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Afghanistan: „Als ich ein riesiges Tosen hörte“ – Überlebende über den Erdrutsch

 
Meldung vom 06.05.2014

Nach dem Abgang der riesigen Schlammlawine in Afghanistan, die mehr als 2.500 Menschen das Leben kostete, laufen die Hilfsaktionen langsam an. Doch die Hilfe dringt nur schwer vor, da es sehr schwierig ist, in die abgelegene Bergregion zu gelangen. 4.000 Menschen sind obdachlos und es ist immer noch kalt dort. Sie benötigen dringend Hilfe von außen.

Es ereignete sich alles so schnell, dass die Menschen keine Zeit hatten, wegzulaufen. Kurz zuvor hatten Kinder noch vergnügt in den Höfen herumgetollt, Frauen hatten das Mittagessen gekocht und Männer hatten sich zu einem Feiertagsplausch zusammengetan. Doch dann brach der Berg ein. Binnen Minuten haben zwei meterhohe Lawinen aus Schlamm und Gestein am Freitag (02.05.2014) dem normalen Leben in dem Dorf Ab-e-Barik im Nordosten Afghanistans ein tragisches Ende bereitet. Es spielte sich dort die schlimmste Naturkatastrophe ab, die das Land seit zwei Jahrzehnten erlebt hat.

Die Behörden gehen von mindestens 2.500 Toten aus. „Wir haben versucht, sie zu retten, doch die Schlammschicht ist mehr als 50 Meter dick“, bezeugte Provinzgouverneur Shah Waliwallah Adi. Schon am Samstag gaben Helfer die Suche nach Verschütteten auf, weil keine Hoffnung auf Überlebende mehr bestand. Der Fokus liegt nun auf den 4.000 Menschen, die obdachlos sind oder flüchten mussten.

Das Land befindet sich seither in einer Schockstarre. Präsident Hamid Karzai rief den Sonntag zum nationalen Trauertag aus. Am Unglücksort wurden Massengebete für die Opfer gesprochen. Es war am Freitagvormittag, als ein erster Erdrutsch die Menschen überwältigte und als Erstes eine Hochzeitsgesellschaft mit 250 Menschen ergriff.

Der Freitag ist im Islam mit dem christlichen Sonntag vergleichbar. Kaum blieb Zeit, die Katastrophe zu überblicken, da löste sich schon eine weitere Lawine. 300 bis 400 Hütten des an einem Hang gelegenen Dorfes wurden von den Geröll- und Schlammmassen überschüttet und haben ganze Familien in ihren Häusern begraben. „Ich aß gerade Mittag am Fenster meines Hauses, als ich ein riesiges Tosen hörte, und ich begriff, dass unser Dorf von einem Erdrutsch getroffen wurde“, berichtete Begum Nisa, eine 40-jährige Mutter dreier Kinder, die bei dem Unglück den Tod mehrerer Angehöriger beklagen musste. „Ich rief meiner Familie zu, sich in Sicherheit zu bringen, aber es war zu spät. Ich habe meinen lieben Vater und Mutter verloren. Ich habe meinen Onkel und fünf Mitglieder seiner Familie verloren.“

Aus Nachbardörfern kamen Menschen herbei, um anzupacken und nach Opfern zu suchen. Mit Schaufeln und Händen gruben sie in dem Schlammberg nach Überlebenden – zumeist vergebens. Lediglich acht Menschen konnten lebend befreit werden. Die Provinzregierung ließ die Suche nach Überlebenden am Samstag abbrechen, da die Häuser metertief unter dem Schlamm lagen und in der abgelegenen Bergregion kein schweres Gerät vorhanden war. Der Transport von Maschinen dorthin hätte zudem sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Es gebe keine Hoffnung, noch Überlebende unter den Lawinenmassen zu bergen, behauptete die Regierung. „Jeder hat Familienmitglieder oder Freunde verloren“, klagte Abdul Maroof Rasekh, ein Dorfbewohner. „Ich habe eine Tragödie miterlebt.“

Nun müsste für die Überlebenden gesorgt werden. 4.000 Menschen haben ihr Heim verloren und campieren unter offenem Himmel. Viele haben sich aus Angst vor weiteren Erdrutschen in höhere Regionen begeben. Sie nächtigen bei bitterer Kälte im Freien. Viele wollen nicht mehr in ihr Dorf zurück. Die Menschen benötigen dringend Zelte, Wasser, Nahrung, medizinische Hilfe, fordert Ari Gaitanis von der UN. Weil die schweren Regenfälle der vergangenen Tage viele Straßen und Wege unpassierbar gemacht haben, fällt es den Helfern schwer, das Unglücksgebiet zu erreichen. Viele Familien mussten schon zwei Mal in Folge im Freien übernachten.

Medienberichten zufolge sind jedoch inzwischen erste Hilfskonvois zu den Menschen vorgedrungen. Das afghanische Militär verwendete Hubschrauber, um Rettungsteams einzufliegen. „Wir haben es geschafft, einen Bagger in das Gebiet zu bringen. Aber Graben erscheint sinnlos“, meinte der Vizechef der örtlichen Polizei, Colonel Abdul Qadeer Sayad. Der Ort mache den Eindruck eines Schlachtfelds. Kadaver von Tieren übersäen den Boden. Die Häuser in der Region bestehen traditionell aus Lehm, Stein und Stroh. Sie hatten der Wucht des Erdrutsches kaum standhalten können. Das Dorf Ab-e-Barik befindet sich in der Provinz Badachschan, die an Tadschikistan, China und Pakistan grenzt. Ihre etwa 900.000 Einwohner bestreiten ihre Existenz hauptsächlich durch Landwirtschaft.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Der Tagesspiegel“, tagesspiegel.de

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