinden können. Wie wir wieder eine gute Einigkeit finden, die die Menschen zusammenbringt.“

Das Vertrauen in die Politik haben die meisten Südsudanesen verloren. Es gibt dennoch Zuversicht: Trotz des blutigen Konflikts halten sie an der Gemeinsamkeit der Menschen im Land fest. „Hier in Juba ist es wieder sicher. Alle gehen ihrer Arbeit nach. Ich habe nur eine Hoffnung: Dass die Einigung über einen Waffenstillstand zwischen den beiden Konfliktparteien auch eingehalten und respektiert wird. Sie sollen zusammen für die Entwicklung des Landes arbeiten. Diese Menschen haben 21 Jahre gekämpft. Wir wollen nicht, dass sich das jetzt wiederholt“, meint Juma.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandradio“, dradio.de

Schlagwörter: Südsudan, Massentötungen, Flüchtlinge, Flüchtlingslager, Binnenflüchtlinge, Volksgruppen, Dinka, Nuer, Waffenstillstand, Kämpfe, Gefechte, Rebellen, Frieden, ethnischer Konflikt, politischer Konflikt, Riek Machar, Salva Kiir, Juba