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Haiti: Dürre verschärft Hungersnot

Meldung vom 01.04.2014

Mit einer Hacke müht sich Jean-Romain Beltinor ab, den felsigen Schmutz auf seinem ausgedörrten Hügel aufzulockern. Eine harte Arbeit. Er will Saatgut einpflanzen, das er bisher noch nicht hat. Nach Monaten der Dürre im Nordwesten von Haiti geht des dem Bauern an seine Existenz. Er hat bislang hauptsächlich für seinen Eigenbedarf angebaut. Nun hat er kaum mehr Nahrung für seine 13 Kinder.

Um ein wenig Geld nach Hause zu bringen, muss er eine Arbeit verrichten, die alles nur noch schlimmer macht. Er fällt die wenigen Bäume, die noch übrig sind, um daraus Holzkohle zu machen. Es hat wochenlang nicht geregnet. Seine Familie leide Hunger, erzählt Beltinor, ein wortkarger Mann mit einem faltigen Gesicht und orangenfarbenen Haaren, ein sicheres Zeichen für Unterernährung. Manchmal, so gibt er zu, würden sie ein paar Tage ohne Essen auskommen müssen.

Die Dürre sucht eine der hungrigsten, trostlosesten Regionen Haitis heim. Internationale Hilfsorganisationen wie das UN-Welternährungsprogramms haben bereits reagiert und diese Woche Bulgurweizen, Speiseöl und Salz ausgegeben. 164.000 Menschen haben Nahrungsmittelhilfe erhalten und die Regierung teilte mit, dass 6.000 Samen-Pakete an die Landwirte ausgehändigt wurden. Die Beamten hoffen, damit die Not der Menschen bis zur Regenzeit, die voraussichtlich im April beginnt und bis zur Ernte im Juni währt, ausgleichen zu können.

Der Niederschlag im äußersten Westen Haitis belief sich in diesem Jahr auf nur 50 Prozent der bislang durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Die Angaben machte die Organisation US Geological Survey, die ein Frühwarnsystem für Hungersnöte mit Zahlen und Fakten speist.

Die Familien, so erklärt Chris Hillbruner, ein leitender Berater für die Organisation, haben nicht mehr ausreichend Geld, Saatgut für die kommende Saison, Schulgebühren oder Medizin zu bezahlen. Schon das, was sie zu ihrem Existenzminimum benötigen, fehlt. Die Bauern mussten ihr Vieh veräußern. Das Korn, das eigentlich als Saatgut dienen sollte, wurde verzehrt. Tiere, die nicht verkauft werden, verenden oft elendiglich.

Beltinors Frau Jenilia berichtet, sie hätte ein 35-Dollar-Regierungsalmosen bekommen – im September, kurz bevor es aufgehört hatte zu regnen. Sie hätte das Geld für den Schulunterricht und Schuhe für ihre Kinder ausgegeben. Aber es hätte vorne und hinten nicht gereicht, berichtet Jean-Baptiste. Dabei steht er traurig vor der Tür seines Hauses aus Ästen und Stroh.

Viele von Beltinors Kindern, sechs davon mit Jean-Baptiste, sind von den verräterischen Zeichen der Mangelernährung gezeichnet: Orangefarbene und dünne Haare, geschwollene Bäuche mit hervortretenden Rippen und abgemagerte Gliedmaßen. Als sie zur Welt kamen, meint Jean-Baptiste, hätten sie ausgesehen wie normale Kinder, gesund. Aber je älter sie wurden, umso kränker sahen sie aus.

Schon bevor die Dürre anfing, litt ein Viertel der Menschen in der Region unter chronischer Unterernährung. Fünf Prozent waren akut unterernährt. Seitdem sei die Unterernährung bei Kindern dramatisch nach oben geklettert, bezeugt Faith Leach, ein Administrator, der seit fast zwei Jahrzehnten am Evangelischen Krankenhaus in Bombardopolis tätig war. Acht Kinder wurden von Oktober bis Dezember wegen Unterernährung eingeliefert. Diese Zahl vergrößerte sich seit Februar auf 30.

Die gesamte Region ist rückständig. Es gibt keine Tankstellen, wenige oder gar keine asphaltierten Straßen und nur ein paar vereinzelte Regierungsbüros in den Küstenstädten. Die Häuser werden aus Heu, Stein und Stöcken fabriziert. Als einzige Wahrzeichen des 21. Jahrhunderts erheben sich die Handy-Türme über einer von der Sonne ausgetrockneten Landschaft aus Staub, Felsen und Kakteen. Die Stadt Bombardopolis, die sich in der Nähe von Beltinors Grundstück befindet, hat es noch ein wenig besser als der Rest der Region. Sie liegt auf einem Plateau mit Blick auf die Karibik. Dort stehen noch einige gesund aussehende Bäume. Aber der Dürre werden auch diese Bäume nicht mehr lange standhalten.

Dunkler Rauch von den Holzkohlemeilern hüllt die Hügel ein. Das Holz dafür stammt von armen Bauern wie Beltinor. Der bescheidene Erlös dafür wird in den Kauf von Samen fließen, die Beltinor hofft, anpflanzen zu können. Die Holzkohleproduktion hat dazu geführt, dass die Waldfläche des Landes auf 2 Prozent des gesamten Landes zurückgegangen ist. Experten kritisieren, dass die Entwaldung den Boden ausgelaugt hat. Auch haben sich deswegen die Regenfälle verringert. Falls es dann regnet, führt der karge Boden auch immer wieder zu Überschwemmungen. Ein Teufelskreis. Die Bauern sind sich dessen schon bewusst: „Es ist das Elend, das uns zwingt, das tun“, sagt Beltinor.




Quelle: „Karibik News“, www.karibik-news.com

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