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Afghanistan: Wilde Gerüchte über Wahlkandidaten

 
Meldung vom 26.03.2014

In Afghanistan geht der Präsidentschaftswahlkampf in den Endspurt. Jetzt geben die Kandidaten noch einmal ihr Äußerstes. Ein Wahlkampfmittel ist die Verbreitung wildester Gerüchte über die Spitzenkandidaten.

Das Wahlbüro des Präsidentschaftskandidaten Qutbuddin Helal in Kabul verfügt über viel Raum und ist kalt. Während Tee serviert wird, haben sich ein Dutzend ältere Männer mit langen Bärten auf unbequemen Ledersesseln niedergelassen und tauschen sich über die Wahlen am 5. April aus.

Helal, der für die Hizb-i-Islami in den Wahlkampf zieht, lässt auf sich warten. Der Ingenieur und frühere Mudschaheddin-Kämpfer ist als Außenseiter bekannt. Obwohl Kabul mit riesigen Wahlplakaten überzogen ist, kann man Helals Porträt selten vorfinden. Seiner vom Kriegsfürsten Gulbuddin Hekmatjar geführten Partei stehen wenig Finanzen zur Verfügung. Hekmatjar, der in den USA als Terrorist gilt und sich verbirgt, appelliert an seine Landsleute, Helal zu wählen. Damit spielt er ein gewagtes Spiel.

Die meisten Beobachter räumen Helal kaum Chancen ein. Bei einer Wahlniederlage würde klar hervortreten, dass die „Hisb“ und Hekmatjar an Einfluss verloren hätten. Helals Wahlkampf zeichnet sich aus durch US-kritische Äußerungen. „Ich denke stets an das Beste für dieses Land“, wiederholt er. Das Sicherheitsabkommen mit den USA, dessen Unterzeichnung der scheidende Präsident Hamid Karzai seinem Nachfolger überantwortet, gehört für Helal nicht dazu. Das unterscheidet ihn von den anderen Kandidaten.

Noch neun Männer sind im Rennen, die im April Karzais Amt antreten wollen. Die Wichtigsten von ihnen lassen sich den Wahlkampf etwas kosten: oft sind es mehrere Millionen Dollar. Beobachter rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen drei Männern.

Einer ist Aschraf Ghani Ahmadsai, ein intellektueller Paschtune, der sich lange in den USA aufhielt und unter anderem für die Weltbank tätig war. Laut US-Magazin Time wird er den schlauesten Köpfen der Welt zugerechnet. Der hagere Ghani war beliebt, weil er im Gegensatz zu vielen anderen afghanischen Politikern noch keine Opfer auf dem Gewissen hatte. Doch die Popularität büßte Ghani ein, als er den usbekischen Warlord Abdul Raschid Dostum zum Vizepräsidentschaftskandidaten erkor. Unter Dostums Kriegsverbrechen mussten vor allem Paschtunen leiden.

Als ein weiterer paschtunischer Kandidat tritt Zalmay Rassoul an, der sich auf Plakaten in westlichen Anzügen zur Schau stellt. Auch er wohnte im Ausland, unter anderem in Rom gemeinsam mit dem letzten afghanischen König Mohammed Sahir Schah.

Mittlerweile hat Kajum Karzai, der ältere Bruder Hamid Karzais, seine Kandidatur zu Gunsten Rassouls fallen gelassen. Auf Kabuls Straßen hat man jedoch nur Spott für Rassoul übrig. Der Ledige soll eine Katze haben, die er offenbar sehr liebt. Nun wollen ihn religiöse Würdenträger aussondern. „Ein unverheirateter Mann kann die Muslime nicht führen“, lautet es aus klerikalen Kreisen.

Ghani und Rassoul bemühen sich, die Paschtunen als größte ethnische Gruppe auf ihre Seite zu ziehen. Ob das gelingt, wird bezweifelt. Denn beide stellten Männer anderer Ethnien als Stellvertreter auf, die unter den Paschtunen abgelehnt werden.

Ghani setzte den erwähnten Usbeken Dostum ein, Rassoul den Tadschiken Ahmad Zia Massud, Bruder des 2001 getöteten Nordallianz-Führers, Ahmad Schah Massud. Rassoul hat zudem den Nachteil, dass er kaum Paschto spricht.

Geschichten erzählt man sich auch über den dritten Spitzenkandidaten Abdullah Abdullah, der vor allem Tadschiken anspricht. Es heißt, der promovierte Augenarzt aus dem Pandschir-Tal verfüge gar nicht über einen entsprechenden Studiumsabschluss. Doch der frühere Nordallianz-Führer Massud soll Abdullah so oft als Doktor betitelt haben, bis ihn jeder so ansprach.

Gerade ist Abdullah emotional eingeknickt. Sein Weggefährte, der bisherige Vizepräsident und Kriegsfürst Mohammed Qasim Fahim, starb an einem Herzinfarkt. Abdullah war der Erste, der bei Fahims Familie in ihrem Luxusanwesen vorsprach und sein Beileid ausdrückte.

Inzwischen drohte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid den Afghanen mit dem Tod, die an der Wahl teilnehmen. Afghanen sollten die Wahllokale meiden, da dort Anschläge verübt werden. Solche Drohungen wurden bei früheren Wahlen kaum berücksichtigt, obwohl die Taliban Wähler und Kandidaten ermordeten.

Auch dieses Mal wollen viele Afghanen ihrer Wahlpflicht nachkommen, weil sie sich aktiv für Frieden und wirtschaftlichen Fortschritt einsetzen wollen. Obstverkäufer, Taxifahrer oder Tischler in Kabul leben unter schwierigen Bedingungen. Ihr Groll auf die Regierung ist groß. Viele haben kein Verständnis dafür, dass der tote Fahim posthum so gerühmt wurde. Die Zukunft Afghanistans ist sehr ungewiss, von den Wahlen hängt viel ab.


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 Wenig Hoffnung im Wahlkampf von Afghanistan




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Afghanistan, Wahl, Wahlkampf, Gerüchte, Spitzenkandidaten, Kandidaten, Helal, Aschraf Ghani Ahmadsai, Paschtune, Abdul Raschid Dostum, Warlord, Zalmay Rassoul, Abdullah Abdullah, Hamid Karzai, Kriegsfürsten, Taliban, Drohungen, Attentate, Wahllokale, Wahlpflicht