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Haiti: Baupläne für ein schickes Verwaltungsviertel – Bewohner werden obdachlos

Meldung vom 25.07.2014

Haiti hegt ehrgeizige Baupläne, vor allem für seine Regierungsbeamten. Die breiten Straßen in den Werbeprospekten der Regierung Haitis sind akurat, reinlich und attraktiv. Für alles ist gesorgt: Das neue Viertel ist umgeben von Palmen, kleinen Parks und ordentlich gemähten Rasen. Die neuen Ministeriumsgebäude bieten mit einer glatten modernen Fassade einen schönen Anblick. Nur einige lehnen sich mit ihrem neo-klassizistischen Stil noch an die früheren Gebäude von Port-au-Prince an, die durch das Erdbeben zusammenfielen.

Das neue großartige Port-au-Prince soll so entstehen, wie Präsident Michel Martelly es sich vorstellt. Alles, was am 12. Januar 2010 bei dem heftigen Erdbeben dem Erdboden gleichgemacht wurde, soll wieder aufgebaut werden. Allerdings bekommt das neue Port-au-Prince in den Regierungsplänen ein anderes Gesicht: Es ähnelt nicht mehr der alten Hauptstadt, sondern eher einem reichen Vorort von Miami.

Es wird einige Zeit benötigen, bis die Pläne realisiert werden, vielleicht noch weitere zehn Jahre. „Aber ich denke, das ist realistisch. Wir können es schaffen“, hofft Harry Adam. Als Direktor einer staatlichen Agentur ist er für den Bau der öffentlichen Gebäude verantwortlich.

Die Abbrucharbeiten für das 30 Hektar große Verwaltungsviertel wurden im Juni eingeleitet. Der Plan wurde als Zeichen für eine Art Wiedergeburt nach der Katastrophe bejubelt. Doch bei vielen armen Bewohnern, die dafür ihre Behausung räumen mussten und jetzt obdachlos sind, bewirkte er einen Sturm der Empörung. Sie hatten nur wenige Minuten Zeit, um ihr Hab und Gut zu packen, bis die Planierraupen anrollten.

Eine verlässliche Statistik über die Zahl der Menschen, die durch die Bauarbeiten ihr Heim verloren haben, liegt nicht vor. Allerdings wurden im Stadtzentrum in den vergangenen Wochen viele neue Camps für obdachlose Familien eröffnet. Viele Erdbebenüberlebende sind frustriert. Ist es ihnen doch gerade erst mit Unterstützung von Hilfsorganisationen gelungen, aus den schmutzigen Zeltlagern in eine eigene Wohnung umzuziehen. Jetzt müssen sie wieder unter Planen hausen oder bei Freunden Unterschlupf suchen.

Der 32-jährige Jean-Louis Wilner ist einer von den Vertriebenen. Er ist Vater eines zwei Jahre alten Sohnes. Er hat einige Jahre in solch einem Zeltlager verbracht und dachte, dieses Elend endgültig hinter sich gelassen zu haben. Er mietete für ein Jahr eine subventionierte Wohnung an und verdiente Geld mit dem Verkauf kalter Getränke. Nun ist Wilner ratlos, wie er die Orkan-Saison überleben soll. Wie viele andere hat er noch nicht überwunden, dass sein ganzer Besitz entweder im Geröll verloren gegangen ist oder von Dieben gestohlen wurde. „Dieses Land respektiert keine Menschen. Ich bin schlechter dran als nach dem Erdbeben. Es ist erniedrigend“, kritisiert er.

Oppositionspolitiker raten den vertriebenen Familien, sich zu Demonstrationen gegen die Regierung zusammenzutun. „Sie geben ihnen nur eine Warnung von wenigen Minuten und dann beginnen sie zu planieren. Ich betrachte das als Verbrechen“, erklärt Senator Moise Jean-Charles, ein Gegner der Regierung Martellys. Die meisten Familien stehen alleine da und können bei niemandem unterkommen.

Auch Regierungsbeamte geben zu, dass die Kommunikation über die Abrissarbeiten nicht gut gelaufen ist. Der öffentliche Notar Jean-Henry Ceant, der die Bewohner bei ihren Beschwerden unterstützt, behauptet, dass Eigentümer schnell Entschädigung erhalten würden, wenn sie Beweise vorweisen können. Aber das ist in Haiti kaum möglich, wo im Grundbuchamt ein heilloses Chaos herrscht.

Auch Mieter haben Anspruch auf eine Entschädigung, allerdings nur, wenn sie über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren belegen können, dass sie Strom und Wasser bezahlt hätten. Wenn sie die Rechnungen zeigen, prüfen wir eine Entschädigung, sagt der Regierungsbeamte Adam.

Im Moment benötigt man noch viel Phantasie, um das geplante glänzende Stadtzentrum unter all den Massen von Müll und Trümmern zu erahnen. Die Regierung will ein Geschäftsviertel mit eleganten Boulevards und Ministerien errichten lassen, das schon vor dem Erdbeben nicht existierte.

Die genauen Kosten für die Arbeiten behielt die Regierung geheim. Dafür werden aber in der ersten Bauphase geschätzte 150 Millionen Dollar fließen müssen. Die Arbeiten werden mit Geld aus dem Schuldenerlass und Venezuelas Treibstoffprogramm Petrocaribe bezahlt. Viele befürchten aber auch, dass sich die Politiker selbst an diesem Projekt bereichern.

Adam wiederum pocht darauf, dass der ambitionierte Wiederaufbau das Stadtzentrum zum Positiven verändern wird, wenn es der Regierung gelingt, das Geld zu beschaffen. „Wir müssen es besser wiederaufbauen“, meint er. „Aber es wird eine Menge kosten.“

Auch einige Bewohner von Port-au-Prince sind von dem Wiederaufbauprogramm angetan. „Ich würde meine Stadt lieben, hätte sie ein anderes Image“, betont der Polizist Evens Simon, während er die Baustellen passiert. „Ich möchte ein Port-au-Prince so wie New York, Miami, Kanada.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „T-Online“, www.t-online.de

Schlagwörter: Haiti, Wiederaufbau, Verwaltungsviertel, Ministerien, Räumung, Obdachlose, Planierraupen, Erdbeben, Zeltlager, Wohnung, Baupläne, Miami, Grundbuch, Entschädigung, Trümmer, Stadtzentrum, Demonstration, Abriss, Abrissarbeiten, Michel Martelly, Finanzierung, Port-au-Prince