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Somalia: Als Soldatin dem Land nützlich sein

Meldung vom 02.06.2014

Im streng islamischen Somalia nimmt die Zahl der Frauen in Uniform zu. Nicht selten haben sich die Soldatinnen gegen den Willen der eigenen Familie durchgesetzt und sich zum Militär gemeldet.

Ein langes violettes Kopftuch umgibt den Oberkörper der schlanken jungen Frau. Über ihrer Schulter ist ein Maschinengewehr zu erkennen. Am Eingang einer Polizeistation in der somalischen Hauptstadt Mogadischu inspiziert Naeemo Abdi an diesem Tag die Besucher. Als die 25-Jährige einen Mann anhält, der sie einfach passieren will, mustert er sie scharf und brüllt: „Frau und Soldat?“ Abdi würdigt ihn keiner Antwort, sondern zeigt auf den Checkpoint.

In der traditionell frauenfeindlichen somalischen Gesellschaft sind Frauen in Uniform selten zu sehen. Die meisten Somalierinnen hüten das Haus, ihre Arbeit begrenzt sich auf Heim und Herd. Doch Abdi war das nicht genug. Sie gehört zu den mutigen Frauen, die die sozialen Schranken durchbrechen wollen. Schätzungen zufolge sind etwa 1.500 der rund 20.000 Soldaten der somalischen Streitkräfte Frauen.

Seit zwei Jahren dient Abdi im Militär. Es sei schwer gewesen, berichtet die Mutter von drei Kindern. Sie wollte aus der konventionellen Hausfrauenrolle ausscheren und strebte nach dem sozialen Status, den die Uniform versprach. Ihr Mann und ihre Familie wollten sie daran hindern. „Es war schwierig, aber ich musste das tun, um meinem Land vorbehaltlos zu dienen“, meint sie.

Einige Somalier unterstützten die Aufnahme von Frauen in die Streitkräfte, die meisten aber wiesen sie zurück. Abdi wehrt sich dagegen. „Das Geschlecht ist doch keine Grenze“, meint sie, während sie die Schnürsenkel ihrer Stiefel zuzieht. „Wenn sie engagiert sind, können Frauen viel mehr leisten als Männer.“

Regelmäßig verübt die Al-Schabaab-Miliz Anschläge auf Regierungseinrichtungen und Sicherheitskräfte. Dabei sterben immer wieder Soldaten. Dennoch ließen sich die Frauen vom Militärdienst nicht abhalten: Die Zahl der weiblichen Rekruten ist nach Militärangaben in den vergangenen Jahren gewachsen.

Aus Sicherheitsgründen bemühen sich die meisten Soldatinnen, ihre Identität zu verbergen. Wenn sie nicht im Dienst sind, verhüllen sie sich unter dem Hidschab und zeigten ihr Gesicht nicht, damit sie nicht erkannt werden.

Sadiya Nur hat auch noch eine andere Strategie, um sich und ihre Familie zu schützen. Wenn ihre Schicht zu Ende ist, nimmt sich nicht den direkten Weg nach Hause, sondern begibt sich auf einen Umweg – für den Fall, dass Extremisten sie verfolgen sollten. Im Bus nimmt sie immer in der hintersten Reihe Platz, um mögliche Angreifer früh genug erkennen zu können. „Mein Gefühl rät mir, vorsichtig zu sein, weil sie nicht wollen, dass ich meinem Land helfe“, meint die 28-jährige Nur. „Mein Mann, meine Familie, alle wollten, dass ich zu Hause bleibe. Aber das war nichts für mich.“ Andere Soldatinnen berichten, ihre Ehen seien an ihrem Entschluss, in den Militärdienst einzutreten, gescheitert.

Für viele Frauen ist die harte körperliche Ausbildung das größte Hindernis auf dem Weg in die Streitkräfte. „Einige konnten kaum eine Meile laufen, anderen weinten und gaben auf“, schildert Hauptmann Mohamed Hussein seine Erfahrungen. Er ist als Polizeioffizier für die Ausbildung der Rekrutinnen zuständig.

Auch innerhalb der Streitkräfte würden Frauen schlecht behandelt und dürften nur niedere Arbeiten tun, kritisieren die Soldatinnen. Shukri Hassan ist eine von ihnen. „Frauen werden degradiert, sie werden nicht in höhere Ränge befördert“, beschwert sie sich. Die meisten Soldatinnen haben die Bewachung von Polizeistationen zur Aufgabe, auch wenn einige gerne gegen die islamischen Extremisten ins Gefecht ziehen wollen.

Dennoch würdigen die Rekrutinnen, was sie bislang erreicht haben – nicht nur für sich selbst, sondern für alle somalischen Frauen. „Wir hoffen, dass sich Gleichberechtigung in der Armee positiv auf die Gesellschaft auswirkt“, meint Abdi. „Wir wollen zeigen, dass wir unserem Land nützlich sein können.“




Quelle: „20 Minuten Online“, http://www.20min.ch

Schlagwörter: Somalia, Militär, Soldatinnen, Frauen, Uniform, Ausbildung, Al-Schabaab-Miliz, Anschläge, Gleichberechtigung, Gender, Diskriminierung, Streitkräfte