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Indien: Junge Demokratie – Starke Wahlbeteiligung

 
Meldung vom 13.05.2014

Gestern gingen in Indien die Wahlen zu Ende – eine fünf Wochen dauernde bürokratische Herkuslesaufgabe, bei der mehr als 800 Millionen Menschen zur Urne aufgerufen wurden. Die meisten sind diesem Ruf gefolgt. Wahlmüdigkeit gibt es in Indien dieser Tage nicht.

Der hagere Mann ist noch gut beweglich. Erst als er in Reichweite kommt und die Abendsonne sein zerfurchtes Gesicht erhellt, kann man erfassen, dass er ein langes, entbehrungsreiches Leben bewältigt haben muss. Badri Prasad Maurya ist im stolzen Alter von achtzig Jahren. Aber in diesem Moment, da die Kundgebung auf dem großen Feld sich gerade dem Ende zuneigt, erschallt sein fröhliches Lachen wie das eines kleinen Jungen.

„Natürlich gehe ich am Montag zur Wahl“, ruft er, „ich weiß, was meine Stimme wert ist.“ Als junger Mann hat der Inder manchmal nicht zu Wahl gehen können, weil er weit weg von seinem Heimatort gearbeitet hat. Aber seit den Siebzigerjahren habe er keine Wahl mehr ausgelassen, betont der alte Mann aus dem Dorf Purjagir. Gerade hat er einer Rede des Kandidaten Narendra Modi beigewohnt. Der Hindu-Nationalist steht an der Spitze der Opposition und will der regierenden Kongresspartei die Macht streitig machen.

Am Montag (12.05.2014) war der letzte Abstimmungstag, fünf Wochen währten die Wahlen zum indischen Unterhaus. Männer wie Maurya beweisen, dass diese Demokratie lebendig ist. Von einem Vorzeigemodell kann zwar keine Rede sein. Aber was Indiens Demokratie stützt, ist der zielstrebige Wille seiner Bewohner, sich einzumischen. Sie melden sich offen zu Wort und halten Kritik nicht zurück. Es ist eine Gesellschaft, in der sich leidenschaftlich auseinandergesetzt und verhandelt wird.

Allerdings ist es auch Brauch bei den indischen Politikern, Wahlgeschenke aller Art zu verteilen, um sich Stimmen zu verschaffen. Maurya sagt, dass schon viele an seine Tür gekommen wären, um ihm vor der Wahl ein paar Almosen auszuhändigen. Darauf habe er sich aber nie eingelassen, sagt er stolz. Und das will er auch jetzt nicht.

Früher hat er öfter für die Kongresspartei ein Kreuzchen gemacht. Er erinnert sich, dass er einst besonders von Premierministerin Indira Gandhi überzeugt war, die später von ihren Leibwächtern getötet wurde. Aber jetzt? „Die bringen nichts mehr zustande im Kongress“, kritisiert er. Also wird er diesmal seine Stimme jemandem anderen geben. Maurya will noch einmal etwas in Bewegung bringen: „Meine Stimme wird zählen, auch wenn ich nur ein einfacher Bauer bin.“

Begegnungen dieser Art kommen häufig zustande in diesen Tagen im Bundesstaat Uttar Pradesh, einem dicht besiedelten Schlüsselstaat, in dem ein heftiges Machtgerangel auch von Neuzugängern in der Politik herrscht. Modi hat hier seine letzten lautstarken Wahlkampfreden vorgetragen, und auch Rahul Gandhi von der Kongresspartei hat am Samstag noch einmal versucht, das Ruder herumzudrehen. Er ließ sich im Wagenkonvoi durch Varanasi fahren, die heilige Stadt, um seinen Widersachern, den Hindu-Nationalisten von der Bharatiya Janata-Partei (BJP), mutig entgegen zu treten.

Die Alten sind ferne von jeglicher Resignation, und die Jungen können es kaum erwarten, ein erstes Mal ihre Stimme abzugeben. Zum Beispiel Shivji Keshri, ein Händler aus Varanasi, 25 Jahre alt. Er hätte schon 2009 zu Wahl gehen können, war aber nicht registriert. Damals erlang die Kongresspartei den Sieg. Seitdem hat sich Indiens Bevölkerung um noch einmal 100 Millionen Wähler vergrößert.

Es geht dabei um Jungwähler, aber auch ältere Bürger, die zuvor nicht registriert waren. Die Zahl der Stimmberechtigten ist so auf 814 Millionen nach oben gegangen. Eine logistische Mammutoperation ist nun zum Ziel gekommen. Montagabend haben die letzten Wahllokale geschlossen. Die ersten Ergebnisse werden sicher am Freitag veröffentlicht, wenn die Stimmen aller Regionen ausgezählt sind.

Keshri führt ein eigenes Geschäft, aber die indische Wirtschaft schwächelt, klagt der junge Händler. Die Preise schnellen in die Höhe, und er sieht überall Menschen, die dem Teufelskreislauf der Armut nicht entkommen können. „Wir müssen mehr in die Infrastruktur investieren, wir haben nicht mal eine verlässliche Stromversorgung.“ Auch bei Keshris Nachbarn ist es vorgekommen, dass Parteien Geschenke aushändigen. Studenten in Varanasi haben kurz vor der Abstimmung Laptops erhalten.

Aber die Politiker können heute nicht mehr darauf bauen, dass sich die Beschenkten auch wirklich mit ihrer Stimme bedanken. Das System der Patronage, das Indien so lange beherrscht hat, beginnt zu wanken. Keshri zeigt gesundes Selbstbewusstsein: „Wir entscheiden selbst, wen wir haben wollen“, behauptet er, „wir Jungen brauchen Jobs, keine Geschenke.“ Seine Freunde werden alle am Montag ihren Stimmzettel abgeben, er kenne keinen, der sich diese Gelegenheit entgehen lässt. Wahlmüdigkeit – danach kann man in Indien lange suchen.


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 Indien: Parlamentswahlen sind abgeschlossen




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Süddeutsche Zeitung“, sueddeutsche.de

Schlagwörter: Indien, Wahl, Wahlbeteiligung, Wahlmüdigkeit, Demokratie, Stimme, Urne, Jugend, Neuwähler, Wahlkampf, Hindus, Opposition, Narendra Modi, Rahul Gandhi, Stimme, Kongresspartei, Bharatya Janata-Partei, Wirtschaft, Armut, Patronage, Geschenke