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Äthiopien: „Made in Ethiopia“ – Kleidung nähen für Europa

Meldung vom 18.03.2014

Äthiopien entwickelt sich zu einem attraktiven Standort für Textilindustrie. Das Land ist auf dem besten Weg, Bangladesch Konkurrenz zu machen. Wie Bangladesch lockt Äthiopien die ausländischen Investoren mit seiner hohen Bevölkerungszahl und den niedrigen Löhnen an.

In Äthiopien leben 93,8 Millionen Menschen. Nach Nigeria ist es das bevölkerungsreichste afrikanische Land. Zudem sind dort über 40 Prozent der Menschen unter 15 Jahre alt. Ein weiterer Vorteil besteht in den niedrigen Löhnen. Ein durchschnittlicher Monatslohn beläuft sich in Äthiopien auf 25 US-Dollar (etwa 18 Euro). Von 2004 bis 2009 präsentierte Äthiopien ein starkes Wirtschaftswachstum von 10 Prozent pro Jahr, welches das Land laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einem der am schnellsten wachsenden Länder der Erde aufwertete. Durch die allgemeine Wirtschaftskrise ist das Wirtschaftswachstum zwar auf 7 Prozent abgesunken, aber insgesamt entwickelt sich das Land stetig.

Äthiopien wird von internationalen Unternehmen in Bezug auf Ressourcen, Wachstum, Potential und Investitionsmöglichkeiten als eines der attraktivsten Länder Afrikas gehandelt. Derzeit sind Äthiopiens hauptsächliche Einnahmequellen in der Landwirtschaft zu finden. 85 Prozent aller Arbeitnehmer sind im Agrarsektor tätig. Fast 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wird dadurch generiert. Das will die Regierung ändern. Die Textil- und Bekleidungsbranche steht dabei auf der Prioritätenliste ganz oben. Im „Wachstums- und Transformationsplan“ ist die Rede von Einkünften durch Textilexporte in Höhe von einer Milliarde US-Dollar für 2014/15. Zudem sollen durch diesen Sektor 40.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Fassil Taddesse, Präsident des Verbands der äthiopischen Textil- und Bekleidungshersteller (ETGMA), ist der Ansicht, dass die Regierung zu hohe Exportzahlen veranschlagt hat. Die Kapazität der Textilbranche ist noch nicht groß genug. Berücksichtigt man Anfangs-schwierigkeiten wie regelmäßige Stromausfälle, eine schlechte Infrastruktur, den Bedarf an teuren Maschinen aus dem Ausland, und steigende zukünftige Kosten, mit denen die äthiopische Textil- und Bekleidungsindustrie zu kämpfen haben wird, dann erscheint das Erreichen des Exportsziels tatsächlich zu hoch gegriffen.

Das Potential der Branche überzeugt jedoch die internationalen Auftraggeber. Die äthiopische Textil- und Bekleidungsindustrie kann zum Beispiel die hochwertige Baumwolle verarbeiten, die im Land hergestellt wird, und sie hat den steuerfreien Zugang zu US- und europäischen Märkten. „Wir haben 30.000 Quadratkilometer Fläche, um Baumwolle anzubauen, nutzen aber nur 6 bis 7 Prozent dieser Ressource. Man kann sich das Potential vorstellen, das wir in diesem Bereich haben“, betont auch Seleshi Lemma, Generaldirektor des Textile Industry Development Institute (TIDI).

Der britische Einzelhändler Tesco, der irische Textildiskounter Primark, der US-Einzelhandelsriese Walmart und das schwedische Unternehmen H&M haben bereits einen Teil ihrer Produktion nach Äthiopien verlegt. Sie haben in Bangladesch durch Fehler Erfahrung gesammelt und schon vorher die Arbeitsbedingungen geprüft und sie gegebenenfalls verbessert.

„Wir führen immer eine Risikoeinschätzung durch, bevor wir in einen neuen Beschaffungsmarkt investieren. In Äthiopien haben wir eine solche gründliche Analyse erstellt und uns die Menschenrechts- und Umweltbedingungen des Landes angeschaut. Zudem fanden Gespräche mit der Internationalen Arbeitsorganisation, dem schwedischen Amt für internationale Entwicklung und Organisationen vor Ort statt. Wir richten uns nach Kompetenzen wie den Vereinten Nationen und Handelsvorschriften der EU”, versicherte H&M-Sprecherin Elin Hallerby.

Das Unternehmen soll angeblich einen Auftrag über die Herstellung von einer Million Kleidungsstücken für Äthiopien zu vergeben haben und hat bereits im letzten Jahr erste Testaufträge in äthiopischen Unternehmen durchgeführt. Die Nähe zu Schlüsselmärkten sei wichtig: „Als wachsendes weltweites Unternehmen müssen wir zusehen, wie wir garantieren können, dass wir die Kapazität haben, alle unsere Geschäfte auch bei einem rapiden Expansionswachstum beliefern zu können“, meint H&M-Sprecherin Camilla Emilsson-Falk. „Wir tun dies, in dem wir die Produktion in bestehenden Produktionszentren steigern und nach neuen Ausschau halten.“

Im August letzten Jahres haben rund 50 türkische Textil- und Bekleidungsunternehmen ihre Produktionsstätten nach Äthiopien verlagert, um ein Industriegebiet um die Hauptstadt Addis Abeba herum aufzubauen. Der Umzug könnte dem Land Einkünfte von zwei Milliarden US-Dollar im Jahr bescheren sowie die Schaffung von 60.000 Arbeitsplätzen.

Angesichts des festen Willens der äthiopischen Textil- und Bekleidungsindustrie, ihre Produktvielfalt und -kategorien auszubauen und sich den Zugang zu diesem bis jetzt noch unentdeckten Markt zu verschaffen, können wir sicher zukünftig mehr „Made in Ethiopia“-Produkte auf den Ladentischen finden. Und mit äthiopischen Designern wie Fikirte Addis, Genet Mimi Kebede, Sara Abera und Liya Kebede, die bereits national und international Aufmerksamkeit erregt haben, wird dies auch auf das kreative Potential des Landes zutreffen.




Quelle: „Fashion United“, www.fashionunited.de

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